Der Simulator, der alles kann
Ein PCGamer-Redakteur programmierte seinen eigenen Zombie-Ausbruch-Simulator, weil kein existierendes Spiel seine Vorstellung traf. „It's the game I wanted to play but couldn't because it didn't exist, so I made it“, erklärte er. Der Simulator erlaubt es, jeden Parameter zu justieren: Ansteckungsrate, Bewegungsgeschwindigkeit, Intelligenz der Untoten.
Der Entwickler, der aus Datenschutzgründen anonym bleibt, arbeitet seit 2017 als Spielejournalist. Zuvor veröffentlichte er auf itch.io einen textbasierten Seuchen-Simulator namens „Viral Spread“, der 2022 rund 3.000 Downloads erhielt. Sein aktuelles Projekt nutzt eine SIR-Modellierung (Susceptible-Infected-Recovered), die auch in der Epidemiologie eingesetzt wird. Damit lassen sich reale Ausbreitungskurven simulieren.
Der Markt für Zombie-Spiele ist gesättigt. Project Zomboid (Early Access seit 2008, über 135.000 Steam-Bewertungen) setzt auf Langzeit-Überleben und Crafting. 7 Days to Die (2013, 300.000 Reviews) kombiniert Survival mit Basisbau. Beide nutzen langsame Standard-Zombies. Unser Simulator fokussiert dagegen auf reine Epidemiologie: keine Ressourcenverwaltung, nur Verbreitung. Das macht ihn einzigartig unter den aktuellen Titeln.
Langsam gegen Schnell, der große Test
In seinem Test verglich der Redakteur zwei Szenarien: klassische langsame Zombies (0,8 m/s) und aggressive schnelle Varianten (2,5 m/s). Das Ergebnis fällt eindeutig aus. Bei langsamen Zombies reichen taktische Wälle und Zeit; die Infektionsrate lag nach 48 Stunden bei 90% einer simulierten Stadt mit 10.000 Einwohnern. Schnelle Zombies zwingen zu sofortigem Handeln und lassen keine Verschnaufpause, bereits nach 6 Stunden waren 90% infiziert.
Der Simulator arbeitet mit einem Echtzeit-Tick-System und Millisekunden-Genauigkeit. Jeder simulierte Mensch hat einen eigenen Tagesablauf: Arbeit, Schlaf, Zufallsbewegungen. Bei schnellen Zombies verkürzt sich das Reaktionsfenster auf Sekundenbruchteile. Der Autor resümiert: „Sorry slow zombie fans, fast zombies are just better.“ Zum Vergleich: In State of Decay (2013) sind Untote meist langsam, während Left 4 Dead (2008) auf extreme Schnelligkeit setzt. Der Simulator erlaubt beide Extreme und exakte Steuerung.
Warum schnelle Untote die bessere Apokalypse liefern
Der Simulator zeigt, dass Geschwindigkeit nicht nur den Schwierigkeitsgrad erhöht. Sie verändert die gesamte Dynamik des Überlebenskampfes. Ressourcenmanagement wird hektischer, Fluchtwege müssen sekundenschnell geplant werden. Jede Entscheidung bekommt ein Zeitfenster, Zögern ist tödlich. Die Immersion steigt, weil die Bedrohung allgegenwärtig bleibt.
Konkret: Eine Erhöhung der Zombie-Geschwindigkeit von 1,0 auf 1,5 m/s senkt die Überlebenswahrscheinlichkeit von 70% auf 12% unter standardisierten Bedingungen (gleiche Bevölkerungsdichte, gleiche Immunitätsrate). Das entspricht einer Versechsfachung der Todesrate. Der Entwickler testete verschiedene Parameterkombinationen und veröffentlichte die Rohdaten auf einer begleitenden Website.
Im Vergleich zu Project Zomboid, wo Spieler Tage zum Vorbereiten haben, zwingt dieser Simulator zu Ad-hoc-Entscheidungen. Der Entwickler plant, das Tool als Open-Source-Software zu veröffentlichen. Dann könnten Forscher und Game-Designer eigene Szenarien modellieren, etwa die Auswirkung von Impfstoffen oder Quarantänemaßnahmen. Wer den ultimativen Zombie-Stress sucht, weiß jetzt, welche Einstellung er wählen muss.