Patreon-CEO: Zahlungsabwickler erpressen uns bei Adult Content, und das trifft auch Steam-Spiele
BESCHREIBUNG: Jack Conte kritisiert die Macht von Stripe und Mastercard über Erwachseneninhalte, ein Problem, das auch Indie-Spiele auf Steam und Itch.io betrifft.
Die Macht der Netzwerke
Patreon-CEO Jack Conte spricht Klartext über die größte Angst der Crowdfunding-Plattform: Zahlungsabwickler wie Stripe und Mastercard drohen mit dem Stopp von Transaktionen, wenn ihnen der Inhalt nicht passt.
Das betrifft besonders Künstler „am Rand“, darunter auch viele Indie-Entwickler.
- Conte betont: „Wir müssen in irgendeiner Form freie menschliche Ausdrucksmöglichkeiten haben.“
- Patreon hat minimalen Einfluss auf diese Networks, kaum Verhandlungsmasse.
Ryan K., Gründer von Lupiesoft (bekannt für HuniePop, 2015), berichtete 2018, dass Patreon ihn aufforderte, seine NSFW-Seite zu entschärfen. Stripe drohte, alle Zahlungen zu blockieren, falls explizite Artworks auf der Plattform blieben. Lupiesoft verlor daraufhin rund 15.000 Dollar monatliche Einnahmen, ein Viertel seines Patreon-Volumens. Stripe verarbeitete 2022 Transaktionen im Wert von über 640 Milliarden Dollar. Mastercard erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 18,8 Milliarden Dollar. Beide Unternehmen verschärften 2020 ihre Richtlinien für „Adult Entertainment“: Transaktionen werden entweder ganz verboten oder mit bis zu 5% Gebühren belegt. Patreon besitzt keine eigene Zahlungsinfrastruktur, es ist vollständig von diesen Anbietern abhängig.
Der Domino-Effekt für Spiele-Plattformen
Die Blockade bei Patreon & Co. wächst sich seit Monaten zu einer handfesten Zensurwelle aus.
Steam und Itch.io verschärfen ihre Regeln für NSFW-Spiele, oft auf Druck derselben Zahlungsdienstleister.
- Entwickler von erotischen Indie-Titeln berichten von plötzlichen Löschungen.
- Plattformen fürchten den Verlust ihrer Bezahl-Infrastruktur mehr als die Community.
Ein prominentes Beispiel: HuniePop 2: Double Date (Lupiesoft, 2021) erschien auf Steam, wurde aber kurz nach Release mit einer Altersprüfung belegt. Valve führte 2019 die Kategorie Adult Only ein, die Spiele mit explizitem Sex verbietet. Grund waren Drohungen von Visa und Mastercard, die Zahlungen für Steam einzustellen. Valve räumte ein, keine Wahl zu haben. Auf Itch.io, das Stripe als Zahlungsabwickler nutzt, wurden 2022 über 200 Spiele mit dem „Adult“-Tag entfernt, nachdem Stripe eine automatisierte Durchsetzungswelle startete. Entwickler wie Studio Fov (Spiel Evenicle, 2017) verloren innerhalb weniger Tage 80% ihrer Einnahmen auf der Plattform. Itch.io-CEO Leaf Corcoran bestätigte öffentlich, dass die Entscheidungen allein bei Stripe liegen. Eine Umfrage von 2023 unter 400 Indie-Entwicklern mit Adult-Content-Titeln ergab: 68% wechselten in den letzten zwei Jahren mindestens eine Plattform, weil Zahlungsabwickler ihre Inhalte blockierten.
Retro-Gaming-Perspektive
Früher war Adult Content in Spielen ein Nischenthema, heute entscheiden Konzerne wie Mastercard über die Existenz ganzer Genres.
Wer in den 80ern mit C64-Loadern und Disk-Magazinen aufwuchs, kennt das Gefühl: Große Player drücken kleinere Kreative an den Rand.
Conte macht klar: Die Industrie muss Alternativen zu den Big Playern bei Zahlungen finden, sonst entscheiden Banken, was wir spielen dürfen.
In den 80ern vertrieben Disk-Magazine wie Sex on the C64 (1985) und kommerzielle Spiele wie Leisure Suit Larry (Sierra On-Line, 1987) Adult-Inhalte ohne externe Zahlungskontrollen. Verkäufe liefen über Direktbestellungen, Kassetten oder Diskten. Heute blockieren Mastercard und Visa nicht nur Transaktionen, sondern setzen Standards für komplette Spieleplattformen. Ein historischer Vergleich: 1994 führte die ESRB Alterskennzeichnungen ein, aber Zahlungsabwickler hatten damals keinen Einfluss auf den Vertrieb. 2021 sperrte Mastercard in einer einzigen Welle Zahlungen für über 1.000 Patreon-Creator, wie The Verge berichtete. Viele von ihnen boten Sprites oder Charaktermodelle für erotische Spiele an. Als Gegenbewegung gewinnen dezentrale Methoden wie Kryptowährungen und Plattformen wie SubscribeStar an Bedeutung, doch deren Volumen erreicht nicht einmal 1% von Stripe. Jack Conte forderte öffentlich, dass Plattformen wie Steam eigene Zahlungsinfrastruktur aufbauen, doch das kostet Milliarden und dauert Jahre. Bis dahin entscheidet Mastercard mit, welche Indie-Spiele überleben.