Kreative Freiheit bei Lanterns
Chris Mundy, bekannt als Showrunner für Ozark und True Detective: Night Country, leitet das Projekt Lanterns bei DC Studios. Er bestätigt, dass ihm James Gunn und Peter Safran bei der Ausgestaltung der Figur John Stewart freie Hand ließen.
Die Produktion agiert als Teil des neu strukturierten DC Universe (DCU), das mit dem Film Superman: Legacy (jetzt Superman) den Startschuss gibt. Mundy nutzt diese Freiheit, um den Fokus auf eine "True Detective"-artige Krimi-Atmosphäre zu legen, anstatt sich primär auf intergalaktische Schlachten zu konzentrieren.
John Stewart und Man of Tomorrow
- Der Charakter John Stewart tritt als erfahrener Green Lantern auf, der gemeinsam mit Hal Jordan ein irdisches Mysterium untersucht.
- Das Projekt Man of Tomorrow (ebenfalls unter der Aufsicht von Gunn) dient als erzählerischer Ankerpunkt innerhalb des DCU-Zeitplans.
- Mundys Aussage zur fehlenden Vorgabe eines "Landepunkts" bedeutet, dass die Charakterentwicklung von Stewart nicht zwingend durch die Handlung von Man of Tomorrow diktiert wird.
Diese Vorgehensweise unterscheidet sich massiv von der Ära unter Zack Snyder, in der das DC Extended Universe (DCEU) durch straffe Vorgaben von oben gelenkt wurde. Die aktuelle Struktur erlaubt es den einzelnen Autoren, ihren eigenen Stil in die Episoden zu integrieren, bevor die Handlungsstränge in größeren Events zusammenlaufen.
Ein Hauch von Retro
Die Entwicklung von Lanterns erinnert an die Arbeitsweise von Comic-Autoren wie Denny O’Neil oder Neal Adams in den siebziger Jahren. Diese schufen Geschichten, die durch ihre menschlichen Konflikte bestachen und nicht durch ein erzwungenes Pflichtenheft für ein ganzes Universum.
- Mundy arbeitet eng mit Damon Lindelof zusammen, der als Co-Autor fungiert.
- Lindelofs Erfahrung bei Lost und The Leftovers prägt die Herangehensweise an die Erzählweise.
- Die Serie soll sich wie ein in sich geschlossenes Drama anfühlen, das in acht Episoden erzählt wird.
Dieser Ansatz reduziert den Druck, jede Folge mit Referenzen auf andere Filme zu überfrachten. Es bleibt Raum für eine langsame Charakterentwicklung, wie man sie sonst eher in hochwertigen Streaming-Formaten findet.
Branchenkontext und Studio-Historie
DC Studios wurde 2022 von Warner Bros. Discovery gegründet, um das Chaos der vorangegangenen Jahre zu ordnen. Gunn und Safran erhielten die Aufgabe, ein kohärentes Universum zu schaffen, das auf Qualität statt auf reine Quantität setzt.
- Das Budget für Lanterns wird auf über 100 Millionen US-Dollar geschätzt, was es zu einer der teuersten Serienproduktionen für Max macht.
- Vergleichbare Releases sind Peacemaker, das ebenfalls unter Gunns Regie entstand und den Ton für die neue Ausrichtung vorgab.
- Die Serie soll nach dem Start von Superman im Jahr 2025 erscheinen, um die Zuschauer im neuen DCU zu verankern.
Im Vergleich zum Marvel Cinematic Universe (MCU) wählt DC einen deutlich langsameren Ansatz bei der Einführung ihrer zentralen Helden. Die Serie Lanterns dient als Testballon, ob das Publikum bereit ist, bekannte Comic-Helden in ungewohnten, düsteren Genres wie dem Neo-Noir-Krimi zu sehen.
Was bedeutet das für die Serie?
Die Entscheidung, Stewart nicht in ein starres Korsett zu zwängen, ermöglicht es Mundy, die psychologischen Aspekte der Green Lantern-Mitgliedschaft zu bearbeiten. John Stewart ist in den Comics ein ehemaliger Architekt und Soldat, was Stoff für komplexe Charakterstudien bietet.
- Die Serie ist als "Earth-based mystery" beschrieben.
- Der Fokus liegt auf der Ermittlungsarbeit, nicht auf dem Einsatz von Ringen im Weltraum.
- Die Verbindung zu Man of Tomorrow findet eher über die Weltbildung statt, nicht über direkte Cameos oder Handlungszwänge.
Die Besetzung der Hauptrollen und die finale Anzahl der Episoden wurden bisher nur in groben Zügen bestätigt. Es bleibt abzuwarten, wie die Zuschauer auf eine Green Lantern-Serie reagieren, die sich eher wie ein Polizeidrama als wie eine Comic-Adaption anfühlt.
Ein ungewöhnliches Signal
Traditionell wurden große Franchises wie das MCU oder das frühere DCEU durch "Post-Credit-Szenen" und explizite Hinweise auf den nächsten Film zusammengehalten. Mundys Aussagen deuten darauf hin, dass die aktuelle Leitung bei DC bereit ist, diese Konvention aufzubrechen.
- Die kreative Autonomie des Showrunners steht über dem Wunsch nach universeller Vernetzung.
- James Gunn hat in Interviews mehrfach betont, dass die Qualität der einzelnen Geschichte die höchste Priorität genießt.
- Der Verzicht auf einen strikten Endpunkt bei John Stewart belegt, dass die kreative Vision von Mundy die Vorlage für die Figur definiert.
Der Erfolg oder Misserfolg dieser Strategie entscheidet darüber, ob andere Studios ihrem Beispiel folgen. Momentan ist Lanterns eines der wenigen Projekte im DCU, das einen klaren Fokus auf eine spezifische, bodenständige Erzählweise legt.