Abschied vom PC-Port?
Suckter Punch Productions, das Studio hinter Ghost of Yōtei, hat eine klare Handschrift. Gegründet 1997, machte sich das Team mit der Sly Cooper-Reihe (2002–2005) einen Namen, bevor es zu Infamous (2009–2014) wechselte. 2020 folgte Ghost of Tsushima, ein Open-World-Samurai-Epos, das sich über 10 Millionen Mal verkaufte. Der angekündigte Nachfolger Ghost of Yōtei spielt im 17. Jahrhundert, diesmal mit einer weiblichen Protagonistin. Ein Releasedatum steht noch aus.
Sonys PC-Port-Strategie war bisher uneinheitlich. Seit Horizon Zero Dawn (2020) erschienen God of War, Days Gone, Spider-Man, The Last of Us Part I und zuletzt Ghost of Tsushima Director’s Cut im Mai 2024 auf Steam. Der Port von Ghost of Tsushima erreichte laut SteamDB innerhalb von 24 Stunden über 77.000 gleichzeitige Spieler, ein Erfolg. Doch Sony lieferte auch Flops: The Last of Us Part I startete mit technischen Problemen, Sackboy verkaufte sich unter den Erwartungen.
Der aktuelle Geschäftsbericht bestätigt keine explizite Kehrtwende, aber die Signale sind eindeutig. Sony setzt nicht mehr auf breite PC-Veröffentlichungen für Singleplayer-Titel. Stattdessen sollen Live-Service-Spiele wie Helldivers 2 (das 2024 auf PC und PlayStation gleichzeitig erschien) den Vorrang bekommen. Ghost of Yōtei könnte daher exklusiv für PS5 bleiben, zumindest für die ersten Jahre.
KI rückt in den Vordergrund
Sonys KI-Strategie ist kein Alleingang. Microsoft integriert KI-Tools in CoPilot für Spieleentwicklung, Nvidia arbeitet an KI-gesteuerten NPCs mit ACE, und Electronic Arts nutzt maschinelles Lernen für Animationen. Sonys eigener Forschungsarm, Sony AI, forscht seit 2020 an Spiel-KI, etwa für realistischeres Verhalten von Gegnern oder prozedurale Level.
Der Bericht bleibt vage: KI solle „Spielentwicklung effizienter machen und neue Spielerlebnisse ermöglichen“. Konkrete Projekte? Fehlanzeige. Brancheninsider spekulieren, dass Sony KI vor allem zur Kostensenkung einsetzen will, z. B. für automatische Bug-Tests, Sprachsynthese oder die Erzeugung von Nebenquests. Ghost of Yōtei selbst wurde noch nicht mit KI-Features angekündigt.
Kritiker sehen darin eine Sparmaßnahme. Statt teurer PC-Ports, die aufwändige Optimierung und Support erfordern, investiert Sony lieber in skalierbare KI-Technologien. Das passt zu einem Konzern, der im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von 13,4 Milliarden Dollar mit dem PlayStation-Segment erzielte, aber die Margen durch steigende Entwicklungskosten unter Druck sieht.
Was bedeutet das für Spieler?
PC-Spieler müssen sich umstellen. Wer auf Spider-Man 2, The Last of Us Part II oder Ghost of Yōtei am PC hofft, wird wohl länger warten, oder auf Emulatoren setzen. Sony hat bereits klargestellt, dass Helldivers 2 und künftige Live-Service-Titel (wie das angekündigte Concord-Projekt) auf PC erscheinen, Singleplayer-Exklusives jedoch nicht mehr priorisiert wird.
Ein Vergleich mit Nintendo liegt nahe: Auch Nintendo hält seine Top-Titel exklusiv (Zelda, Mario), portiert aber keine älteren Spiele auf PC. Sony geht nun ähnliche Wege, allerdings mit einem Unterschied: Nintendo setzt auf eigene Hardware-Verkäufe, Sony hat mit dem PlayStation Portal und dem PC-Bereich (PlayStation Plus Premium) bereits Hybride. Der Fokus auf KI könnte langfristig bedeuten, dass Spiele plattformspezifisch optimiert werden, ohne PC-Version als Kostenfaktor.
Für Entwickler wie Sucker Punch ändert sich wenig: Sie arbeiten weiterhin an PS5-exklusiven Titeln. Die PC-Community verliert jedoch den Zugang zu Sonys Aushängeschildern, es sei denn, sie greifen zur Konsole.
Im Geschäftsjahr 2023/24 verkaufte Sony 20,8 Millionen PS5-Konsolen, während PC-Ports weniger als 5 % des Spieleumsatzes ausmachten. Der Bericht unterstreicht diese Verteilung, und macht den KI-Schwerpunkt zum neuen Hebel für Effizienz.