Das große Embracer-Beben
Ein Jahr zum Vergessen: Nach Verlusten in Milliardenhöhe wurden tausende Mitarbeiter entlassen, Studios geschlossen und Spieleprojekte eingestampft. Der neue CEO von Embracer versucht jetzt, das Ruder herumzureißen.
Die Liste der geschlossenen Studios reicht von Volition (Entwickler der Saints Row-Serie und Red Faction) bis Free Radical Design (Macher der TimeSplitters-Franchise). Beide wurden erst 2021 bzw. 2022 von Embracer übernommen, dann innerhalb von zwei Jahren abgewickelt. Dazu kamen Schließungen von Campfire und Pieces Interactive (Entwickler von Alone in the Dark).
- Volition bestand seit 1996 und hatte mit Descent und Freespace zwei prägende Shooter-Reihen erschaffen.
- Free Radical Design war 1999 von ehemaligen Rare-Mitarbeitern gegründet worden und brachte vier TimeSplitters-Spiele auf den Markt.
Insgesamt verlor Embracer über 4.500 Stellen, rund 20% der Belegschaft. Der Aktienkurs fiel von über 50 SEK auf unter 10 SEK.
Hoffnung auf Besserung
In einem aktuellen Statement äußert der neue Chef die Hoffnung, dass sich das Vertrauen in die Firma „verbessert“. Nach dem 2-Milliarden-Dollar-Fiasko ist Skepsis in der Branche jedoch allgegenwärtig.
Der gescheiterte Deal mit der Savvy Games Group (Teil des saudischen Staatsfonds PIF) hatte die Finanzierungslücke von Embracer aufgerissen. Der neue CEO, der nach dem Rücktritt von Gründer Lars Wingefors im Juni 2024 die Führung übernahm, stammt aus dem operativen Geschäft eines Tochterstudios. Analysten sehen die Glaubwürdigkeit erst wieder hergestellt, wenn Embracer konkrete Gewinnzahlen vorlegt.
- Die Branche reagierte verhalten: Ubisoft und EA hatten nach ähnlichen Übernahmewellen ebenfalls Vertrauensverluste erlitten.
- Embracer besitzt über 900 Marken, darunter Metro, Dead Island, Kingdoms of Amalur und Chivalry. Viele dieser Titles liegen auf Eis.
Akquisitionswille ungebrochen
- Embracer betont: Man ist noch nicht fertig mit Übernahmen.
- Welche Studios oder IPs als Nächstes ins Haus stehen, bleibt vorerst offen.
- Die Strategie scheint trotz der Katastrophe fortgesetzt zu werden.
Seit dem Debakel hat Embracer kleinere Zukäufe getätigt, etwa das deutsche Studio Grimlore Games (Entwickler von SpellForce) sowie Teile des schwedischen Publishers THQ Nordic. Der neue Fokus liegt auf Mobile- und Free-to-Play-Titeln, die niedrigere Entwicklungskosten und stabilere Einnahmen versprechen.
- 2023 erwarb Embracer die Rechte an Tomb Raider und Deus Ex (von Square Enix). Beide Franchises wurden nach der Übernahme nicht fortgesetzt.
- Ein geplanter Kauf von Warner Bros. Games scheiterte angeblich an den Preisvorstellungen.
Was bleibt von der Expansion?
Die Liste der geschlossenen Studios und gecancelten Spiele ist lang und teuer. Ob der Neuanfang unter neuer Führung gelingt, wird sich zeigen müssen. Die Branche blickt mit Argusaugen auf Embracer.
Konkret gestrichen wurde ein neues Star-Wars-Spiel von Aspyr Media (Entwickler der KOTOR-Remaster-Probleme) sowie ein unangekündigtes Deus Ex-Projekt bei Eidos-Montréal. Die Schließung von Volition kostete Embracer rund 60 Millionen Dollar an Abfindungen und verlorener Entwicklung.
- Zum Vergleich: Microsoft entließ 2024 knapp 2.500 Mitarbeiter bei Activision Blizzard und Xbox, Sony schloss London Studio und strich 900 Stellen.
- Embracer bleibt der größte europäische Publisher nach Umsatz, aber die Verschuldung liegt bei etwa 1,5 Milliarden Euro.