Professor X im Reich der Gedanken
Eine der markantesten Fähigkeiten von Charles Xavier ist seine Reise in die astrale Ebene. Diese Tradition zieht sich durch die Comics, die Zeichentrickserie und einige der Realfilme. Der Showrunner von X-Men: The Animated Series hat nun die überraschenden Ursprünge dieser ikonischen Darstellung enthüllt.
Laut seinen Angaben gehen die astralen Ausflüge des Telepathen auf ganz bestimmte frühe Comic-Hefte zurück. Gemeint ist X-Men #9 von 1965, geschrieben von Stan Lee, gezeichnet von Jack Kirby. In dieser Ausgabe betritt Charles Xavier erstmals die astrale Ebene, um den X-Men gegen den Schurken Lucifer beizustehen. Showrunner Eric Lewald gab in einem Interview mit dem Podcast X-Men: The Animation zu Protokoll: Die Szene war als einmaliger Gimmick gedacht, nicht als wiederkehrendes Markenzeichen. Lewald selbst hatte zuvor als Story Editor an Serien wie BraveStarr und The New Adventures of He-Man gearbeitet, bevor er 1991 die Leitung der X-Men-Serie übernahm.
Die Produktion lag bei Saban Entertainment und Marvel Productions. Saban war damals vor allem durch Power Rangers bekannt, Marvel Productions durch G.I. Joe und Transformers. Die Serie startete 1992 auf Fox Kids und lief über 76 Episoden bis 1997. Budgetmäßig lag eine Folge angeblich bei rund 400.000 Dollar, vergleichbar mit Batman: The Animated Series aus demselben Jahr.
Von der Comicseite auf den Bildschirm
- Die astrale Ebene war bereits in den 1960er-Jahren ein fester Bestandteil der X-Men-Comics. Neben X-Men #9 folgten Ausgaben wie X-Men #20 (1966) und später Uncanny X-Men #161 (1982) in Chris Claremonts Amtszeit.
- In der Zeichentrickserie von 1992 wurde diese Idee aufgegriffen und für ein neues Publikum animiert. Die erste astralen Sequenz in der Serie erschien in Episode 5 „Enter Magneto“, wo Xavier gegen den Meister des Magnetismus kämpft. Die typische Darstellung, ein schwarzer Raum mit violetten und grünen Wirbeln, wurde von Designer Larry Houston entwickelt.
- Auch in den Live-Action-Filmen wie X-Men: Der letzte Widerstand (2006) oder X-Men: Apocalypse (2016) findet man die astralen Reisen wieder. In Der letzte Widerstand erscheint Xaviers Astralform, während sein Körper im Koma liegt. Apocalypse zeigt einen direkten Kampf zwischen Xavier und Apocalypse auf der astralen Ebene.
Was genau der Showrunner als überraschend bezeichnet: Die Tradition war ursprünglich gar nicht als wiederkehrendes Element geplant. Sie entstand aus einer einzelnen, markanten Szene, die später zum Markenzeichen wurde. Lewald wies darauf hin, dass die Serie viele Details direkt aus den Heften von Lee, Kirby und Claremont übernommen habe, darunter auch die Ästhetik der Astralwelt.
Warum diese Enthüllung Fans elektrisiert
Für Liebhaber der Serie ist diese Information ein kleiner Schatz. Sie zeigt, wie tief die Animated Series in den Quellen der Vorlage verwurzelt ist. Gleichzeitig wird deutlich, dass selbst kleine Details eine lange Geschichte haben.
Die Enthüllung löste in den sozialen Medien Wellen aus. Auf Reddit sammelte der Thread r/XMen innerhalb von 24 Stunden über 5.000 Upvotes. Fans diskutierten, welche Comic-Issues die Serie noch direkt adaptiert habe. Konkrete Verweise: Die Episode „The Final Decision“ (Staffel 3) zitiert fast eins zu eins Panels aus Uncanny X-Men #200.
Die astrale Ebene bleibt ein faszinierender Ort im X-Men-Universum. Dass ihre Ursprünge nun genauer beleuchtet werden, gibt Fans einen neuen Grund, alte Folgen und Comics noch einmal zu sichten. Die Serie selbst erlebte 2024 ein Revival mit X-Men ’97 auf Disney+, wo die astrale Ebene erneut eine prominente Rolle spielt, in der Folge „Mutant Liberation Begins“ kämpft Xavier in einer verlängerten Astralsequenz gegen Shadow King.
Branchenkontext und Studio-Historie
Saban Entertainment hatte vor X-Men: The Animated Series kaum Erfahrung mit Marvel-Lizenzen. Das Studio entwickelte das Konzept gemeinsam mit Marvel Productions, die zuvor schon Spider-Man and His Amazing Friends (1981) produziert hatten. Die Serie war Teil eines größeren Blocks bei Fox Kids, der auch Batman: The Animated Series und Eek! The Cat umfasste.
Die Wahl von Eric Lewald als Showrunner fiel nicht zufällig. Lewald hatte bei BraveStarr und The New Adventures of He-Man gelernt, wie man aus limitiertem Budget dynamische Actionsequenzen und emotionale Momente extrahiert. Die Serienstruktur mit 22-minütigen Episoden und Cliffhangern orientierte sich am Vorbild japanischer Animes, ohne direkt zu adaptieren.
Vergleichbare Releases dieser Ära: Spider-Man: The Animated Series (1994) folgte dem gleichen Produktionsmodell, aber mit geringerem Budget. X-Men war die teuerste Marvel-Zeichentrickserie der 90er. Die Astralsequenzen allein benötigten aufwändige Hintergrundanimationen, die oft von koreanischen Studios wie AKOM geliefert wurden.
Die Enthüllung des Showrunners ergänzt ein Bild: Jedes visuelle Detail in der Serie hatte eine bewusste Entscheidung hinter sich, keine zufällige Ästhetik. Die Astralreisen waren kein Zufall, sondern ein direkter Transfer aus den 60er-Jahre-Comics.