Schock für die Rollenspiel-Welt
Paizo, der Herausgeber von Pathfinder und Starfinder, hat Entlassungen angekündigt. Grund ist der Bankrott des zuständigen Distributors, der Waren im Wert von zehn Millionen US-Dollar festhält.
Paizo wurde 2002 gegründet, zunächst als Verlag der Magazine Dungeon und Dragon im Auftrag von Wizards of the Coast. Als Wizards die Lizenz 2007 nicht verlängerte, startete Paizo ein eigenes Rollenspiel auf Basis der Open Game License von D&D 3.5. Pathfinder erschien 2009 und verkaufte sich über eine Million Mal. 2017 folgte das Sci-Fi-Spin-off Starfinder, 2019 die zweite Edition von Pathfinder. Zuletzt beschäftigte der Verlag rund 110 Mitarbeiter.
Der Verlust wird intern als "devastating" beschrieben. Paizo-Chefs sprechen von einem schweren Schlag für das Unternehmen.
Wie kam es dazu?
- Der Distributor meldete Insolvenz an und gab die eingelagerten Bestände nicht frei.
- Betroffen sind Bücher, Boxsets und weiteres Zubehör, insgesamt ein Millionen-Lager.
Der betroffene Distributor ist vermutlich einer der großen US-Fachhändler wie Diamond Comic Distributors, der 2023 selbst finanzielle Probleme hatte. Die Abhängigkeit von wenigen Logistikpartnern ist typisch für die Tabletop-Nische. Zehn Millionen Dollar entsprechen etwa einem Drittel des geschätzten Jahresumsatzes von Paizo (Schätzungen liegen bei 30 bis 35 Millionen).
Paizo kann weder auf die Ware zugreifen noch sie verkaufen. Das Geld steckt fest, während die laufenden Kosten weiterlaufen.
Konsequenzen für die Belegschaft
Das Unternehmen reagiert mit Personalabbau. Wie viele Stellen genau gestrichen werden, ist noch nicht offiziell bestätigt.
Betroffen sind laut ersten Berichten mehrere Abteilungen. Die Verlagsführung betont, dass man um jeden Arbeitsplatz kämpfe, aber keine Wahl habe.
In der Rollenspiel-Branche gab es ähnliche Einschnitte: 1997 führte der Bankrott von TSR zur Übernahme durch Wizards of the Coast. Paizo selbst überlebte 2020 knapp die Pandemie und wuchs danach. Dieses Mal ist die Ursache extern, die Konzentration auf einen Distributor wird zum Risiko.
Was bedeutet das für Pathfinder-Fans?
- Neue Veröffentlichungen könnten sich verzögern, da die Produktionskette unterbrochen ist.
- Bereits bestellte Produkte bleiben vorerst im Lager des insolventen Distributors.
Aktuelle Projekte wie die Pathfinder Second Edition oder Starfinder Enhanced sind nicht direkt gefährdet. Der Verlag arbeitet an Lösungen.
Besonders kritisch: Die im August 2024 angekündigte Starfinder Second Edition (geplant für 2025) und die Pathfinder Remaster-Reihe, die erst 2023 nach dem OGL-Streit mit Wizards gestartet wurde. Ein Lieferstopp könnte den Veröffentlichungsplan verschieben.
Ein einschneidendes Ereignis
Für Paizo kommt die Krise zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Der Markt für Tabletop-Rollenspiele boomt, doch die Abhängigkeit von einzelnen Dienstleistern rächt sich.
Ob der Verlag die Verluste vollständig auffangen kann, bleibt abzuwarten. Fest steht: Ein 10-Millionen-Loch lässt sich nicht einfach stopfen.
Zum Vergleich: Bei der Crowdfunding-Kampagne für Pathfinder: Wrath of the Righteous (Computerspiel, 2020) wurden zwei Millionen Dollar eingeworben. Die aktuelle Summe ist fünfmal so hoch, und anders als bei Kickstarter handelt es sich hier um reine Verluste, nicht um Umsatz.