Die RAMpocalypse hält an
Seit Monaten steigen die Preise für Arbeitsspeicher ungebremst. Die sogenannte RAMpocalypse wird laut aktuellen Berichten noch Jahre andauern. PC-Spieler und Systembauer spüren den Druck, ein Kit DDR4-3600 CL18 kostet im März 2025 rund 85 Euro, gut 40 Prozent mehr als vor zwei Jahren. DDR5-Preise haben sich nach einem kurzen Einbruch 2024 wieder auf hohem Niveau eingependelt. Analysten von TrendForce prognostizieren für 2025 einen durchschnittlichen Preisanstieg von 18 Prozent pro Quartal.
Zwei Reaktionen der Hersteller
Die Speicherhersteller reagieren unterschiedlich auf die Krise. Entweder sie tun gar nichts und lassen die Preise weiter steigen. Oder sie geben Vollgas und produzieren auf Teufel komm raus.
- Die „Nichts-tun“-Fraktion: Keine neuen Produkte, keine Preisanpassungen, Abwarten. Samsung etwa fokussiert sich auf HBM-Speicher für KI-Chips und vernachlässigt den PC-Markt.
- Die „Hell-for-leather“-Fraktion: Maximale Auslastung, aggressive Preissenkungen trotz Rohstoffknappheit. Micron hat zwei neue Fabriken in Texas und Singapur hochgefahren, um die Nachfrage zu bedienen, mit steigenden Ausschussraten.
Warum beide Wege falsch sind
Weder Stillstand noch Überproduktion lösen das eigentliche Problem. Die PC-Industrie braucht stabile Preise und verlässliche Lieferketten, nicht extreme Ausschläge in eine Richtung.
- Nichts tun bremst Innovationen und treibt Endkunden in die Enge. Samsung brachte 2024 keinen einzigen neuen Gaming-Riegel auf den Markt.
- Vollgas riskiert Überkapazitäten und minderwertige Chips, wenn die Qualität leidet. Microns 1β-Nanometer-Prozess zeigt erhöhte Fehlerraten bei DDR5-8000-Modulen.
Was das für Gamer bedeutet
Für Spieler, die aufrüsten wollen, bleibt die Lage angespannt. Wer jetzt einen neuen Gaming-PC plant, sollte die Preise genau beobachten und auf bewährte Marken setzen. Schnäppchen sind selten, aber nicht ausgeschlossen, etwa Restbestände von DDR4-3600-Kits, die Händler unter Druck abverkaufen.
Keine einfache Lösung in Sicht
Die Hersteller stehen vor einer Zwickmühle: zu zögern oder zu hetzen, beides schadet. Der Markt braucht einen Mittelweg, den derzeit niemand geht.
Die Akteure: Samsung, SK Hynix und Micron
Drei Konzerne kontrollieren über 90 Prozent des DRAM-Marktes. Samsung (Marktanteil 2024: 42 Prozent) begann 1983 mit der Produktion von 64-Kilobit-Chips und dominierte seither jede Generation. SK Hynix (31 Prozent) entstand 1983 als Hyundai Electronics und liefert heute HBM3-Speicher für Nvidias KI-Beschleuniger. Micron (27 Prozent) aus Idaho, USA, stieg 1981 in den Markt ein und fokussiert sich auf Consumer-DRAM und NAND. Alle drei investieren 2025 zusammen über 90 Milliarden US-Dollar in neue Fertigungsanlagen, ein Rekordwert.
Frühere Preiskrisen: 2018 und 2020 im Rückblick
Die aktuelle Krise ist kein Einzelfall. 2018 trieb eine Angebotsverknappung die DDR4-Preise auf den Höhepunkt: 16 GB kosteten zeitweise 170 Euro. Nach einem Crash 2019 fielen die Preise auf 60 Euro. 2020 folgte der nächste Zyklus, Pandemie-bedingte Nachfrage und Logistikprobleme ließen die Preise um 30 Prozent steigen. Damals reagierten Hersteller mit Überproduktion, was 2021 zu einer Überflutung des Marktes führte. DDR4-Riegel kosteten zeitweise nur 45 Euro. Dieses Muster wiederholt sich: Die aktuelle RAMpocalypse ist der vierte große Preisschock seit 2016.
Vergleich mit GPU- und Konsolenmarkt
Die Speicherkrise trifft die PC-Industrie in einer Phase, in der auch Grafikkarten und Konsolen unter Lieferengpässen leiden. Nvidias GeForce RTX 50-Serie (erwartet 2026) benötigt GDDR7-Speicher, der erst in Kleinserie produziert wird. Sonys PlayStation 6 soll angeblich 2027 kommen, ebenfalls abhängig von stabilen DRAM-Preisen. Im Unterschied zum GPU-Markt, wo Nvidia und AMD auf langfristige Verträge setzen, kaufen PC-Hersteller RAM oft kurzfristig auf dem Spotmarkt ein. Das verstärkt die Preisschwankungen. Ein Blick auf den Konsolenmarkt: Microsoft und Sony haben RAM-Mengen für ihre Next-Gen-Modelle bereits vor einem Jahr zu Festpreisen gesichert, ein Vorteil, den PC-Bauer nicht haben.