Gerücht um Studio-Schließung
Laut einem aktuellen Bericht von IGN steht Compulsion Games vor dem Aus. Microsoft soll die Schließung des Entwicklerstudios bereits beschlossen haben. Bisher gibt es keine offizielle Bestätigung von Microsoft oder Compulsion Games selbst.
Die Branche reagiert verunsichert. Erst kürzlich hatte der Konzern mit der Schließung von Tango Gameworks und Arkane Austin für Aufsehen gesorgt.
Welche Spiele sind betroffen?
Compulsion Games ist für zwei markante Titel bekannt:
- We Happy Few, das dystopische Survival-Spiel mit der berüchtigten „Joy“-Tablette, erschienen 2018
- South of Midnight, das düstere Action-Adventure im amerikanischen Südstaaten-Mythos, erst vor Kurzem veröffentlicht
Beide Spiele wären ohne das Mutterstudio. Besonders South of Midnight steckt noch in einer aktiven Phase, Patches oder Erweiterungen wären dann fraglich.
Compulsion Games: Vorgeschichte und Indie-Jahre
Das Studio wurde 2014 in Montreal von ehemaligen Arkane Studios-Mitarbeitern gegründet. Vor der Übernahme durch Microsoft 2018 arbeitete das Team an kleineren Projekten, darunter das düstere Puzzle-Spiel Contrast (2013).
Contrast erschien für Xbox 360, PS3, PC und Wii U, verkaufte sich jedoch nur rund 50.000 Einheiten. Der Titel fiel durch seine Licht-und-Schatten-Mechanik auf, blieb aber ein Nischenerfolg.
Mit We Happy Few gelang dem Studio der Durchbruch, allerdings nicht ohne Schwierigkeiten. Das Spiel startete als Early-Access-Titel auf Steam und durchlief einen langen Entwicklungsprozess.
We Happy Few: Zahlen und Kontroversen
We Happy Few kam im August 2018 auf den Markt. Die Verkaufszahlen liegen laut Schätzungen bei etwa 1,5 Millionen Exemplaren über alle Plattformen hinweg. Die Kritiken fielen gemischt aus: Metacritic-Werte zwischen 60 und 70 Prozent.
Das Spiel litt unter technischen Problemen und einem schlecht kommunizierten Richtungswechsel. Ursprünglich als Roguelike geplant, wurde es später zu einem story-lastigen Open-World-Titel umgebaut.
Microsoft übernahm Compulsion Games mitten in der Entwicklung. Die Übernahme brachte finanzielle Sicherheit, aber auch Erwartungen an einen exklusiven Xbox-Titel.
South of Midnight: Ein riskantes Projekt
South of Midnight wurde im Juni 2024 veröffentlicht, als Xbox- und PC-Exklusivtitel. Die Entwicklung soll rund fünf Jahre gedauert und ein Budget von geschätzt 80 bis 100 Millionen US-Dollar verschlungen haben.
Der Verkaufserfolg des Spiels ist bisher unklar. Microsoft veröffentlicht keine Plattform-exklusiven Verkaufszahlen. Branchenbeobachter vermuten, dass die Verkaufszahlen hinter den Erwartungen zurückblieben.
Das Spiel erhielt überwiegend positive Kritiken (Metacritic um 75), aber es fehlte der große Hype. In einer Zeit, in der AAA-Titel oft über 10 Millionen Einheiten verkaufen müssen, könnte South of Midnight als finanzieller Enttäuschung gelten.
Microsofts Sparkurs: Tango, Arkane und die Folgen
Die mögliche Schließung von Compulsion Games reiht sich ein in eine Serie von Sparmaßnahmen bei Microsofts Gaming-Sparte. Im Mai 2024 schloss der Konzern Tango Gameworks (Hi-Fi Rush) und Arkane Austin (Redfall).
Insgesamt wurden 2024 rund 1.900 Stellen bei Xbox gestrichen, darunter Mitarbeiter von Bethesda und Activision Blizzard. Die Strategie zielt offenbar darauf ab, sich auf wenige große Marken zu konzentrieren.
Compulsion Games mit seinen zwei Nischentiteln passt nicht in dieses Schema. Weder We Happy Few noch South of Midnight erreichten die Verkaufsdimensionen von Halo oder Forza.
Wer ist Compulsion Games?
Das in Montreal ansässige Studio wurde 2014 gegründet und machte sich mit We Happy Few einen Namen. 2018 wurde es von Microsoft übernommen und galt als Teil der Xbox Game Studios-Familie.
Seit der Übernahme arbeitete das Team an South of Midnight, dem ersten großen Xbox-exklusiven Titel des Studios. Das Studio beschäftigte zuletzt rund 120 Mitarbeiter.
Keine offizielle Stellungnahme
Weder Xbox-Chef Phil Spencer noch Compulsion Games selbst haben sich bislang geäußert. Fans und Branchenbeobachter warten auf eine Reaktion.
Bis dahin bleibt die Lage ungewiss. IGN beruft sich auf nicht genannte Quellen, Microsoft schweigt.