Das Ende einer Ära für die Build Engine
Witchaven und Witchaven II: Blood Vengeance verschwinden in Kürze von Steam und GOG. Der Lizenzgeber beendet die Vertriebsvereinbarung mit Nightdive Studios, dem Unternehmen, das die Titel 2016 für moderne Systeme fit machte.
Wer die Spiele in seiner Bibliothek aktiviert hat, behält den dauerhaften Zugriff auf die Dateien. Nach Ablauf der Frist sind keine neuen Käufe über die digitalen Plattformen mehr möglich.
Warum Witchaven Geschichte schrieb
Entwickler Capstone Software veröffentlichte Witchaven im Jahr 1995. Das Team um Scott Miller und Terry Nagy nutzte die Build Engine von Ken Silverman, die kurz zuvor durch Duke Nukem 3D bekannt wurde.
- Der Fokus lag auf Nahkampf mit Schwertern, Äxten und magischen Stäben.
- Das Inventarsystem erlaubte das Tragen von Rüstungen und Zaubertränken, was für einen Shooter des Jahres 1995 ungewöhnlich war.
- Das Leveldesign setzte auf vertikale Strukturen, die mit den damaligen Einschränkungen der 2.5D-Grafik spielten.
Entwickler hinter den Kulissen: Capstone Software
Capstone Software, eine Abteilung von IntraCorp, operierte aus Florida. Das Studio erlangte in den Neunzigern einen zweifelhaften Ruf für technisch instabile, aber ambitionierte Projekte.
- Vor Witchaven produzierte das Team Titel wie Noah’s Ark 3D und Operation Body Count.
- Ihre Arbeitsweise war durch extrem kurze Entwicklungszyklen geprägt, um die Konkurrenz durch größere Häuser wie id Software zu kompensieren.
- Viele ihrer Spiele litten unter einer unsauberen Programmierung, die zu zahlreichen Abstürzen führte.
Branchenkontext und Vergleichbare Releases
Mitte der neunziger Jahre kämpften viele Studios mit dem Übergang von der Wolfenstein 3D-Logik zur komplexeren Build Engine. Witchaven trat gegen Genre-Größen wie Heretic von Raven Software an, das auf einer modifizierten Doom-Engine lief.
- Heretic bot eine flüssigere Steuerung und ein konsistenteres Spieldesign.
- Witchaven versuchte, durch Rollenspiel-Elemente wie Erfahrungspunkte und Ausrüstungs-Slots eine Nische zu besetzen.
- Der kommerzielle Druck führte dazu, dass der Nachfolger Witchaven II bereits 1996 erschien, was die Qualitätssicherung weiter schwächte.
Frühere Releases und Lizenz-Wirrwarr
Die Rechte an den Capstone-Titeln wechselten nach der Insolvenz von IntraCorp mehrfach den Besitzer. Über Jahre hinweg waren die Spiele als "Abandonware" in rechtlichen Grauzonen auf Portalen wie Home of the Underdogs verfügbar.
- Die Nightdive-Versionen stellten 2016 die erste legale Verfügbarkeit seit Jahrzehnten dar.
- Die Lizenzproblematik ergibt sich oft aus unklaren Verträgen zwischen den ursprünglichen Publishern und den Urhebern der Engine-Modifikationen.
- Es gibt keine Anzeichen für eine Neuveröffentlichung oder eine Übernahme der Rechte durch einen anderen Publisher nach dem aktuellen Stichtag.
Details zur Verfügbarkeit
Die Steam-Seite führt die Titel bereits mit einem deutlichen Hinweis auf das Ende der Verfügbarkeit. GOG setzt die Spiele innerhalb der aktuellen Rabattaktionen in den Fokus, um Interessenten ein letztes Zeitfenster für den Erwerb zu bieten.
- Die Spiele werden nach dem Stichtag nicht mehr in den Shop-Suchen gelistet.
- Bestehende Bundles werden entsprechend aus dem Store entfernt oder in ihrem Umfang reduziert.
- Käufer, die die Titel vor der Entfernung erwerben, können die Spieldateien weiterhin über die jeweiligen Clients verwalten.
Ein Stück Gaming-Historie
Witchaven bleibt ein Beispiel für die Experimentierfreude der frühen Shooter-Ära. Trotz der technischen Mängel und der oft hakeligen Steuerung dokumentieren die Titel den Versuch, Shooter-Mechaniken mit komplexeren RPG-Systemen zu kreuzen.
Die aktuelle Preisgestaltung von weniger als einem Euro pro Titel reflektiert den Status als historisches Nischenprodukt. Nach der Entfernung aus den Stores verlieren diese Titel ihren Status als leicht zugängliche digitale Ware und wandern zurück in den Bereich der Sammlerobjekte.