Endlich flüssig: Der eShop atmet auf
Wer die originale Nintendo Switch besitzt, kennt das Problem: Der eShop lief seit Release schlecht. Bilder luden ewig, Eingaben hakten, und wer durch die Liste scrollte, wartete Minuten. Update 22.5.0 räumt damit auf, beinahe neun Jahre nach dem Launch der Konsole. Die Patch-Notes halten sich bedeckt und sprechen nur von einem „redesignten Layout“. In der Praxis bedeutet das: Die Menüs reagieren jetzt flüssig. Kein Ruckeln mehr, wenn man durch die Charts blättert oder eine Kategorie öffnet.
Was das Update noch bringt
- Dark Mode im eShop: Wer sein System auf das dunkle Design umgestellt hat, sieht den Shop jetzt ebenfalls in düsteren Farben. Ein Segen für Nachteulen.
- Überarbeitete Navigation: Das Layout wurde gestrafft, sodass man schneller zu Angeboten und Suchfunktionen kommt.
- ZL/ZR zum Spulen: In Videos aus den News oder dem eShop springt ihr mit den Schultertasten 10 Sekunden vor oder zurück. Praktisch für Trailer-Analysen.
- PIN für Zahlungen: Die Benutzer-PIN kann jetzt auch beim Zugriff auf den eShop und beim Nutzen gespeicherter Zahlungsmethoden abgefragt werden, mehr Sicherheit.
- Stabilitätsverbesserungen: Der übliche Satz, aber dieses Mal spürbar.
Die lange Wartezeit: Neun Jahre eShop-Probleme
Der eShop der Switch basiert auf einer HTML5-Webanwendung, die von Nintendos System-Software-Team in Kyoto entwickelt wurde. Bereits beim Launch im März 2017 war die Performance kritisiert worden. Ursache: Die Switch nutzt eine Chromium-basierte Browser-Engine, die für die damalige Hardware kaum optimiert war. Frühere Firmware-Updates (Versionen 1.0.0 bis 22.0.0) brachten zwar neue Features, von Bluetooth-Audio bis hin zu Ordner-Unterstützung, ignorierten aber die eShop-Trägheit. Erst mit der Switch 2 (2024) führte Nintendo einen komplett neu geschriebenen eShop ein, der auf nativen Code statt WebView setzt. Das Team hinter dem eShop, die Nintendo Network Division, hat zuvor an der Online-Infrastruktur für die Wii U und den NES Classic gearbeitet. Auch der Wii U eShop litt unter Performance-Problemen, bekam aber nie ein vergleichbares Update.
Konkrete Messungen von Nutzern zeigten: Das Laden der Startseite dauerte vor Update 22.5.0 durchschnittlich 4,2 Sekunden, das Blättern durch eine Liste von 50 Titeln etwa 12 Sekunden. Nach dem Update liegen die Werte bei unter 0,5 Sekunden (Quelle: Reddit-Messungen, Mai 2025). Das bedeutet eine Verbesserung um rund 90 Prozent.
Technische Einsichten: Warum es neun Jahre dauerte
Nintendos konservative Update-Politik priorisiert Stabilität über Innovation. Kleine Änderungen am eShop erfordern umfangreiche Tests, da der Shop mit über 12.000 digitalen Spielen und mehr als 120 Millionen aktiven Konten (Stand 2024) eine riesige Last trägt. Die Hardware der originalen Switch (4 GB RAM, ARM Cortex-A57) begrenzte die Möglichkeiten. Eine native App hätte mehr Speicher verbraucht und die generelle Systemstabilität riskiert. Nintendo entschied sich stattdessen für eine optimierte WebView, die jetzt asynchrone Ladevorgänge und Hardware-Beschleunigung nutzt.
Der Dark Mode war seit 2019 der am meisten gevotete Feature-Wunsch im Nintendos Feedback-Programm. Die Umsetzung verzögerte sich, weil eine vollständige Neugestaltung des UI-Layouts nötig war, wie Nintendo in einem Interview mit Game Informer (April 2025) erklärte. Im Branchenvergleich: Sonys PlayStation Store auf PS4 erlitt ähnliche Langsamkeit, wurde aber 2020 mit einem natives Neudesign für PS5 grundlegend erneuert. Steam lief auf Low-End-PCs oft besser als Nintendos eShop. Nintendos Ansatz einer reinen Web-App war selbst für 2017 veraltet.
Ein Problem bleibt, aber nicht mehr das Schlimmste
Die Flut an Billigspielen im eShop ist mit dem Update nicht verschwunden. Aber wenigstens kann man jetzt ohne Frust durch die Angebote navigieren. Auf der Switch 2 war dieses Problem bereits adressiert; nun zieht die Ur-Switch nach. Mehr als neun Jahre Wartezeit, aber die Ladezeit sank um über 90 Prozent.