Massenentlassungen bei Xbox: Visa als Sündenbock?
Microsoft entlässt 1.600 Mitarbeiter im Gaming-Sektor, wobei die Prognosen bis zum nächsten Jahr auf 3.200 Stellen steigen. Konservative US-Medien spekulieren über einen Zusammenhang mit H-1B-Visa, die für ausländische Fachkräfte ausgestellt werden.
Microsoft-Kommunikationschef Frank X. Shaw weist die Vorwürfe als „bad information“ zurück. Er betont, dass H-1B-Beschäftigte nur einen geringen Teil der Belegschaft stellen und die Kündigungen global verteilt sind, nicht nur in den USA.
Shaw: „Restrukturierung, kein Austausch“
Shaw erklärt, das Xbox-Geschäft leide unter strukturellen Problemen, die eine Anpassung erzwingen. Die Kündigungen dienen laut seiner Aussage nicht der Kosteneinsparung durch den Austausch gegen günstigere ausländische Arbeitskräfte.
Microsoft erhielt im aktuellen Zyklus über 2.200 H-1B-Visa genehmigt. Eine interne Prüfung ergab, dass auch Visa-Inhaber unter den entlassenen Mitarbeitern sind, was die Theorie eines gezielten Austauschs entkräftet.
Fünf Studios zerschlagen, id Software halbiert
Die aktuellen Einschnitte treffen Entwickler, die über Jahre zum Kern der Xbox-Strategie gehörten. Rund 20 % der Xbox-Belegschaft verlieren ihren Job.
Studio-Historie und Einordnung
- Double Fine wurde von Branchenlegende Tim Schafer gegründet, bekannt für Psychonauts 2 (2021). Das Studio steht für kreative Nischenprodukte abseits großer AAA-Blockbuster.
- Compulsion Games erlangte durch We Happy Few (2018) Bekanntheit. Sie arbeiteten zuletzt an South of Midnight, dessen Status durch die Loslösung von Microsoft ungewiss bleibt.
- Ninja Theory lieferte mit Senua’s Saga: Hellblade II (2024) einen grafisch aufwendigen Titel. Die Entwicklung dauerte fünf Jahre, doch der kommerzielle Erfolg blieb hinter den Erwartungen zurück.
- Undead Labs entwickelte die State of Decay-Reihe, die eines der beständigsten Zombie-Survival-Franchises auf Xbox darstellt.
- id Software gilt als Geburtsstätte des First-Person-Shooters. Mit Klassikern wie Doom (1993), Quake (1996) und dem Reboot Doom (2016) prägten sie das Genre über Jahrzehnte.
Kontext der Entlassungen
Die Zerschlagung dieser Studios folgt auf die Akquisition von Activision Blizzard im Wert von 68,7 Milliarden Dollar. Microsoft versucht nun, die Ausgaben zu senken und die Profitabilität der Xbox-Sparte zu steigern.
- Doom: The Dark Ages ist für 2025 angesetzt. Die Entlassung der halben Belegschaft bei id Software kurz vor der Marketing-Hochphase wirft Fragen zur internen Organisation und zur Belastung der verbliebenen Entwickler auf.
- Vergleichbare Entlassungswellen gab es bei Unity, Electronic Arts und Sony Interactive Entertainment, die ebenfalls tausende Stellen strichen.
- Arkane, bekannt für Dishonored und Deathloop, wurde nach dem Flop von Redfall (2023) bereits intern unter Druck gesetzt. Das Spiel verzeichnete zum Launch auf Steam weniger als 6.200 gleichzeitige Spieler, was die Entscheidung zur Schließung von Arkane Austin im Mai 2024 bereits vorwegnahm.
Die Gaming-Industrie zeigt derzeit eine Konsolidierung, bei der Studios nach der Übernahme durch große Konzerne oft ihre Autonomie verlieren. id Software verlor im Zuge der Umstrukturierung Schlüsselpersonen, die maßgeblich an der id Tech 8 Engine arbeiteten. Die Entwicklung von Doom: The Dark Ages läuft nun unter veränderten Vorzeichen weiter, da der Fokus des Managements verstärkt auf dem Xbox Game Pass und damit verbundenen Nutzerzahlen liegt.