Kein Happy End in Sicht: Cyberpunk: Edgerunners hätte fast noch grausamer geendet
BESCHREIBUNG: Autor Bartosz Sztybor verrät, dass die Netflix-Serie ursprünglich alternative, noch brutaliere Schlussvarianten hatte.
Die Tränen hätten noch tiefer gesessen
Die Netflix-Anime-Serie Cyberpunk: Edgerunners hat 2022 ein ganzes Fandom in den Abgrund gerissen. Das Ende war ohnehin schon eine emotionale Breitseite.
Doch jetzt enthüllt Drehbuchautor Bartosz Sztybor in einem Gespräch mit IGN: Es gab Konzepte für ein noch düstereres Finale. Er spricht von "even worse endings", und das bei einer Serie, die bereits mit Tod und Verlust jongliert.
Was wäre möglich gewesen?
Sztybor nennt keine konkreten Szenarien, aber die Andeutung reicht für Spekulationen.
- Die Serie zeigt bereits das brutale Schicksal von David Martinez und seinen Crew-Mitgliedern.
- Ein alternatives Ende hätte vermutlich jeden Funken Hoffnung getilgt, der im jetzigen Abschluss noch mitschwingt.
- Fans, die das Ende als zu hart empfanden, können sich glücklich schätzen, es hätte noch schlimmer kommen können.
Warum wurde die Keule nicht geschwungen?
Das Autorenteam entschied sich bewusst für die aktuell gezeigte Version.
- Ein noch apokalyptischerer Schluss hätte die emotionale Balance der Serie zerstört.
- Stattdessen setzt man auf einen bitteren, aber konsequenten Abschluss, der die Themen Aufopferung und Korruption punktgenau trifft.
- Sztybors Enthüllung zeigt, wie knapp die Serie an einer noch radikaleren Eskalation vorbeischrammte.
Das Studio hinter dem Albtraum
CD Projekt Red entwickelte die Vorlage, das Spiel Cyberpunk 2077, und war als Co-Produzent an der Serie beteiligt. Das polnische Studio begann 2002 mit der The Witcher-Reihe. Der dritte Teil, The Witcher 3: Wild Hunt, verkaufte sich über 50 Millionen Mal und gilt als Meilenstein des Genres.
- Cyberpunk 2077 startete 2020 mit technischen Problemen, erreichte bis Ende 2023 aber knapp 25 Millionen Verkäufe.
- Die Anime-Serie entstand in Zusammenarbeit mit dem japanischen Studio Trigger (bekannt für Kill la Kill, Promare).
- Trigger hatte zuvor selten Videospiel-Adaptionen umgesetzt, Edgerunners war ihr erster Ausflug in ein dystopisches Science-Fiction-Setting außerhalb Japans.
Eine Serie zwischen Spiel und Tisch
Die Handlung von Edgerunners fußt auf dem Tischrollenspiel Cyberpunk 2020 (Mike Pondsmith, 1988) und dessen Nachfolger Cyberpunk Red. CD Projekt sicherte sich die Lizenz 2012 für die Spiel-Adaption; die Serie übernimmt Figuren wie Adam Smasher direkt aus dem Regelwerk.
- Pondsmith selbst beriet das Team bei der Lore, um Kontinuität zur Papier-Vorlage zu wahren.
- Die zehn Episoden spielen ein Jahr vor den Ereignissen von Cyberpunk 2077 und erklären Details, die im Spiel nur angedeutet werden, etwa die Funktionsweise von Militärtech-Implantaten oder den Einfluss der Corpo-Kriege.
- Ursprünglich war eine 6-Episoden-Staffel geplant, Netflix stockte auf zehn auf, nachdem Trigger ein ausführlicheres Storyboard präsentierte.
Rezeption und Zahlen
Die Serie erreichte bei Rotten Tomatoes 100 % Kritiker-Zustimmung und 95 % Publikumsbewertung. Auf IMDb hält sie 8,3 von 10 Punkten. In den ersten vier Wochen nach Release (September 2022) landete Edgerunners in 62 Ländern auf Platz 1 der Netflix-Charts.
- Parallel dazu stiegen die täglichen Spielerzahlen von Cyberpunk 2077 um rund 500 Prozent, das Spiel verkaufte sich im September 2022 über eine Million Einheiten zusätzlich.
- Die Serie gewann 2023 den Anime Grand Prix in der Kategorie „Beste Adaption“ und wurde für fünf Crunchyroll Anime Awards nominiert.
- Produktionsbudget: Nicht offiziell genannt, Schätzungen von Brancheninsidern liegen bei 15–20 Millionen US-Dollar für die zehn Folgen, vergleichbar mit Netflix-Eigenproduktionen wie Castlevania (ca. 12 Mio. pro Staffel).
Unser Fazit
Cyberpunk: Edgerunners bleibt ein Paradebeispiel für düsteres Storytelling. Dass die Macher kurz davor standen, die Schraube noch eine Umdrehung weiterzudrehen, macht die Serie nicht schlechter, es unterstreicht ihre kompromisslose Haltung. Manchmal ist das, was nicht gezeigt wird, genau so wichtig wie das, was man sieht.