Concord: Ein beispielloser Fehlstart
Sonys großer Multiplayer-Wurf Concord verschwand nach nicht einmal zwei Wochen vom Markt. Das ist ein Rekord-Flop für ein PlayStation-Studio, noch schneller als so mancher Indie-Titel.
Die ursprüngliche Offensive sollte Dutzende Live-Service-Spiele umfassen. Concord war das erste große Signal, dass Sony ernst machen wollte. Das Signal kam nicht an.
Entwickelt wurde Concord von Firewalk Studios, einem Team aus ehemaligen Bungie-Mitarbeitern. Gegründet 2018, arbeitete das Studio zunächst an einem eigenen Helden-Shooter. Sony übernahm Firewalk im April 2023 für geschätzte 200 Millionen Dollar, und schloss es nach dem Flop im September 2024.
Concord kostete laut Branchenkreisen rund 300 Millionen US-Dollar in Entwicklung und Vermarktung. Verkauft wurden weniger als 25.000 Exemplare auf PS5 und PC. Zum Vergleich: Anthem (BioWare, 2019) hielt sich immerhin ein Jahr, Battleborn (Gearbox, 2016) verkaufte noch 200.000 Einheiten im ersten Monat. Concords Rekord liegt unter diesen Zahlen.
Mehrere Projekte gestrichen
Neben Concord wurden mehrere unangekündigte Multiplayer-Projekte eingestellt. Sony hat die Liste seiner Live-Service-Titel massiv ausgedünnt.
- Unangekündigte Titel fielen der Streichung zum Opfer
- Das genaue Ausmaß bleibt unklar
Besonders hart traf es Bluepoint Games. Das Studio arbeitete an einem abgesagten Live-Service-Spiel im God of War-Universum, und musste danach endgültig schließen.
Intern waren mindestens zehn Live-Service-Projekte in der Pipeline. The Last of Us Online von Naughty Dog wurde im Dezember 2023 eingestellt, nachdem Studio-Chef Neil Druckmann die hohen Kosten und Ressourcenkonflikte nannte. Ein Twisted Metal-Reboot bei Firesprite wurde ebenfalls gestrichen. Quellen berichten von insgesamt sechs abgesagten Titeln seit 2023. Sony investierte schätzungsweise 1,5 Milliarden Dollar in diese Offensive, ein Großteil davon verloren.
Bluepoint Games: Ein schwerer Verlust
Bluepoint war bekannt für hochwertige Remakes wie Demon's Souls und Shadow of the Colossus. Die Schließung markiert das Ende eines der talentiertesten Teams bei PlayStation.
Die Arbeit an einem God-of-War-Live-Service-Projekt war offenbar die letzte Chance. Nach der Absage blieb dem Studio keine Perspektive mehr.
Bluepoint wurde 2006 gegründet und hatte nie ein eigenes Original-IP entwickelt. Ihre Remakes von Shadow of the Colossus (2018) und Demon's Souls (2020) verkauften sich jeweils über 1,5 Millionen Mal. Das Team umfasste zuletzt rund 80 Mitarbeiter. Das abgesagte God-of-War-Spiel trug den internen Arbeitstitel „Project Olympus“ und sollte ein Koop-Actionspiel mit persistenter Welt werden. Sony sah nach Concord keinen Platz mehr für ein weiteres risikoreiches Live-Service-Projekt dieser Größe.
Sony gibt nicht auf
Trotz des Debakels hält Sony an der Live-Service-Strategie fest. Der Konzern hat seine Pläne zwar deutlich zusammengestrichen, aber nicht aufgegeben.
Das bedeutet: Weitere Online-Spiele sind in Arbeit, nur vorsichtiger und mit längerer Entwicklungszeit. Ob die Spieler Sony diesen Vertrauensvorschuss geben, wird sich zeigen.
Konkret laufen drei große Projekte weiter: Marathon von Bungie (2025), Fairgame$ von Haven Studios sowie ein Multiplayer-Spiel von Naughty Dog, das noch nicht offiziell angekündigt wurde. Sony-CEO Hiroki Totoki sagte im Februar 2024, man werde „keine weiteren übereilten Greenlights geben“. Bungie allein beschäftigt 1.200 Mitarbeiter, das Studio hat mit Destiny 2 zwar hohe Einnahmen, aber auch sinkende Spielerzahlen. Die Vorbestellungen für Marathon sind nach der Concord-Katastrophe bisher schwach.