Ritterromantik in Galar: Das erste Poster ist da
Das erste Poster zur neuen Pokémon-Show „Pokémon Tales: The Misadventures of Sirfetch’d & Pichu“ ist veröffentlicht worden. Die Ko-Produktion von Aardman (Wallace & Gromit) und The Pokémon Company spielt in der Galar-Region aus Pokémon Schwert und Schild. Laut einem Bericht von Polygon erinnert die Bildsprache stark an das Poster der Serie „A Knight of the Seven Kingdoms“, dem Game-of-Thrones-Prequel um den jungen Dunk und Ei. Ein dicker, mittelalterlicher Holzrahmen, ein aufragender Felsbrocken und eine stilisierte Sonne im Hintergrund setzen den Ton.
Was zeigt das Poster im Detail?
Im Vordergrund steht Sirfetch’d mit seiner Lauch-Lanze, in voller Rüstung und mit entschlossenem Blick. Neben ihm hockt ein kleiner Pichu, das neugierig zur Seite schaut, ein Größenkontrast wie zwischen einem fahrenden Ritter und seinem Knappen. Der Himmel ist in warme, abendliche Orange- und Lilatöne getaucht, die Galars ländliche Hügel andeuten. Die Ähnlichkeit zu den medievalen Fantasy-Postern von HBO ist offensichtlich. Statt Drachen gibt es Pokémon, statt Eisenkronen Lauchgemüse.
Aardman trifft Pokémon, das passt perfekt
Aardman ist bekannt für seine Stop-Motion-Animation und einen skurrilen, liebevollen Humor. Die Galar-Region selbst ist stark an Großbritannien angelehnt, mit seinen Burgen, Wäldern und Rugby-artigen Stadien. Die Wahl von Sirfetch’d ist kein Zufall. Das Pokémon ist eine Weiterentwicklung von Farfetch’d aus der achten Generation und trägt bereits ein ritterliches Flair in sich. Es kämpft mit einem Lauch als Schwert und einem Schild aus demselben Gemüse. Ein perfekter Kandidat für eine Aardman-Geschichte voller Slapstick und Abenteuer.
Ein ungleiches Duo auf Irrfahrt
Sirfetch’d: Ein stolzes, aber tollpatschiges Pokémon, das seine Ehre über alles stellt. Pichu: Ein verspieltes, elektrisierendes Baby-Pokémon, das noch nicht volle Kontrolle über seine Kräfte hat. Die Show wird vermutlich eine Reihe von kurzen, episodischen Abenteuern zeigen, bei denen die beiden durch Galar ziehen. Aardmans Stil eignet sich hervorragend für physische Komik, man denke nur an die Kämpfe zwischen Shaun dem Schaf und dem Bauern. Das Poster gibt noch keinen Hinweis auf ein konkretes Veröffentlichungsdatum.
Aardmans Stop-Motion-Erbe
Das 1972 gegründete Studio Aardman Animations ist eine der letzten großen Bastionen der Knetanimation. Ihre Kurzfilme um Wallace & Gromit gewannen drei Oscars, darunter „The Wrong Trousers“ (1993) und „A Close Shave“ (1995). Der Spielfilm „Chicken Run“ (2000) spielte weltweit über 224 Millionen US-Dollar ein und bleibt der erfolgreichste Stop-Motion-Film aller Zeiten. Für die Pokémon-Serie kehrt das Team zu seinen Wurzeln zurück: Jede Figur wird aus Plastilin modelliert und von Hand animiert, ein aufwendiger Prozess, der für eine 10-minütige Episode mehrere Wochen dauern kann. Aardman setzte zuvor bereits Gaming-IPs um, etwa mit dem Kurzfilm „Wallace & Gromit: The Curse of the Were-Rabbit“ für ein PlayStation-2-Spiel, aber eine direkte Serienadaption eines Videospiel-Franchises ist Neuland.
Pokémon-Anime: Eine Reihe von Experimenten
Die Hauptserie läuft seit 1997 mit über 1200 Episoden, doch The Pokémon Company hat in den letzten Jahren verstärkt auf Spin-offs gesetzt. „Pokémon: Twilight Wings“ (2020) zeigte in sieben 5-Minuten-Folgen den Alltag in der Galar-Region, produziert vom Studio Colorido. „Pokémon Evolutions“ (2021) feierte acht verschiedene Regionen in je einem eigenen Kunststil. Keines dieser Projekte nutzte Stop-Motion. Die Aardman-Serie ist der erste Versuch mit physischer Animation, und der erste, der auf ein spezifisches Duo statt auf eine durchgehende Handlung setzt. Sirfetch’d und Pichu stammen aus unterschiedlichen Generationen: Pichu (Generation 2, 1999) und Sirfetch’d (Generation 8, 2019). Die Kombination von Nostalgie und modernem Design könnte gezielt sowohl alte Fans als auch Neueinsteiger ansprechen.
Branchenkontext: Animationsstudios und Gaming-IPs
Streaming-Dienste investieren massiv in Animationsadaptionen von Videospielen. Netflix produzierte „The Cuphead Show!“ (2022), die im Retro-Zeichenstil des Spiels daherkam, und „Sonic Prime“ (2022) mit CGI. Amazon Prime brachte „Fallout“ als Realserie, HBO arbeitet an einem „The Last of Us“-Animationsprojekt. Aardmans Pokémon-Serie geht den umgekehrten Weg: Statt hochglänzender CGI oder traditioneller 2D-Animation setzt sie auf handgefertigte Knetfiguren, ein kostspieliges, aber markantes Alleinstellungsmerkmal. Die Pokémon Company selbst hat mit über 100 Milliarden US-Dollar Gesamtumsatz die finanziellen Mittel für Experimente. Die Serie wird vermutlich auf Netflix oder dem hauseigenen Pokémon TV erscheinen; eine offizielle Plattform ist noch nicht bestätigt. Mit dem Sirfetch’d-Poster hat Aardman gezeigt, dass sie den mittelalterlichen Look von Galar ernst nehmen, und gleichzeitig mit einem Augenzwinkern inszenieren.