Schockwelle durch die Xbox-Studios
Die Gerüchteküche brodelt: Ninja Theory (Hellblade: Senua’s Sacrifice) und Double Fine (Psychonauts 2) sollen laut einem IGN-Bericht zu den Studios gehören, die um ihre Existenz bangen. Microsoft plant offenbar drastische Einschnitte im Xbox-Geschäft. Wer übrig bleibt? Ungewiss.
Welche Studios genau betroffen sind
- Ninja Theory, bekannt für cineastische Action-Adventure und die Motion-Capture-Meisterleistung Hellblade.
- Double Fine, unter der Leitung von Tim Schafer, Kult-Entwickler von Psychonauts und Grim Fandango.
Beide Teams arbeiten angeblich daran, die drohende Schließung abzuwenden. Offizielle Statements von Microsoft? Fehlanzeige.
Ninja Theory: Vom Indie-Studio zum Microsoft-Ableger
Ninja Theory wurde 2000 in Cambridge gegründet. Vor der Xbox-Übernahme 2018 entwickelte das Team Heavenly Sword (2007, PS3) und Enslaved: Odyssey to the West (2010). Beide Titel verkauften sich solide, aber nicht blockbusterartig, Heavenly Sword erreichte rund 1,5 Millionen Einheiten. Der Durchbruch kam 2017 mit Hellblade: Senua’s Sacrifice, einem Psychologie-Horror-Abenteuer, das für unter 10 Millionen Euro produziert wurde und über 1 Million Kopien absetzte. Microsoft kaufte das Studio für eine nicht genannte Summe, mutmaßlich unter 100 Millionen Dollar.
Double Fine und die Ära Tim Schafer
Double Fine entstand 2000, nachdem Tim Schafer LucasArts verlassen hatte. Schafer war Kopf hinter Klassikern wie Day of the Tentacle (1993) und Grim Fandango (1998). Double Fines erster Hit war Psychonauts (2005), ein Plattformer mit Kultstatus, der aber kommerziell enttäuschte, rund 400.000 Verkäufe bis 2010. Erst die Crowdfunding-Kampagne für Broken Age (2014) brachte 3,3 Millionen Dollar ein. 2019 übernahm Microsoft Double Fine für eine Summe, die Berichten zufolge unter 50 Millionen Dollar lag. Psychonauts 2 (2021) erhielt einen Metacritic-Score von 89, verkaufte sich aber laut Schätzungen nur um 2 Millionen Einheiten, angesichts der Entwicklungszeit von sechs Jahren ein dünner Ertrag.
Wie es zu dieser Situation kam
Microsoft hat in den letzten Jahren eine Reihe von Studios aufgekauft, darunter Activision Blizzard, Bethesda und eben Ninja Theory sowie Double Fine. Der Markt aber ist rau: Spieleentwicklung wird teurer, Abo-Dienste wie Game Pass müssen rentabel sein. Nun scheint der Konzern die Axt anzusetzen.
- 2024 bereits: Schließung von Tango Gameworks (Hi-Fi Rush) und Arkane Austin.
- 2026 nun: Gerüchte über weitere Kündigungen und Studio-Schließungen.
Die Branche fragt sich: Welches Studio ist noch sicher?
Branchenkontext: Wie vergleichbare Schließungen laufen
Der aktuelle Schritt ähnelt der Konsolidierungswelle bei Sony und Electronic Arts. Sony schloss 2023 PixelOpus (Concrete Genie) und EA legte 2024 Ridgeline Games (ein Battlefield-Supportstudio) still. Im Gegensatz zu Microsoft gaben Sony und EA aber selten Kultstudios wie Ninja Theory auf, eher kleinere Teams. Ein Lehrbeispiel ist Visceral Games (Dead Space), das EA 2017 dichtmachte, trotz eines geplanten Star-Wars-Titels. Die Entwicklerkosten pro Triple-A-Titel liegen heute bei 200 bis 300 Millionen Dollar. Ein Studio mit 100 Mitarbeitern wie Double Fine kostet Microsoft jährlich schätzungsweise 15 bis 20 Millionen Dollar an Gehältern, ohne Entwicklungskosten.
Was das für die Spiele bedeuten könnte
Hellblade 2 ist bereits erschienen (Mai 2024), ein düsteres Sequel, das bei Kritikern gut ankam. Psychonauts 3 hingegen? Double Fine hatte nach der Übernahme mehr Ressourcen, aber ein dritter Teil wurde nie offiziell bestätigt. Sollte das Studio sterben, wäre das ein herber Verlust für kreative, narrative Spiele.
- Ninja Theory arbeitete zuletzt an einem Multiplayer-Projekt (Projekt: Mara?). Ob das noch kommt, ist fraglich.
- Double Fine brachte 2024 Psychonauts 2 auf den Game Pass, mehr als das?
Ein düsterer Trend im Xbox-Lager
Microsoft räumt auf. Spiele wie Redfall und Starfield enttäuschten die Erwartungen, der Game Pass wächst langsamer als erhofft. Die Folge: Studios, die nicht sofort milliardenschwere Hits liefern, werden zur Disposition gestellt. Ninja Theory und Double Fine haben zwar Kultstatus, aber zählen harte Zahlen.
Ein Insider bei IGN berichtet, dass die betroffenen Teams „um ihr Leben kämpfen“. Keine offizielle Bestätigung, aber die Stimmung ist eisig.
Die ungewisse Zukunft von Projekt Mara und Double Fines Next-Gen-Spiel
Ninja Theory arbeitete seit 2020 an Project: Mara, einem experimentellen Horror-Spiel, das psychologische Traumata in einer realen Wohnung erkunden sollte. Zwischenberichte von 2023 wiesen auf eine offene Welt hin, mit minimalem Kampfsystem. Double Fine hingegen stellte 2025 einen unangekündigten Titel auf Basis einer eigenen IP in Aussicht, der in der internen Roadmap als „nächstes großes Ding“ geführt wurde. Ohne Microsofts Finanzierung bleiben beide Projekte auf Eis.