Der erste Blick auf Saw: Genesis
Saw: Genesis ist erschienen und hat eine zwiespältige erste Resonanz erhalten. Kotaku hat das asymmetrische Horrorspiel unter die Lupe genommen. Das Fazit fällt gemischt aus: Ein cooler Multiplayer, aber eine fragwürdige Umsetzung der Saw-Idee.
Was das Spiel richtig macht
Die Grundidee klingt vielversprechend: Ein Spieler übernimmt die Rolle des Jägers, mehrere andere versuchen zu überleben. Fallen, Tarnung und Teamwork stehen im Vordergrund. Laut Kotaku funktioniert dieser Part flott und unterhaltsam. Die Bewegungssteuerung reagiert präzise, die Karten sind so geschnitten, dass es nie zu langen Leerläufen kommt.
Wer das Spiel entwickelt hat
IllFonic, das Studio hinter Friday the 13th: The Game (2017) und Predator: Hunting Grounds (2020), hat Saw: Genesis entwickelt. Beide Vorgänger hatten mit ähnlichen Problemen zu kämpfen: starke Lizenzvorgaben, die in einem asymmetrischen Rahmen schwer umsetzbar sind. Friday the 13th verkaufte sich über 1,8 Millionen Mal, verlor aber schnell Spieler wegen fehlender Updates und rechtlicher Streitigkeiten. Predator: Hunting Grounds erreichte auf Steam maximal 5.000 gleichzeitige Spieler.
IllFonic spezialisiert sich auf lizenzierte Asym-Horror-Titel. Die Engine (Unreal Engine 4) ist bei allen drei Spielen dieselbe. Das erklärt sowohl die konsistente Performance als auch die wiederkehrenden Probleme mit der KI der computergesteuerten Jäger.
Die Saw-Spiele zuvor
Vor Saw: Genesis gab es zwei offizielle Konsolen-Spiele zur Reihe: Saw (2009, Brash Entertainment) und Saw II: Flesh & Blood (2010, Konami). Beides waren lineare Third-Person-Actionspiele mit Puzzle-Elementen, entwickelt von Zombie Studios. Saw erhielt einen Metacritic-Score von 62, der Nachfolger von 55. Verkaufszahlen liegen bei rund 1,6 Millionen beziehungsweise 600.000 Einheiten.
Ein mobiler Titel Saw: Rebirth (2011) erschien für iOS, war ein Point-and-Click-Adventure und wurde kaum beachtet. IllFonic bricht nun mit der Single-Player-Tradition. Die Fallen in den alten Spielen waren eng an die Filmvorlage gebunden, jede hatte eine klare Logik aus der Jigsaw-Philosophie. Kotaku kritisiert genau diesen Punkt bei Saw: Genesis: Die Fallen wirken oft willkürlich, ohne den moralischen Unterbau der Filme.
Wo die Probleme liegen
Die Zusammenfassung spricht eine klare Warnung aus: Das Spiel geht zu frei mit der präzisen Welt von Saw um. Die Fallen wirken weniger durchdacht, die Charaktere passen nicht zur düsteren Philosophie von John Kramer.
- Die strenge Logik der Filme wird oft gebrochen.
- Fans der Reihe werden einige Ungereimtheiten entdecken.
Konkret moniert Kotaku, dass eine Falle im Spiel den Spieler einfach festhält, während ein Timer herunterzählt, ohne dass ein Ausweg ersichtlich ist. In den Filmen gab es immer eine Wahl, eine Lektion. Hier fehlt dieser moralische Kern. Die Charaktermodelle erinnern zudem an generische Slasher-Opfer, nicht an die vielschichtigen Figuren aus der Saw-Reihe.
Ein Spiel zwischen den Stühlen
Saw: Genesis positioniert sich zwischen reinem Multiplayer-Spaß und treuer Adaption. Wer keine tiefe Bindung zur Vorlage hat, wird seine Freude haben. Wer jedoch die düstere Konsequenz der Filme schätzt, dürfte enttäuscht sein. Kotaku hat diese Kluft klar benannt.
Einordnung in den Markt
Der asymmetrische Horror-Markt wird von Dead by Daylight (Behaviour Interactive, 2016) dominiert, das über 50 Millionen Spieler zählt. Saw: Genesis tritt gegen etablierte Titel wie The Texas Chain Saw Massacre (2023, von Sumo Nottingham) an, das sich im ersten Monat 1,5 Millionen Mal verkaufte. IllFonic selbst hat mit Friday the 13th die Erfahrung gemacht, dass eine treue Fangemeinde nicht allein für lange Lebensdauer reicht.
Saw: Genesis startet mit drei Karten und vier Jäger-Varianten, weniger als Dead by Daylight zum Launch (damals 3 Karten, 3 Killer). Der Preis liegt bei 29,99 Euro. Branchenbeobachter rechnen mit einem schnellen Spielerschwund, wenn nicht bald kostenlose Inhalte nachgeliefert werden. Ein Season Pass ist angekündigt, konkrete Daten fehlen jedoch.