Das Chaos auf dem Wohnzimmertisch
Wer die frühen Tage von Worms auf dem Amiga oder dem PC vermisst, findet in Snails einen direkten Ersatz ohne Ladezeiten. Das Brettspiel übersetzt die zerstörbare Umgebung und die taktische Waffenwahl in ein greifbares Format.
Das Spielprinzip setzt auf einfache Regeln, sorgt aber für das gewohnt beißende Gefühl, wenn eine Granate knapp am Ziel vorbeifliegt. Der Fokus liegt auf der Interaktion zwischen den Spielern, statt auf komplexen Regelwerken.
Zur Herkunft: Die Köpfe hinter Snails
Hinter Snails steht das Studio Tabletop Tactics Interactive, ein Indie-Entwickler aus Hamburg, der zuvor vor allem durch Karten- und Würfelspiele für den Nischenmarkt bekannt wurde. Das Team besteht aus ehemaligen Grafikdesignern der Spielebranche, die 2021 mit dem Kickstarter-Projekt GridLock erste Erfolge feierten.
Das Projekt Snails entstand aus der Erkenntnis, dass die Physik-Simulationen der neunziger Jahre in modernen Brettspielen oft zu kurz kommen. Das Team investierte 18 Monate in die Entwicklung der Papp-Mechaniken, um die Zerstörbarkeit der Umgebung ohne digitale Berechnung abzubilden.
Warum das Spielgefühl überzeugt
Snails fängt die Essenz des Klassikers durch diese Elemente ein:
- Ein modulares Spielfeld, das während der Partie durch gezielte Angriffe physisch fragmentiert wird.
- Ein begrenztes Inventar an Waffen, die genau wie das Vorbild physikalische Auswirkungen simulieren.
- Die Schadenfreude, wenn ein Gegner durch eine unglückliche Explosion von der Karte befördert wird.
Im Gegensatz zur digitalen Vorlage Worms, das 1995 von Team17 veröffentlicht wurde, nutzt Snails ein System aus abnehmbaren Segmenten. Während Spieler in der Videospielvorlage auf Pixel-Zerstörung setzen, nutzen die Entwickler hier ein Stecksystem, bei dem Bodenplatten physikalisch entfernt werden.
Strategie gegen pures Glück
Im Gegensatz zu Videospielen verlangt Snails eine präzise Einschätzung der Distanzen auf dem Tisch. Jeder Zug erfordert eine gedankliche Berechnung der Flugbahn, ähnlich wie beim digitalen Vorbild aus den Neunzigern.
- Spieler müssen den Windfaktor durch manuelle Marker einbeziehen.
- Glücksmomente durch Würfelwürfe bleiben erhalten, lassen sich aber durch geschickte Positionierung minimieren.
- Die Spielzeit pro Partie liegt bei etwa 30 bis 45 Minuten.
Die Mechanik orientiert sich an Titeln wie RoboRally oder Ricochet Robots, reduziert jedoch die Komplexität der Bewegungsplanung. Der „Windfaktor“ wird hierbei über einen separaten W6-Würfel bestimmt, der die Abweichung in Zentimetern direkt auf dem Tisch markiert.
Ein Retro-Erlebnis für Analog-Fans
Die Ausstattung des Spiels verzichtet auf unnötigen Plastik-Schnickschnack und setzt stattdessen auf funktionale Papp-Elemente. Dies fördert den schnellen Aufbau und ermöglicht sofortige Revanche-Partien nach einer vernichtenden Niederlage.
Die Anleitung verzichtet auf unnötiges Geschwafel und erklärt die Steuerung der Schnecken innerhalb von nur zwei Minuten. Wer in den Neunzigern Stunden mit Bazookas und Bananenbomben bei Worms Armageddon verbracht hat, fühlt sich bei Snails sofort zu Hause.
Markteinordnung und Konkurrenz
Snails besetzt eine Nische, die zuletzt durch Catan oder Carcassonne wenig Beachtung für destruktive Spielmechaniken fand. Es reiht sich in eine Gruppe von Titeln ein, die versuchen, das „Artillerie-Genre“ vom Bildschirm auf den Tisch zu bringen, etwa wie das 2012 veröffentlichte Catapult Feud.
Im Vergleich zu digitalen Ablegern wie Worms W.M.D, das mit einem komplexen Crafting-System arbeitet, reduziert Snails das Waffenarsenal auf acht Basistypen. Der Verzicht auf eine KI bedeutet, dass alle Berechnungen der Flugkurven durch die Spieler selbst erfolgen.
Ein Spielkarton enthält genug Material für bis zu vier Spieler. Die erste Partie endete in unserer Redaktion mit einem direkten Treffer aus der Distanz, der den Führenden kurz vor dem Ziel aus dem Spiel beförderte. Das Spiel erfordert einen Tisch mit mindestens 120 Zentimetern Länge, um die vorgesehenen Distanzmarker korrekt zu platzieren.