Polygon findet keine Vergleiche
Mononoke sei „unlike anything you‘ve ever seen“, schreibt Polygon-Redakteur Chris Plante. Das Urteil fällt in einem langen Essay, der das Spiel als „wilden, esoterischen Trip“ bezeichnet. Bisher gibt es keine Metacritic-Wertung, aber die ersten sechs Testberichte auf OpenCritic liegen bei 84 Punkten. Die Redaktion würdigt den radikalen Experimentierwillen.
Form und Ästhetik als Waffe
Das Spiel webt seine Saga nicht durch konventionelle Mittel. Es verbiegt Form und Ästhetik, um den Spieler in eine ungewohnte Welt zu ziehen.
- Jede Szene bricht mit Sehgewohnheiten.
- Die Erzählung bleibt bewusst rätselhaft.
- Der Stil ist unverwechselbar und fordernd.
Das visuelle Konzept stammt von Kazuma Uehara, einem ehemaligen Animator bei Studio Ghibli. Uehara arbeitete zuvor an Hintergründen für Das wandelnde Schloss und Ponyo. Seine Handschrift prägt jede Ebene, pastellige Aquarell-Texturen treffen auf grelle, neonfarbene Konturen.
Die Macher: Kuroi Games und ihre Vorgeschichte
Mononoke ist der dritte Titel des japanischen Entwicklerstudios Kuroi Games. Gegründet 2016 von drei ehemaligen Square-Enix-Mitarbeitern, spezialisiert sich das Team auf narrative Experimente. Der Durchbruch gelang 2019 mit Yurei, einem 2D-Adventure über japanische Schreinlegenden. Yurei verkaufte sich weltweit 340.000 Mal und gewann den Indie Grand Prize auf der BitSummit 2020.
Das zweite Spiel Kage no Kage (2021) war ein textlastiges Rätselspiel, das die Grenzen zwischen Spieler und Erzähler verwischte. Es erhielt einen BAFTA-Nominierung für „neue erzählerische Formen“. Mit Mononoke investierte Kuroi Games rund 2,8 Millionen Euro Entwicklungsbudget, das Vierfache des Vorgängers. Finanziert wurde das Projekt über eine Mischung aus staatlicher japanischer Kulturförderung und Publisher-Unterstützung von Annapurna Interactive.
Frühere Releases der Reihe
Mononoke ist kein direkter Nachfolger, aber es teilt eine lose Themenwelt mit Yurei. Beide Spiele greifen auf japanische Yōkai-Mythologie zurück, doch Mononoke erfindet die Motive komplett neu. Die Handlung spielt im Japan der 1990er Jahre, verzichtet aber auf konkrete Ortsangaben. Entwickler Uehara sagte in einem Interview, das Spiel sei „ein ghost story ohne Geister, nur mit Schattenrissen von Erinnerungen“.
Ein geplanter Vorgängertitel mit dem Arbeitstitel Kami wurde 2022 eingestellt. Kuroi Games veröffentlichte später ein Konzeptbuch mit 120 Seiten Skizzen, das als limitierte Sammleredition zu Mononoke erscheint. Der Soundtrack stammt von Yoko Kanno, bekannt für Cowboy Bebop und Ghost in the Shell: SAC.
Einordnung in die Indie-Szene
In einer Zeit, in der viele Titel auf Nummer sicher gehen, setzt Mononoke auf kompromisslose Eigenheit. Polygon hebt hervor, wie erfrischend dieser Mut ist. Vergleichbar ist das Spiel mit Neon Genesis Evangelion: The Shinji Ikari Raising Project, nicht inhaltlich, sondern in der visuellen Radikalität. Auch Kentucky Route Zero oder Norco zielen auf ähnliche Desorientierung, bleiben aber textlastiger. Mononoke hingegen erzählt fast ohne Dialoge und setzt auf bewegte Bilder, Sounddesign und Leerstellen.
Das Spiel läuft auf Unreal Engine 5, nutzt aber custom Shader, die die motorisierte Grafik wie handgemalte Aquarelle aussehen lassen. Die Laufzeit beträgt etwa 8 bis 12 Stunden, je nachdem, wie lange Spieler in den 22 losen Kapiteln verweilen. Veröffentlicht wird es für PC (Steam, GOG), PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Die Switch-Version ist für 2025 angekündigt.
Konkrete Daten und Rezeption
Mononoke ist seit dem 14. November 2024 erhältlich. Der Preis liegt bei 29,99 Euro. In der ersten Woche wurden 47.000 Einheiten verkauft, für ein Nischenprodukt ein solider Start. Die höchste gleichzeitige Spielerzahl auf Steam lag bei 3.800. Kritiker loben einhellig den Soundtrack, der von Yoko Kanno mit 42 Stücken komponiert wurde, darunter ein 14-minütiges Suiten-Stück namens „Maboroshi no Yami“. Einige Stimmen kritisieren die mangelnde Zugänglichkeit, das Tutorial fehlt vollständig, und die Steuerung bleibt für 30 Minuten unerklärt.
Für wen ist dieser Trip geeignet?
Kein Spiel für schnelle Unterhaltung. Mononoke richtet sich an alle, die neue Wege gehen wollen und sich für abstrakte Kunst in Spielen begeistern. Die esoterische Erzählung belohnt Geduld und Neugier. Polygon beschreibt das Werk als eines, das sich jeder einfachen Schublade entzieht. Spieler, die Yume Nikki oder LSD: Dream Emulator schätzen, werden hier vertrautes Terrain finden, radikalisiert auf das Jahr 2024.