Nach den Entlassungen bei Bungie
Hunderte Entwickler mussten Bungie verlassen, eine direkte Folge des eingestellten Supports für Destiny 2. Die einstige Vorzeigeschmiede für Live-Service-Spiele steht damit vor einem Scherbenhaufen.
Bungie wurde 1991 gegründet und machte sich mit der Halo-Trilogie (2001–2007) einen Namen. Nach der Trennung von Microsoft veröffentlichte das Studio 2014 Destiny, damals das teuerste Spiel der Branche mit einem Budget von 500 Millionen US-Dollar. Destiny 2 startete 2017 mit schwachen Verkaufszahlen und Kritik am Mikrotransaktionsmodell, erholte sich aber mit den Erweiterungen Forsaken (2018) und The Witch Queen (2022). Im Oktober 2023 entließ Bungie 100 Mitarbeiter, im Juli 2024 folgten weitere 220, insgesamt rund 17 Prozent der Belegschaft. Der Support für Destiny 2 wird nach der finalen Erweiterung The Final Shape (Juni 2024) auf kleinere Episoden heruntergefahren, aber nicht komplett eingestellt.
Sony hatte Bungie im Juli 2022 für 3,6 Milliarden US-Dollar übernommen. Ziel war es, das Live-Service-Know-how des Studios zu nutzen, um eigene Online-Welten aufzubauen. Die Integration verlief holprig, Bungie sollte ursprünglich anderen Sony-Studios als Berater dienen, doch die geplante Zusammenarbeit stockt. Die Entlassungen sind Teil einer branchenweiten Welle: 2023 und 2024 verloren über 10.000 Spieleentwickler ihren Job. Sony selbst strich im Februar 2024 rund 900 Stellen bei PlayStation Studios und schloss das London Studio.
Optimismus trotz rauer See
Der PlayStation-CEO macht sich keine Sorgen um das Konzept. Er äußerte sich hoffnungsvoll über zukünftige Live-Service-Spiele und sieht das Modell weiterhin als wichtigen Bestandteil der PlayStation-Strategie. Die Entlassungen bei Bungie scheinen diesen Kurs nicht zu erschüttern.
Konkret arbeitet Sony an Marathon (PvPvE-Extraction-Shooter von Bungie, ursprünglich für 2025 geplant) und Fairgame$ (Heist-Shooter von Haven Studios, gegründet von Jade Raymond, ehemals Ubisoft und EA). Beide Titel haben noch kein Release-Datum. Parallel veröffentlichte Sony im Februar 2024 Helldivers 2 (Arrowhead Studios), ein Live-Service-Co-Op-Shooter, der über zwölf Millionen Exemplare verkaufte und zeigt, dass das Modell funktionieren kann. Allerdings scheiterte im August 2024 der Sony-eigene Live-Service-Shooter Concord (Firewalk Studios): Nach nur zwei Wochen wurden die Server eingestellt, das Studio geschlossen. Das wirft die Frage auf, ob der CEO-Optimismus kalkuliert oder blind ist.
Sony hatte ursprünglich zwölf Live-Service-Titel bis März 2026 angekündigt, reduzierte diese Zahl später auf sechs. Destiny 2 generierte seit Start über 2 Milliarden US-Dollar Umsatz, verliert aber nach der Final Shape-Erweiterung kontinuierlich aktive Spieler. Der Bungie-Nachfolger Marathon soll an das Konzept anknüpfen, allerdings in einem umkämpften Markt, in dem Spiele wie Escape from Tarkov und Hunt: Showdown bereits etabliert sind.
Was das für Spieler bedeutet
Konkret heißt das: PlayStation will anderswo nachholen, was bei Bungie schiefgelaufen ist. Der Fokus liegt nicht auf Einzelspieler-Epen, sondern auf stetig wachsenden Online-Welten.
Die Frage bleibt, ob Spieler nach dem Destiny-2-Schlussstrich noch Vertrauen in immer neue Live-Service-Versprechen haben. Der CEO tut so, als wäre nichts gewesen, und plant weiter.
Ein Vergleich mit anderen Publishern zeigt: Microsoft setzt auf Sea of Thieves und Halo Infinite, EA auf Apex Legends (über 100 Millionen registrierte Spieler), Ubisoft auf Rainbow Six Siege (monatlich über 30 Millionen aktive Nutzer). Sony fehlen ähnliche Langzeiterfolge. Helldivers 2 lieferte einen ersten Beweis, doch ein zweites Standbein fehlt. Spieler, die Singleplayer-Titel wie The Last of Us oder God of War schätzen, müssen sich auf eine Angebotsverschiebung einstellen, Sony bestätigte, dass weiterhin Singleplayer-Projekte entwickelt werden, aber der Anteil der Live-Service-Titel steigt. Alle drei aktuell angekündigten Projekte (Marathon, Fairgame$, ein unangekündigter Titel von Bend Studio) haben noch keinen konkreten Release-Zeitraum. Im August 2024 stellte Sony den Live-Service-Shooter Concord nach nur zwei Wochen ein.