Ein Treffer mit Nebenwirkung
Die Logitech G316 X kommt als taktile Variante daher und macht auf dem Papier alles richtig. Wer leise, aber spürbare Switches sucht, bekommt hier eine vernünftige Basis, doch im Test stellt sich schnell Ernüchterung ein.
- Die Bauweise wirkt ordentlich, aber nicht hochwertig.
- Das Tippgefühl ist klar definiert, aber nicht satt.
Was fehlt, ist der letzte Schliff, der eine gute Tastatur zu einer großartigen macht.
Logitechs G-Serie: Entwicklung und Vorgänger
Logitech brachte die erste mechanische Gaming-Tastatur der G-Reihe 2013 mit der G710 auf den Markt, damals noch mit Cherry MX Switches. Der Wechsel zu eigenen GX-Schaltern erfolgte 2019, um Kosten zu senken und Profile flacher zu bauen. Die G316 X ist die direkte Nachfolgerin der G413 Tactile (2017) und der G512 (2018) und gehört zur aktuellen "X"-Generation.
- Die G413 verwendete noch GX Brown Switches der ersten Generation mit einer Betätigungskraft von 50 g.
- Die G316 X hat denselben Switch-Typ, aber ein schlankeres Gehäuse aus ABS-Kunststoff statt Aluminium.
- Preislich liegt sie bei rund 90 Euro UVP, 20 Euro unter der G413 zum Launch.
Die Entwicklungsarbeit für die X-Reihe fand bei Logitech in Lausanne statt, die Switches werden von Omron in China gefertigt. Ein bekanntes Problem der GX Brown-Serie: Die Tastenkappen sitzen auf kreuzförmigen Stielen mit etwas Spiel, was die G316 X von der G915 (Aluminium, flache Switches) klar unterscheidet.
Das taktile Erlebnis
Die Switches der G316 X lösen mit einem deutlichen Widerstand aus, kein Klickgeräusch, nur ein dumpfer Anschlag. Das gefällt Fans von leisen Rennern, die dennoch Rückmeldung wollen.
- Der Druckpunkt fühlt sich vergleichsweise weich an.
- Für schnelle Doppeltaps in kompetitiven Shootern fehlt die Präzision.
In Counter-Strike 2 oder Valorant verpasst man gelegentlich den perfekten Timing. Fürs gemütliche Zocken in Baldur’s Gate 3 reicht es, aber mehr auch nicht.
Einordnung im Markt
Die G316 X tritt gegen die Razer Huntsman Mini (optisch-linear) und die Corsair K70 RGB MK.2 (Cherry MX Brown) an. Beide liegen preislich 10-20 Euro höher, bieten aber Metallgehäuse und stabilere Keycaps. Logitech setzt hier auf eine schmalere Bauform (kein Nummernblock) und ihr hauseigenes GX Brown-Switch-Design, das mit 1,5 mm Betätigungspunkt etwas schneller auslöst als Cherry MX Brown (2 mm).
- Die Huntsman Mini (60 %) kostet 110 Euro, die G316 X 90 Euro, ein Sparen um 20 Euro.
- Die Razer Orange Switches sind subjektiv knackiger, aber lauter.
- Logitech verbaut standardmäßig ABS-Double-Shot-Keycaps, die bei intensiver Nutzung nach 6-12 Monaten glänzen, ein bekanntes Manko der Mittelklasse.
Ein Blick auf die Verkaufszahlen: Die G413 verkaufte sich laut Logitech-Geschäftsbericht 2022 über 1,5 Millionen Einheiten. Die G316 X soll als günstigerer Einstieg in die taktile Mechanik vor allem Einsteiger und Office-Gamer ansprechen, genau hier zeigt der Test die Schwächen: zu viel Plastik, zu wenig Feingefühl.
Was hätte sein können
Die G316 X könnte eine echte Alternative zu den etablierten taktilen Modellen sein. Ihre Stärke liegt im leisen Betrieb, ihre Schwäche im unsauberen Abrollen der Tasten.
- Die Tastenkappen wackeln minimal.
- Die Software von Logitech bietet wenig Feintuning.
Ein stabileres Gehäuse, ein knackigerer Druckpunkt, dann wäre sie ein Hit. So bleibt sie eine solide Mittelklasse-Tastatur, die nie ganz begeistert.
Fazit vor dem Ausloggen
Oh what could have been. Die Logitech G316 X (tactile) ist kein Fehlkauf, aber auch kein Geheimtipp. Sie macht ihre Arbeit, ohne zu glänzen, ein Gerät, das seine beste Version nur erahnen lässt.