Der Blick auf die Preise
DRAM und NAND sind seit Monaten im Aufwind. Laut Branchendienst DRAMeXchange stiegen die Preise für DDR5-4800 seit Januar 2025 um 46%, 1-TB-NVMe-SSDs verteuerten sich um rund 30%. Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht.
SK hynix, der zweitgrößte Speicherhersteller weltweit, liefert 26% des globalen DRAM-Bedarfs und 18% des NAND-Marktes. Das südkoreanische Unternehmen investierte 2024 über 15 Milliarden US-Dollar in neue Fabriken in Cheongju und in den USA. Die aktuelle Preisrallye folgt auf eine zweijährige Durststrecke: 2023 brachen die DRAM-Preise um 60% ein, NAND verlor 70%, ein typischer Zyklus in der Halbleiterbranche.
Analysten-Prognose: Zuckerbrot und Peitsche
- Kurzfristig (2026–2027): SK hynix erwartet kräftige Preissteigerungen für RAM und SSDs. Der Grund: Die Nachfrage nach HBM3E-Speicher für KI-Chips zieht Kapazitäten ab, günstige Standard-DIMMs werden knapp. Analysten von TrendForce rechnen mit einem Plus von 15–20% im Jahresvergleich.
- Mittelfristig (bis Ende 2028): Erst dann wird mit einem langsamen Rückgang gerechnet. Neue Fertigungsprozesse (1c DRAM, 400-Layer NAND) sollen die Bit-Kosten senken. SK hynix selbst prognostiziert eine Normalisierung ab dem dritten Quartal 2028.
- Warnung: Der erhoffte Preisverfall könnte sich als reines Wunschdenken entpuppen. Die letzten drei Zyklen (2017, 2021, 2024) zeigten, dass Angebotsausweitung oft verzögert erfolgt. Samsung, Marktführer mit 41% Anteil, hält sich mit konkreten Ausbauplänen zurück.
Hintergrund: SK hynix und die Speicherindustrie
SK hynix entstand 2012 aus der Übernahme von Hynix durch den südkoreanischen SK-Konzern. Davor produzierte das Unternehmen seit 1983 Speicherchips unter dem Namen Hyundai Electronics. Zu den Meilensteinen zählen die ersten 3D-NAND-Chips (2014) und der Einstieg in HBM3-Speicher (2022). Die Konkurrenz ist eng: Samsung, SK hynix und Micron teilen sich 95% des DRAM-Marktes. Bei NAND kommen noch Western Digital und Kioxia hinzu.
Die Preise folgen einem historischen Muster: Nach einem Boom (2017: DDR4-Preise verdoppeln sich) folgt ein Crash (2019: Halbierung), dann Erholung. Der aktuelle Aufschwung wird zusätzlich durch KI-getriebene Server-Nachfrage befeuert. Hinsichtlich vergleichbarer Releases: Die Einführung von DDR5 (2021) brachte initiale Preisaufschläge von 50%, die sich nach zwei Jahren normalisierten. Nun wiederholt sich das Spiel mit DDR6, dessen erste Muster 2025 erscheinen.
Was das für Gamer bedeutet
Ein neuer Arbeitsspeicher oder eine SSD wird kurz- bis mittelfristig nicht günstiger. Wer jetzt aufrüsten will, muss mit deutlich höheren Ausgaben rechnen. Ein 32-GB-Kit DDR5-6000 kostet aktuell 110 Euro, vor einem Jahr waren es noch 80 Euro. 2-TB-NVMe-SSDs sind von 120 auf 170 Euro gestiegen.
Retro-Gaming wird digital immer teurer. Alte Spiele auf modernen Rechnern brauchen flotten Speicher, das schmerzt im Geldbeutel. Wer etwa eine Emulations-Maschine für PS3-Titel aufbaut, benötigt 16 GB RAM und eine schnelle SSD. Die Hardware-Kosten sind in den letzten zwölf Monaten um 25% gestiegen. Zum Vergleich: Zur Einführung der PlayStation 3 (2006) kostete 1 GB DDR2-RAM 80 Dollar, inflationsbereinigt fast das Doppelte heutiger Preise.
Ein Funken Hoffnung im Jahr 2028?
Die Analysen zeigen: Ein Ende der Preisspirale ist in Sicht, aber noch weit entfernt. SK hynix’ Finanzchef Kim Woo-hyun sagte im Oktober 2025: „Wir sehen eine Normalisierung der Angebots-Nachfrage-Bilanz ab der zweiten Jahreshälfte 2028.“ Bis dahin heißt es: sparen oder abwarten.
Ob der erwartete Preissturz wirklich kommt, wird sich weisen. Die Quelle spekuliert, dass es sich dabei um reines Wunschdenken handeln könnte. Historisch lag die durchschnittliche Zyklusdauer bei drei bis vier Jahren. Der aktuelle Aufschwung begann Mitte 2024, dann wäre der nächste Tiefpunkt frühestens 2028 plausibel. Samsung und Micron planen bisher keine drastischen Kapazitätserweiterungen, was die Prognose stützt.