Sonys Disc-Plan und die Reaktion eines Publishers
Sony bereitet offenbar den Abschied von Disc-Laufwerken vor. Doch ein PS5-Publisher stellt sich quer, zumindest verbal. Gegenüber GamesRadar+ betont der Verlag: „Physische Spiele helfen uns, Zielgruppen zu erreichen, die digital oft nicht erreichbar sind.“
Der Publisher räumt ein, dass digitale Distribution Spiele zugänglicher gemacht hat. Aber das sei nur eine Seite der Medaille. Die andere: Viele Spieler greifen bewusst zur Box, aus Sammlertrieb, wegen schlechter Internetanbindung oder aus Gewohnheit.
Warum physische Spiele weiterhin wichtig sind
- Breitere Zielgruppen: Nicht jeder hat schnelles Internet oder eine unlimitierte Flatrate. Discs umgehen Downloads und Datenlimits.
- Zweitmarkt: Gebrauchte Spiele, Verleih, Tausch, das gibt es nur mit Discs. Digital plattformgebundene Käufe lassen sich nicht weitergeben.
- Haptik und Sammlerwert: Steelbooks, Poster, inlays, physische Editionen bieten Mehrwert, den digitale Stores nicht liefern können.
Der Publisher betont: „Wir sehen physisch und digital als ergänzend, nicht als konkurrierend.“ Das klingt nach einer klaren Absage an eine rein digitale Zukunft, zumindest aus Verlegersicht.
Physisch und digital: Ergänzung statt Konkurrenz
Der Trend zu Digital Only kommt nicht nur von Sony. Microsoft hat mit der Xbox Series S bereits ein Laufwerk-loses Modell etabliert. Doch die Reaktion des Publishers zeigt: Der Markt für Discs ist noch lange nicht tot.
Wer Spiele nur digital anbietet, schließt bewusst Käufer aus, vor allem in ländlichen Regionen oder bei preissensiblen Zielgruppen. Der PS5-Publisher argumentiert, dass beide Formate nebeneinander existieren müssen, um niemanden zurückzulassen. Ob Sony darauf hört, bleibt abzuwarten. Der kommende PS5-Nachfolger (Gerüchte kursieren) könnte die Weichen endgültig stellen.
Der Publisher: THQ Nordic als Fallbeispiel
Der anonyme Verlag in dem Interview lässt sich keiner konkreten Firma zuordnen. Ein passendes Beispiel ist THQ Nordic, ein österreichischer Publisher mit Sitz in Wien. Das Unternehmen entstand 2011 aus der Insolvenz des alten THQ und kaufte gezielt Marken wie Darksiders, Destroy All Humans! und SpongeBob SquarePants: Battle for Bikini Bottom. THQ Nordic veröffentlichte bis 2024 über 120 Spiele, der Großteil davon auf Disc.
Das Studio vertreibt fast alle Titel parallel in physischer und digitaler Form. CEO Lars Wingefors sagte mehrfach, dass Discs „ein relevanter Teil des Geschäfts bleiben, solange die Nachfrage existiert“. 2023 brachte das Unternehmen Alone in the Dark (2024) auf PS5 und Xbox Series X mit einem aufwendigen Steelbook, eine der meistverkauften physischen Editionen des Jahres in Deutschland.
Physische Verkäufe in Zahlen
Die GfK erfasst den deutschen Spielemarkt seit Jahren. 2023 entfielen 24% der verkauften Einheiten auf physische Medien (Discs und Module). In Großbritannien lag der Anteil bei 17%, in den USA unter 10%. Die Spanne zeigt: Physische Verkäufe sind regional sehr unterschiedlich. In ländlichen Gebieten Osteuropas oder Nordamerikas mit schlechter Infrastruktur liegt der Disc-Anteil oft über 30%.
Beispiel ELEX II: THQ Nordics Open-World-RPG verkaufte sich weltweit rund 400.000 Mal. Davon gingen etwa 150.000 Einheiten über Disc in den Handel, 37%. Hätte es nur eine digitale Version gegeben, wären diese Kunden nicht erreichbar gewesen. Einige Läden wie MediaMarkt oder GameStop führen Discs noch als Ladenhüter, aber sie sind für viele Käufer der einzige Zugang.
Branchenvergleich: Wer setzt noch auf Discs?
Neben THQ Nordic halten auch Ubisoft, Electronic Arts und Take-Two an physischen Editionen fest, vor allem für Sammlereditionen und Launch-Varianten. Square Enix veröffentlicht Final Fantasy VII Rebirth auf PS5 mit zwei Discs. Bandai Namco bot Elden Ring in einer umfangreichen Collector’s Box an.
Microsofts Xbox Series S (ohne Laufwerk) verkaufte sich schlechter als die Series X, laut Marktforschungsdaten von Ampere Analysis machte die Series S nur 38% der Gesamtverkäufe in den USA aus. Sony liefert mit der PS5 Digital Edition ebenfalls eine Disc-lose Option, aber diese hat laut Sony-internen Zahlen einen Marktanteil von etwa 20%. Die Nachfrage nach physischen Modellen bleibt stabil, auch wenn der Trend zu digitalen Downloads steigt.
Ein konkretes Beispiel: Hogwarts Legacy (2023) verkaufte sich in Deutschland zu 45% auf Disc, das sind über eine Million Exemplare. Das Spiel war gleichzeitig der meistverkaufte physische Titel des Jahres. Ohne Disc-Version hätte Warner Bros. diesen Umsatz nicht erzielt.
Der PS5-Nachfolger und die Diskussion um das Laufwerk
Gerüchte über eine PS6 oder PS5 Pro ohne Laufwerk kursieren seit 2023. Laut einem Bericht von Insider Gaming soll Sonys nächste Konsole nur noch digital erscheinen, eine reine Streaming-Box mit optionalem Disc-Laufwerk als Zubehör. Der Preisunterschied zwischen Digital- und Disc-Edition der aktuellen PS5 beträgt 100 Euro (449 vs. 549 Euro). Viele Käufer wählen wegen des geringeren Preises die Digital-Version, obwohl sie später Discs nachkaufen könnten, ein teures Laufwerk kostet einzeln 100 Euro.
Der Publisher in dem GamesRadar-Interview sieht darin eine Gefahr: „Wenn das Laufwerk zum optionalen Extra wird, sinkt die Basis für Disc-Verkäufe. Dann lohnt sich die Pressung für viele Spiele nicht mehr.“ Bisher pressen Hersteller wie Sony DADC in Österreich noch Millionen Discs pro Jahr. Ein Stopp würde nicht nur den Zweitmarkt treffen, sondern auch die Produktion von Sammlereditionen unwirtschaftlich machen.