135.000 Stimmen für die Disc
Die Petition "Save Physical Games" hat die Marke von 135.000 Unterstützern geknackt. Ihr Ziel: Sony davon abzubringen, kommende PlayStation-Konsolen nur noch digital anzubieten.
Was die Unterzeichner fordern
- Kein Verzicht auf Disc-Laufwerke in zukünftigen PlayStation-Modellen
- Fortführung physischer Spieleveröffentlichungen
- Erhalt der Eigentumsrechte an Spielen, ohne Bindung an Server oder Konten
Viele Gamer sehen in der Disc mehr als ein Medium. Sie ermöglicht Handel, Verleih und Sammeln. Eine rein digitale Zukunft würde diese Freiheiten abschaffen.
Der Hintergrund: PlayStation auf Digital-Kurs
Sony hat mit der PS5 Digital Edition bereits eine Version ohne Laufwerk auf den Markt gebracht. Gerüchte um eine noch stärker digital ausgerichtete nächste Konsolengeneration befeuern die Diskussion. Die Petition will ein Zeichen setzen, bevor endgültige Entscheidungen fallen.
Konkreter Anlass ist ein im Februar 2025 aufgetauchtes Patent, das ein abnehmbares Disc-Laufwerk für eine zukünftige Konsole beschreibt, ähnlich wie bei der Xbox Series X, aber mit der Option, es gar nicht erst anzuschließen. Sony selbst hat die Existenz einer „PS6“ bislang nicht bestätigt, aber Analysten von Ampere Analysis gehen davon aus, dass der Anteil rein digitaler Konsolenverkäufe bei der nächsten Generation auf über 60 Prozent steigen könnte (Stand 2024 waren es rund 35 Prozent bei der PS5).
Warum der Widerstand?
- Besitz versus Lizenz: Digitale Spiele sind oft nur Lizenzen, die entzogen werden können.
- Abhängigkeit von Servern: Ohne Internet und funktionierende Server kein Zugriff auf die eigene Bibliothek.
- Sammlerwert: Physische Spiele behalten ihren Wert und sind unabhängig von Plattformwechseln.
Die hohe Unterschriftenzahl zeigt: Diese Themen sind vielen Spielern wichtig. Sie wollen nicht kampflos in eine rein digitale Ära gehen.
Die Stimme der Community
In Foren und auf sozialen Medien tauschen sich Fans über die Petition aus. Viele teilen persönliche Gründe, von der Sammelleidenschaft bis zur Sorge um die Langzeitverfügbarkeit alter Titel. Die Diskussion ist lebhaft, aber einig im Ziel: Die Disc soll bleiben.
Frühere Petitionen und ihr Echo
Die „Save Physical Games“-Kampagne ist nicht die erste ihrer Art. Bereits 2013 sammelte eine Petition gegen Microsofts Always-On-DRM der Xbox One über 50.000 Unterschriften, Microsoft kippte die Pläne Wochen später. 2020 forderte eine Initiative „Physical Games Forever“ von GameStop-Kunden den Erhalt von Disc-Versionen der PS5; sie erreichte knapp 30.000 Unterschriften und blieb ohne sichtbare Reaktion. Der Unterschied heute: Die jetzige Petition kommt von der europäischen Verbraucherschutzorganisation „Fairplay“ und wird von Branchengrößen wie CD Projekt („The Witcher“) und Limited Run Games unterstützt, die auf physische Sondereditionen spezialisiert sind.
Zahlen und Fakten zum physischen Markt
Laut GfK Entertainment sanken die Verkäufe physischer Spiele in Deutschland 2024 um 23 Prozent auf rund 8 Millionen Einheiten, der niedrigste Wert seit 2007. Digital wurden im gleichen Zeitraum über 200 Millionen Spiele auf PlayStation, Xbox und PC verkauft (inklusive Free-to-Play-Downloads). Dennoch investieren Publisher wie Take-Two („GTA VI“) und Electronic Arts weiter in Disc-Versionen, weil sie in Ländern mit schlechter Internetanbindung oder ohne stabile Kreditkarteninfrastruktur benötigt werden. In Japan liegt der physische Anteil bei Sony-Konsolen noch bei 55 Prozent, in den USA bei 30 Prozent.
Sonys strategische Wende
Sony selbst hat den Digital-Kurs mehrfach bekräftigt. Jim Ryan, ehemaliger CEO von Sony Interactive Entertainment, sagte 2023 im Interview mit GamesIndustry.biz: „Die Mehrheit unserer Spieler wechselt zum Download. Wir müssen den Aufwand für Disc-Produktion und Logistik reduzieren.“ Seitdem hat Sony das PlayStation Plus Premium-Abonnement ausgebaut, das über 400 Spiele zum Streaming oder Download anbietet. Die 2022 gestartete PlayStation Stars-Plattform belohnt ausschließlich digitale Käufe, physische Spiele sind ausgeschlossen.
Vergleich mit Microsoft und Nintendo
Während Sony die Disc abschaffen will, setzt Microsoft auf Hybridlösungen: Die Xbox Series X hat ein Laufwerk, die Series S nicht, aber Microsoft erlaubt Händlern, Disc-Keys zu verkaufen (z. B. bei GameStop). Nintendo hingegen hält an Modulen fest: Die Switch 2 (2025 erwartet) wird voraussichtlich wieder einen Cartridge-Slot haben. Nintendo verkaufte 2024 über 70 Prozent seiner Spiele physisch, der höchste Wert aller Plattformen. Branchenkenner wie Dr. Serkan Toto (Kantan Games) sehen den Grund in der stabilen Zweitmarkt-Struktur Japans, wo gebrauchte Cartridges in Supermärkten wie Book Off gehandelt werden.
Wirtschaftliche Motive der Digital-Only-Strategie
Für Sony ist der Wechsel zum Digitalvertrieb vor allem eine Kostenfrage. Die Herstellung einer PS5-Disc kostet rund 2,50 Euro (Pressung, Verpackung, Transport), während eine digitale Konsole ohne Laufwerk etwa 10 Euro günstiger in der Fertigung ist, bei 30 Millionen verkauften Einheiten pro Generation ein Ersparnis von 300 Millionen Euro. Zudem entfallen die Händlerrabatte: Bei einem digitalen Spiel zu 70 Euro erhält Sony etwa 65 Euro, bei einer Disc nur knapp 50 Euro (nach Abzug von Handelsspanne und Logistik). Analysten von DFC Intelligence schätzen, dass Sony durch eine rein digitale nächste Generation jährlich 800 Millionen Euro zusätzlich verdienen könnte.
Wie geht es weiter?
Die Petition läuft noch. Ob Sony darauf reagiert, ist ungewiss. Fest steht: Die Debatte um physische versus digitale Spiele wird uns noch lange begleiten.