Pläne für den Notausgang
Laut einem Bericht von GamesRadar+ hat Microsoft erwogen, die Xbox-Sparte komplett abzutrennen und den Verkauf zu erleichtern. Im Rahmen interner Überholungsdiskussionen scheinen alle Optionen auf dem Tisch zu liegen. Das berichtet die Seite unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.
Was der Bericht konkret sagt
- Microsoft soll überlegt haben, die gesamte Hardware- und Softwareabteilung als eigenständige Einheit zu verkaufen.
- Ziel wäre gewesen, den Verkaufsprozess zu vereinfachen, falls man sich von der Marke trennen wolle.
- Der Bericht zitiert Quellen mit der Aussage, dass „alle Optionen in Betracht gezogen“ werden, eine komplette Abspaltung sei nur eine davon.
Xbox: Eine Chronik des Wandels
Die Xbox-Marke startete 2001 mit der Original Xbox und landete mit der Xbox 360 (2005) einen Durchbruch: rund 84 Millionen verkaufte Einheiten. Der Nachfolger Xbox One (2013) blieb mit etwa 58 Millionen Einheiten hinter der PlayStation 4 (über 117 Millionen) zurück. Die aktuelle Xbox Series X|S (seit 2020) liegt Schätzungen zufolge bei rund 28 Millionen verkauften Konsolen, während die PlayStation 5 auf etwa 65 Millionen kommt.
Microsoft hat in den vergangenen Jahren Milliarden in Studios investiert: 2020 die Bethesda-Mutter ZeniMax für 7,5 Milliarden Dollar, 2023 Activision Blizzard für 68,7 Milliarden Dollar. Diese Übernahmen machten Xbox zum drittgrößten Spieleverlag der Welt, gleichzeitig stiegen die Ausgaben für Exklusivtitel und Game-Pass-Lizenzen massiv. Ein Verkauf der Hardware-Sparte würde diese Studio-Landschaft jedoch nicht zwangsläufig zerschlagen, Microsoft könnte die Spieleentwicklung als Publisher fortsetzen, ähnlich wie Sega nach dem Ausstieg aus dem Konsolengeschäft.
Kontext: Xbox im Wandel
Die Überlegungen fallen in eine Phase, in der Microsoft seine Gaming-Strategie neu ausrichtet. Statt auf reine Konsolen setzt das Unternehmen verstärkt auf Game Pass-Abonnements und Cloud-Dienste. Eine Abspaltung der Xbox-Marke wäre ein radikaler Schnitt, aber vielleicht auch ein logischer, wenn sich die Hardware nicht mehr als Kern des Geschäfts lohnt.
Zahlen und Fakten zum Konsolenmarkt
Der globale Konsolenmarkt wird 2025 auf etwa 60 Milliarden Dollar Umsatz geschätzt, wobei der Hardware-Anteil sinkt. Der Game Pass hatte zuletzt über 34 Millionen Abonnenten (Stand Februar 2024), wächst aber langsamer als erwartet. Zum Vergleich: PlayStation Plus liegt bei rund 48 Millionen Zahlern, Nintendo Switch Online bei etwa 38 Millionen.
Microsofts Cloud-Gaming-Dienst xCloud ist in über 40 Ländern verfügbar, aber die Nutzerzahlen werden nicht offiziell geteilt. Branchenanalysten wie Michael Pachter vermuten, dass die Marge auf Konsolenverkäufen negativ ist, jede Xbox wird unter dem Selbstkostenpreis verkauft, das Geld wird mit Software und Abos verdient. Ein reiner Publisher-Ansatz (wie bei EA oder Take-Two) würde das Risiko von Hardware-Entwicklung und Lagerhaltung eliminieren.
Keine offizielle Bestätigung
Bislang hat sich Microsoft nicht zu dem Bericht geäußert. Weder Phil Spencer noch andere Verantwortliche haben die Gerüchte kommentiert oder dementiert. Bis auf Weiteres handelt es sich um Spekulationen, allerdings um solche, die die Gerüchteküche ordentlich anheizen und für Diskussionen in der Community sorgen.
Beobachtung
Die Diskussion über einen kompletten Verkauf zeigt, wie weit Microsoft bereit ist zu gehen, um seine Gaming-Sparte zukunftsfähig zu machen. Egal ob Gerücht oder nicht: Dass solche Szenarien überhaupt denkbar sind, spricht Bände über den aktuellen Zustand der Konsolenbranche und über die veränderte Rolle von Hardware in einem abonnementgetriebenen Gaming-Markt.
Spätestens seit der Übernahme von Activision Blizzard ließ Microsoft durchblicken, dass Call of Duty nicht mehr exklusiv für Xbox erscheinen würde, ein Bruch mit früheren Konsolenstrategien. Die Abwägung zwischen eigener Hardware und plattformunabhängigem Game-Pass-Abo ist der zentrale Konflikt, den dieser Bericht offenlegt. Sollte sich Microsoft tatsächlich von der Xbox-Konsole trennen, wäre das der zweite große Konsolenausstieg nach Sega 2001, mit dem Unterschied, dass Microsoft immer noch ein Milliarden-Schwergewicht im Software-Publishing bliebe.