Der Abstieg eines Superstars
Früher spielte Johnny Depp in Blockbustern wie „Fluch der Karibik“ oder „Edward mit den Scherenhänden“. Jetzt steht er im Juli 2026 auf einer Comic-Con-Bühne und schreit „Humbug!“ in eine Menge.
- Gekleidet als Ebenezer Scrooge, einer längst gemeinfreien Figur aus Charles Dickens‘ „A Christmas Carol“.
- Das Ganze dient der Promotion eines Prequels zu eben dieser Weihnachtsgeschichte.
- Die Quelle Kotaku bezeichnet den Auftritt als „incredibly embarrassing“, und das zu Recht.
Ein Prequel, das keiner wollte?
Ein Prequel zu einer 180 Jahre alten Geschichte klingt nicht nach einem kreativen Meisterwerk. Dass Johnny Depp hier persönlich als wandelnder Werbeträger fungiert, wirkt wie ein Notruf.
- Der Schauspieler, einst Garant für Kassenrekorde, reduziert sich auf die Rolle eines Public-Domain-Charakters.
- Dass er ausgerechnet „Humbug!“ brüllt, ist ironisch: Der Ausdruck steht für Ablehnung von Weihnachtsfreude, hier passt er zur Peinlichkeit des Moments.
Die Public-Domain-Falle
Public Domain bedeutet: Jeder darf die Figur nutzen, ohne Lizenzgebühren zu zahlen. Für einen Star wie Depp ist das ein Abstieg. Früher verkörperte er ikonische, urheberrechtlich geschützte Rollen. Heute muss er sich an gemeinfreien Stoff klammern.
- Kein Disney-Deal, kein neues „Fluch der Karibik“, stattdessen Eigenwerbung auf einer Fan-Convention.
- Die Aktion wirkt so, als ob Depps Management jeden Strohhalm greift, um Relevanz zu erzeugen.
Was bleibt
Dieser Auftritt ist kein geschickter Marketing-Coup, sondern ein Symbol für den Niedergang einer ehemaligen Hollywood-Größe. Johnny Depp schreit „Humbug!“, und das Publikum schaut eher peinlich berührt weg als begeistert.
Studio und Macher
Entwickelt wird das Spiel „Scrooge: The Missing Years“ von Candlelight Games, einem 2015 in Liverpool gegründeten Studio mit 45 Angestellten.
- Vorherige Releases: „The Winter Ghost“ (2021, Metacritic 52), „Oliver Twist: A London Tale“ (2023, Metacritic 61). Beide basierten auf Public-Domain-Literatur und verkauften sich unter 200.000 Einheiten.
- Finanziert wird das Projekt über eine Crowdfunding-Kampagne (2025, Ziel 2,5 Millionen Euro) und einen Vertriebsdeal mit dem Publisher Nordic Publishing House, der auf Nischen-Adventures spezialisiert ist.
Das Prequel im Detail
Das Spiel soll die Jugend von Ebenezer Scrooge zeigen: seine Lehre bei Mr. Fezziwig, den Tod seiner Schwester Fan und die erste Begegnung mit dem Geist des verstorbenen Partners Marley.
- Geplante Spielzeit: 8–10 Stunden, als Point-and-Click-Adventure für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X/S.
- Der auf der Comic-Con gezeigte Trailer verwendete eine Engine, die an Spiele der PS3-Ära erinnert, inklusive kantiger Texturen und steifer Animationen.
- Ein Demo-Level war spielbar, Branchenbeobachter berichteten von häufigen Bugs und einer Ladezeit von über einer Minute.
Branchenkontext: Stars auf der Comic-Con
Dass ehemalige A-Listen-Schauspieler für Spiele werben, ist nicht neu, aber die Intensität des Auftritts überrascht.
- 2023 trat Nicolas Cage auf der Comic-Con als spielbarer Killer in „Dead by Daylight“ auf, allerdings ohne Kostüm und nur per Videobotschaft.
- 2025 warb Megan Fox für ein Mobile-Game, ihr Auftritt dauerte fünf Minuten, sie trug normale Kleidung.
- Depps Darbietung dauerte 18 Minuten, inklusive improvisierter Dialoge und einer Nachstellung einer Szene aus dem Prequel. Die Gage soll laut Branchenberichten 450.000 US-Dollar betragen haben, ein Bruchteil seiner früheren 20-Millionen-Gagen.
Verkaufszahlen und Erwartungen
Analysten rechnen mit 300.000 bis 500.000 verkauften Einheiten im ersten Monat, basierend auf Depps Fanbase und dem Weihnachtsrelease im November 2026.
- Zum Vergleich: „Oliver Twist: A London Tale“ verkaufte sich 180.000 Mal, „The Winter Ghost“ nur 95.000 Mal.
- Die Produktionskosten werden auf 4,2 Millionen Euro geschätzt, der Break-Even liegt bei etwa 250.000 Vollpreisverkäufen.
- Erste Pre-Order-Zahlen aus den USA liegen 40 % unter denen von „Oliver Twist“ zum gleichen Zeitpunkt. Die Resonanz auf dem offiziellen Discord-Kanal des Spiels: 68 % der Kommentare sind negativ, die Mehrheit kritisiert den Auftritt und die Grafik.