Joy-Con-Ärger holt Nintendo ein
Nintendo hat mit der Switch 2 längst die nächste Konsolengeneration eingeläutet. Doch die Altlasten der ersten Switch holen den Konzern weiter ein. Wie Polygon berichtet, wurde Nintendo von Frankreichs Wettbewerbsbehörde zu einer Millionenstrafe verdonnert.
Grund sind die defekten Joy-Con-Controller, deren Analog-Sticks unter dem berüchtigten Drift leiden. Das Problem trat bei Millionen Besitzern der ursprünglichen Switch auf, und führte zu einer Reihe von Sammelklagen und Beschwerden.
Hintergrund: Drift, der nicht wegging
- Der Joy-Con-Drift äußert sich durch ungewollte Eingaben, selbst wenn der Stick in Ruhestellung ist.
- In Frankreich reichten Verbraucherschützer und einzelne Spieler Klagen ein, weil Nintendo die Mängel nicht ausreichend behob.
- Die Behörde sieht darin einen Verstoß gegen französisches Verbraucherrecht, mit der Strafe soll ein Zeichen gesetzt werden.
Nintendo hatte in der Vergangenheit kostenlose Reparaturen angeboten, aber nur in bestimmten Regionen und unter Auflagen. In Frankreich wurde das Angebot als unzureichend bewertet.
Die Entwicklung der Joy-Con: Nintendos hybrider Kompromiss
Die Switch entstand unter der Ägide von Satoru Iwata und Shigeru Miyamoto als Reaktion auf das schwache Abschneiden der Wii U. Die Joy-Con sollten abnehmbar sein und sowohl im Handheld-Modus als auch getrennt als zwei Controller funktionieren. Dieser hybride Ansatz zwang zu extremer Miniaturisierung: Der Analogstick musste flach genug sein, um im schlanken Gehäuse zu verschwinden, aber robust genug für intensive Nutzung.
- Die eingesetzten Sticks stammen von japanischen Zulieferern wie Alps Alpine.
- Ihr Design verwendet Schleifkontakte und eine federnde Metallplatte, die mit der Zeit korrodieren oder sich verformen kann.
- Frühere Nintendo-Handhelds wie der 3DS oder der Game Boy Advance hatten ebenfalls analoge Sticks, aber deren Abmessungen erlaubten robustere Bauweisen. Der Drift trat dort seltener auf.
Nintendo verkaufte bis Ende 2024 über 140 Millionen Switch-Konsolen. Schätzungen von Analysten zufolge sind 15 bis 30 Prozent der zugehörigen Joy-Con vom Drift betroffen, das wären potenziell 20 bis 40 Millionen Controller. Eine offizielle Zahl hat Nintendo nie genannt.
Das Urteil und die Folgen
Die genaue Höhe der Strafe ist nicht bekannt, sie liegt aber im zweistelligen Millionenbereich. Nintendo muss zudem die französischen Behörden über alle künftigen Joy-Con-Probleme informieren, ähnlich wie in anderen EU-Ländern.
Für Spieler bedeutet das: Wer in Frankreich einen defekten Joy-Con besitzt, kann nun leichter auf kostenlose Reparatur hoffen. Ob Nintendo weltweit nachzieht, bleibt abzuwarten, der Konzern hat sich bisher nicht offiziell zur Strafe geäußert.
Switch 2 unberührt, aber mit Vorbildfunktion
Die Switch 2 setzt auf neue Controller, die technisch anders aufgebaut sein sollen. Der Joy-Con-Drift der ersten Generation gehört damit der Vergangenheit an. Dennoch zeigt der Fall, wie langwierig rechtliche Nachwirkungen sein können.
Frankreichs Entscheidung könnte auch andere Länder ermutigen, ähnliche Strafen zu verhängen. Nintendo steht damit vor einem Scherbenhaufen aus verärgerten Fans und teuren Regressforderungen, und das ausgerechnet zum Start der neuen Konsole.
Drift in der Branche: Kein Einzelfall
Hardware-Pannen dieser Größenordnung sind in der Spieleindustrie keine Seltenheit. Microsofts Xbox 360 litt unter dem Red Ring of Death, einem Überhitzungsfehler, der das Unternehmen rund 1,1 Milliarden Dollar Reparaturkosten einbrachte. Sony hatte mit dem DualShock 4 ab 2013 ebenfalls Drift-Probleme, reagierte aber schneller mit kostenlosen Reparaturen und verbesserten Sticks für die PS5.
- Die französische Strafe für Nintendo beträgt nach Medienberichten 11,4 Millionen Euro.
- Im Vergleich zu Microsofts Milliardenaufwand wirkt die Summe gering, der Imageschaden für Nintendo ist jedoch erheblich.
- Apple zahlte in den USA 2022 einen Vergleich von 50 Millionen Dollar wegen defekter Butterfly-Tastaturen in MacBooks.
In den USA schlossen sich über eine Million Nutzer einer Sammelklage an, die 2020 mit einem kostenlosen Reparaturprogramm beigelegt wurde.