Der Fall läuft
Sony steht derzeit in Großbritannien, Österreich, Deutschland, den Niederlanden und Belgien vor Gericht. Verbraucherschutzorganisationen werfen dem Konzern vor, Kunden durch das geschlossene Ökosystem des PlayStation Store zu überhöhten Preisen zu zwingen.
Die Kläger stützen sich auf den Vorwurf des Machtmissbrauchs. Sie kritisieren, dass Sony externen Händlern den Verkauf von digitalen Download-Codes für Spiele untersagt und damit den Wettbewerb unterbindet.
Was die Klagen eint
- Die Kläger fordern Entschädigungszahlungen für Millionen Nutzer, die seit 2016 überteuerte digitale Käufe getätigt haben.
- Ein zentraler Punkt ist die 30-Prozent-Provision, die Sony bei jedem digitalen Verkauf einbehält.
- Wettbewerbsbehörden prüfen, ob diese Plattformgebühr in Kombination mit dem Verbot von Drittanbieter-Shops gegen geltendes Kartellrecht verstößt.
Die rechtliche Argumentation ähnelt dem Fall Epic Games gegen Apple. Dort wurde ebenfalls die Kontrolle über App-Stores und die damit verbundene Preisgestaltung gerichtlich verhandelt.
Warum das Disc-Aus die Lage anheizt
Die PlayStation 5 Digital Edition verzichtet konsequent auf ein optisches Laufwerk. Dies zwingt Nutzer dauerhaft in den PlayStation Store, da physische Gebrauchtspiele oder günstige Angebote aus dem Einzelhandel wegfallen.
Die Entwicklung folgt einem klaren Muster innerhalb der Branche:
- Digitale Verkäufe machten 2023 laut Branchenberichten über 90 Prozent des Spieleumsatzes aus.
- Publisher wie Ubisoft oder Electronic Arts setzen für ihre Live-Service-Titel wie EA Sports FC 24 oder Rainbow Six Siege primär auf digitale Infrastruktur.
- Das Modell der PlayStation Plus-Mitgliedschaften bindet Spieler zusätzlich an die digitale Bibliothek.
Frühere Konsolengenerationen, etwa die PlayStation 3 oder PlayStation 4, boten noch eine echte Wahl zwischen Datenträger und digitalem Download. Bei der PlayStation 5 ist der physische Vertrieb nun optional und wird durch die PlayStation 5 Pro weiter in den Hintergrund gedrängt, da diese ohne vorinstalliertes Laufwerk ausgeliefert wird.
Studio-Historie und Branchenkontext
Sony Interactive Entertainment fungiert als Publisher für interne Studios wie Naughty Dog (bekannt durch The Last of Us) oder Insomniac Games (Marvel’s Spider-Man). Diese Studios produzieren Exklusivtitel, die ausschließlich über die Sony-Infrastruktur vertrieben werden.
Das Geschäftsmodell basiert auf der Hardware-Subventionierung. Sony verkauft die Hardware oft nahe am Selbstkostenpreis, um den Gewinn über die Provisionen im PlayStation Store zu generieren.
Vergleichbare juristische Auseinandersetzungen existieren auch bei der Konkurrenz:
- Die EU-Kommission und die FTC in den USA untersuchten mehrfach die Vertriebsstrukturen von Microsoft und Nintendo.
- Valve steht mit Steam wegen ähnlicher Exklusivitätsmodelle regelmäßig in der Kritik europäischer Verbraucherschützer.
Wie Sony reagiert
Sony weist die Vorwürfe als unbegründet zurück. Die Rechtsabteilung des Unternehmens argumentiert, dass die Kontrolle des PlayStation Store notwendig sei, um Sicherheit und Qualität der Software zu garantieren.
Die Klage in Großbritannien, angeführt von der Aktivistin Alex Neill, beziffert den potenziellen Schaden auf bis zu 5 Milliarden Pfund. Sony hat bisher keine Anstalten gemacht, das Vertriebssystem für externe Anbieter zu öffnen.
In den offiziellen Dokumenten betont der Konzern, dass der digitale Vertrieb den Kunden Komfort und unmittelbaren Zugriff auf Inhalte ermöglicht. Die nächste Anhörung vor dem Competition Appeal Tribunal in London ist für das kommende Jahr terminiert.