Die Jagd nach Exklusiv-Schätzen
Matze war schon oft in Japan und hat für PCGames einen Shopping-Guide veröffentlicht. Sein Fazit: Wer als Gamer nach Japan fliegt, sollte leeren Koffer packen, und eine Liste mit seltenen Funden. Denn während manche Produkte auch im Westen auftauchen, bleiben echte Perlen oft regional exklusiv.
- Retro-Konsolen und Handhelds: Famicom, Super Famicom, Game Boy, aber auch regionale Sondermodelle wie der Famicom Disk System oder der Pokémon-Mini sind in Japan deutlich häufiger und günstiger.
- Spiele, die nie den Westen erreichten: Viele JRPGs, Visual Novels und Action-Titel wie Mother 3 oder Seiken Densetsu 3 (vor der offiziellen Übersetzung) sind nur auf Japanisch verfügbar, aber originalverpackt ein Museumsstück.
Mother 3 erschien 2006 für den Game Boy Advance: Entwickelt von Brownie Brown (heute 1-UP Studio) unter Regie von Shigesato Itoi. Es folgte auf EarthBound (1994, Super NES) und EarthBound Beginnings (1989, Famicom). Eine offizielle Lokalisierung scheiterte an Marketingbedenken von Nintendo, die Sammlung EarthBound: The Complete Collection blieb aus. Seiken Densetsu 3 (1995, Super Famicom) stammt von Square, Vorgänger war Secret of Mana (1993). Erst 2019 erschien die englische Version in der Collection of Mana, 24 Jahre Verspätung.
Das Famicom Disk System von 1986 ermöglichte günstigere Spiele auf Disketten und blieb Japan-exklusiv. Rund 4 Millionen Einheiten wurden verkauft, Titel wie The Legend of Zelda und Metroid debütierten dort. Heute sind die Disketten wegen magnetischer Zersetzung oft defekt, die Hardware aber als Sammlerstück begehrt.
Hard-Off, Book Off und Akihabara
Die besten Fundorte sind laut Matze nicht die Touristenfallen, sondern Second-Hand-Ketten wie Hard-Off oder Book Off. In Akihabara lohnt sich der Besuch von Super Potato, einem mehrstöckigen Retro-Paradies mit originalgetreuen Preisen.
- Zubehör und Hardware: Regionale Controller (Saturn-Controller, Hori-Pads), Netzteile für 100 Volt, Speicherkarten und Link-Kabel.
- Zeitschriften und Artbooks: Famitsu, Game oder offizielle Artworks, oft mit regionalen Sonderbeilagen.
Die Book-Off-Gruppe wurde 1991 gegründet und betreibt heute über 800 Filialen landesweit. Hard-Off ist die Elektroniksparte der Gruppe. Preise dort liegen oft 50 bis 70 Prozent unter dem Neupreis. Super Potato, seit 1997 in Akihabara ansässig, verlangt dagegen Aufpreise für Seltenheit, ein Super Famicom-Karton kann 80 Euro kosten, während er bei Hard-Off für 15 Euro über die Theke geht.
Zubehörhersteller Hori wurde 1983 in Tokio gegründet und liefert offiziell lizenzierte Controller für Nintendo und Sony. Deren Fighting Commander für Saturn oder die Mini GamePad-Reihe sind in Japan deutlich variantenreicher als im Westen. Auch Arcade-Sticks von Hori (z. B. Real Arcade Pro) sind dort oft um 30 Prozent günstiger, aber für 100-Volt-Netze ausgelegt.
Achtung, Fallstricke
Nicht alles, was glänzt, ist Gold. Matze warnt: Regionale Unterschiede bei Netzteilen (100V vs. 230V) und fehlende Sprachauswahl machen manche Sachen unspielbar, es sei denn, ihr besitzt einen modifizierten Import-Boliden.
- Unbedingt prüfen: Regionale Kompatibilität von Konsolen und Spielen (NTSC vs. PAL, Region-Lock).
- Lieber nicht einpacken: Große ARCADE-Sticks oder Röhrenmonitore, Zoll und Transport kosten mehr als der Neuwarenpreis.
Das Famicom hat 60 Pins, das NES nur 72, ein direkter Anschluss ohne Adapter unmöglich. Der Super Famicom verwendet ein anderes Modulgehäuse als das SNES; selbst mit mechanischem Adapter funktionieren viele Spiele wegen des Region-Locks nicht. PlayStation 2-Spiele aus Japan (NTSC-J) laufen nicht auf europäischen PS2-Modellen (PAL), aber die PS2 selbst ist regionfree für Spiele, wenn auch nicht für DVDs. Praktisch bedeutet das: Eine japanische PS2 spielt alle PS2-Spiele, aber braucht einen 100-Volt-Transformator.
Für den Zoll gilt: Bei Einfuhr aus Japan wird auf Waren über 150 Euro Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent fällig, plus Zoll (0 Prozent für Spiele, 6 Prozent für Konsolen). Ein Arcade-Stick im Wert von 200 Euro kostet also 38 Euro extra. Röhrenmonitore (CRT) wie der Sony PVM sind schwer, zerbrechlich und als Sperrgut kaum zu versenden, Matze rät klar davon ab.
Matzes Motto: „Nur kaufen, was zu Hause auch funktioniert oder was euer Sammlerherz höher schlagen lässt.“