Peinlicher E-Mail-Fauxpas bei GOG
Der digitale Spielehändler GOG musste sich am Wochenende für eine ungewöhnlich geschmacklose E-Mail entschuldigen. In einer automatisch versendeten Nachricht an seine Kunden wurden plötzlich Nazi-Runen (SS-Symbole) eingeblendet. Was die Empfänger zunächst für einen bizarren Scherz hielten, entpuppte sich als echter Fehler im Marketing-Versand.
- Die Runen tauchten offenbar in einem visuellen Element der Mail auf.
- GOG bestätigte den Vorfall auf Twitter/X und versprach eine Untersuchung.
- Eine genaue technische Ursache wurde bisher nicht genannt.
GOG wurde 2008 als Good Old Games gegründet, ein Spin-off des polnischen Publishers CD Projekt. Das Unternehmen spezialisierte sich auf DRM-freie Klassiker und baute eine treue Fangemeinde auf. Seit 2010 gehört GOG vollständig zu CD Projekt, das mit der Witcher-Serie und Cyberpunk 2077 weltweit bekannt wurde. 2023 erwirtschaftete CD Projekt rund 1,2 Milliarden Złoty (etwa 280 Millionen Euro) Umsatz, wovon GOG einen geringen, aber stabilen Anteil beiträgt. Der Händler lagert keine Spiele selbst, sondern vermittelt Lizenzen, ein Modell, das auf Vertrauen basiert.
Der Fauxpas ereignete sich am 11. Mai 2025 im Rahmen einer Werbeaktion für Retro-Titel. Die E-Mail bewarb unter anderem Commandos 2 und Silent Storm, zwei Spiele mit historischem Zweiter-Weltkrieg-Setting. Solche Titel enthalten mitunter originale Symbole, die in Deutschland zensiert wurden. GOG verwendet dafür standardisierte Filter, warum genau diese Grafik durchrutschte, ist unklar.
- In der Vergangenheit gab es bei GOG ähnliche Probleme mit automatisierten Grafiken. 2021 tauchten in einer Newsmail versehentlich jugendgefährdende Cover auf.
- Die Plattform hat kein eigenes Content-Team für Mails, sondern nutzt externe Dienstleister für das E-Mail-Marketing.
Die Reaktion der Community fällt verhalten aus
Bei Retro-Fans und langjährigen GOG-Kunden sitzt der Schock tief. Der Händler, der sonst mit DRM-freien Klassikern und einem sauberen Image punktet, steht nun vor einem PR-Problem.
- Viele Nutzer fordern eine transparente Aufklärung, wer für die Grafik verantwortlich war.
- Andere spekulieren über eine unbedachte Datenbank- oder Template-Panne.
- Die Entschuldigung von GOG wirkt auf manche wie eine Standardfloskel.
In Foren wie r/gog auf Reddit und im offiziellen GOG-Forum stieg die Diskussion binnen Stunden auf über 4000 Kommentare. Ein Nutzer verglich den Vorfall mit der Volksverhetzungsklage gegen einen deutschen YouTuber, der 2023 aus Versehen NS-Symbole in einem Stream zeigte. Andere erinnerten an die Humble-Bundle-Kontroverse von 2020, als eine Aktion für Indie-Spiele antisemitische Stereotype enthielt. Damals zog Humble die Werbung nach 24 Stunden zurück und spendete 50.000 Dollar an Bildungsorganisationen. GOG hat bislang keine vergleichbare Spende angekündigt.
- CD Projekt selbst hat Erfahrung mit sensiblen Inhalten: Der Witcher 3 zeigt keine NS-Symbole, aber Diskussionen um Rassendarstellungen im Spiel gab es mehrfach.
- GOG zählt etwa 10 Millionen registrierte Nutzer, die aktive Community liegt bei rund 2 Millionen monatlichen Besuchern.
GOG verweist auf "unfortunate visual association"
In der offiziellen Stellungnahme heißt es, der Händler bedauere die "unglückliche visuelle Assoziation". Das klingt nach einem Ausrutscher, aber nicht nach einer vollständigen Erklärung.
- GOG hat nicht klar gemacht, ob es sich um einen menschlichen Fehler oder eine automatische Generierung handelte.
- Die E-Mail selbst enthielt offenbar keine weiteren politischen Aussagen.
- Ob interne Prozesse angepasst werden, bleibt offen.
Branchenkenner vermuten einen Fehler im E-Mail-Template-System. Viele Händler nutzen dynamische Platzhalter, die Grafiken aus einer zentralen Datenbank ziehen. Wenn dort ein altes, fehlerhaftes Asset lag, etwa aus der Zeit der unzensierten Versionen von Wolfenstein 3D oder Return to Castle Wolfenstein, kann es automatisch eingefügt worden sein. GOG verkauft beide Spiele in der deutschen Fassung ohne Hakenkreuze. Die Originaldateien mit den Runen existieren aber noch in den internationalen Versionen.
- Vergleichbare Pannen gab es bei Steam: 2022 zeigte die Store-Seite eines Indie-Spiels kurzzeitig ein NS-Kennzeichen, weil der Entwickler ein falsches Sprite hochgeladen hatte.
- Valve reagierte damals mit einer automatischen Bildfilter-Liste. GOG hat eine solche Liste nicht öffentlich dokumentiert.
Keine klare Erklärung für die Panne
Die große Frage: Wie schaffen es Nazi-Symbole überhaupt in eine seriöse Werbe-Mail? GOG schweigt zu den internen Abläufen. Für einen Händler, der mit Nostalgie und Vertrauen wirbt, ist das ein schwerer Lapsus. Ob die Community das so schnell vergisst, wird sich zeigen, die Runen bleiben erstmal im Gedächtnis.
Die Entschuldigung von GOG kam am Sonntagabend, veröffentlicht auf X (ehemals Twitter) und im GOG-Blog. Der Beitrag erhielt innerhalb von zwei Stunden über 5000 Antworten, darunter viele mit Screenshots der inkriminierten Mail. Einige Nutzer berichteten, die Runen seien nur auf mobilen Geräten sichtbar gewesen, ein Hinweis auf ein responsives Layout-Problem. Im Desktop-Client wurden alternative Grafiken geladen.
- GOG hat bisher keine interne Revision angekündigt. Das Schweigen zu den konkreten Abläufen nährt Spekulationen über mangelnde Qualitätskontrolle.
- Der Vorfall könnte Auswirkungen auf die geplante GOG Summer Sale 2025 haben, der für Juni angesetzt ist. Partner-Studios haben bereits verhalten auf Nachfragen reagiert.
- Ein ehemaliger GOG-Mitarbeiter schrieb anonym auf Blind, das Template-System sei unterfinanziert und seit drei Jahren nicht überholt worden.