Ein Jongleur zwischen Muppets und Rockstar
Michael Moschen, einer der einflussreichsten Zirkuskünstler des 20. Jahrhunderts, arbeitete 1986 an Jim Hensons Fantasy-Film „Labyrinth“ mit. Seine Aufgabe: die magischen Jonglier-Einlagen für den Koboldkönig Jareth zu choreografieren.
Moschen war damals bereits für seine kinetischen Skulpturen und Bewegungskunst bekannt. David Bowie, der Jareth spielte, ließ sich von Moschen in die Kunst des Ball-Jonglierens einweisen, eine ikonische Szene entstand.
Begegnung zweier Visionäre
- Moschen traf auf ein kreatives Dreamteam: Jim Henson (Muppets) und David Bowie (Musik, Film)
- Er erinnert sich an die intensive Zusammenarbeit, bei der Bewegung, Musik und Puppenspiel verschmolzen
- Die berühmte „Jonglierkugel“-Sequenz wurde ohne Computeranimation gedreht, echte Handarbeit
Der Film „Labyrinth“ feiert 2026 sein 40-jähriges Jubiläum. Er gilt als Meilenstein des Fantasy-Kinos und inspiriert bis heute Künstler, Spieleentwickler und Filmemacher.
Produktion: 25 Millionen Dollar und praktische Effekte
Jim Hensons Unternehmen finanzierte den Film mit einem Budget von 25 Millionen US-Dollar, für 1986 ein hoher Betrag. Das Einspielergebnis in den USA lag bei nur 11,3 Millionen, der Film galt zunächst als kommerzieller Flop. Erst durch Heimvideo-Verkäufe und spätere Wiederaufführungen entwickelte sich der Kultstatus.
Henson hatte zuvor mit „The Dark Crystal“ (1982) eine ähnliche Mischung aus Puppenspiel und Fantasy inszeniert. Diesmal setzte er auf menschliche Darsteller neben den Muppets. Die Verbindung von praktischen Effekten, aufwendigen Kulissen und Bowies Präsenz machte die Produktion zu einem handwerklichen Ausnahmeprojekt.
Labyrinth und die Spielewelt
- Schon kurz nach Filmstart erschienen Videospiel-Umsetzungen für Heimcomputer und Konsolen
- Das offizielle „Labyrinth“-Spiel (1986) für NES, C64 und andere Systeme ist heute ein begehrtes Retro-Objekt
- Moderne Indie-Titel wie „Hollow Knight“ oder „Little Nightmares“ zitieren die düstere Ästhetik des Films
Moschen selbst ist bis heute als Performer und Lehrer aktiv. Seine Arbeit an „Labyrinth“ zeigt, wie analoge Kunst und Popkultur eine nachhaltige Wirkung entfalten können, weit über die Leinwand hinaus.
Die Spieleumsetzungen: Von C64 bis NES
Die erste offizielle Umsetzung für Heimcomputer (C64, ZX Spectrum, Amstrad CPC) veröffentlichte Activision 1986. Entwickelt wurde sie von James Software als Action-Adventure mit Rätseln und Plattformpassagen. Die NES-Version folgte im selben Jahr, ebenfalls von Activision vertrieben.
Verkaufszahlen sind nicht genau dokumentiert, aber das Spiel gilt heute als Rarität. Gebrauchte Module erzielen auf Sammlermärkten Preise zwischen 50 und 150 Euro. Die Rezeption war gemischt: Kritiker lobten die Atmosphäre, bemängelten aber die kurze Spielzeit und schwache Steuerung. Im Vergleich zu anderen Film-Lizenzspielen der Ära wie „The Goonies“ oder „Back to the Future“ schneidet „Labyrinth“ solide ab.
Der Einfluss auf moderne Indie-Spiele
Mehrere aktuelle Spiele beziehen sich direkt oder indirekt auf den Film. Team Cherry („Hollow Knight“, 2017) nutzt eine ähnliche düstere Unterwelt-Ästhetik mit verwinkelten Pfaden und surrealen Kreaturen. Tarsier Studios („Little Nightmares“, 2017) zitiert die beklemmende Atmosphäre der Goblin-Stadt sowie die grotesken Puppenfiguren.
Ein weiteres Beispiel ist “Inside” (2016) von Playdead, das mit seiner stummen Hauptfigur und der labyrinthartigen Levelstruktur an Hensons Film erinnert. Die Entwickler dieser Titel haben in Interviews mehrfach „Labyrinth“ als Inspirationsquelle genannt. Michael Moschens Jonglage diente dabei als Blaupause für die Animation fließender Bewegungen in 2D-Spielen.