Hacker-Angriff auf Steam-Vertriebspartner
Ein Hacker-Angriff auf einen externen Logistikpartner von Valve hat Datensätze von europäischen Käufern der Steam Machine und des Steam Controllers offengelegt. Die betroffenen Nutzer erhielten in den letzten Tagen Benachrichtigungen über den Vorfall.
Der Vorfall betrifft ausschließlich Hardware-Bestellungen aus der Zeit zwischen 2015 und 2018. Die interne IT-Infrastruktur von Valve blieb nach bisherigem Kenntnisstand unberührt.
Was bisher bekannt ist
- Der Angriff richtete sich gegen einen Dienstleister, der für die Lagerung und den Versand in Europa zuständig war.
- Betroffen sind Kunden, die ihre Geräte über den offiziellen Steam-Store bezogen haben.
- Es ist unklar, ob lediglich Adressdaten oder auch Transaktionsdetails entwendet wurden.
Die Geschichte der Steam Machine und des Controllers
Die Steam Machine war ein Hardware-Projekt von Valve, das 2013 angekündigt wurde, um den PC-Markt in das Wohnzimmer zu verlagern. Verschiedene Hersteller wie Alienware, Zotac und Gigabyte produzierten die Geräte auf Basis von SteamOS, einer Linux-Distribution.
Das Projekt scheiterte an einer zu hohen Fragmentierung der Hardware und einem Mangel an Linux-kompatiblen Spielen. Der Steam Controller erschien 2015 als dediziertes Eingabegerät mit zwei berührungsempfindlichen Touchpads. Trotz einer treuen Fangemeinde stellte Valve die Produktion im Jahr 2019 ein.
Branchenkontext und Hardware-Historie
Valve hat eine wechselhafte Historie in der Hardware-Entwicklung, die weit vor dem aktuellen Steam Deck begann. Bevor die Steam Machine floppte, experimentierte das Unternehmen mit dem Steam Link, einem Gerät zum Streamen von Spielen innerhalb des eigenen Netzwerks.
Im direkten Vergleich mit Konkurrenzprodukten wie der Nvidia Shield Console oder den frühen Android-TV-Boxen wirkten die Steam Machines überteuert. Die günstigste Einstiegsvariante der Alienware Alpha startete damals bei etwa 550 Euro. Der Steam Controller hingegen war ein Nischenprodukt, das für präzise Maus-Emulation am Fernseher konzipiert wurde, aber eine lange Eingewöhnungszeit erforderte.
Datenschutz und rechtliche Dimensionen
Europäische Kunden unterliegen dem Schutz der DSGVO, die Unternehmen bei Datenpannen zu einer schnellen Meldung verpflichtet. Der betroffene Vertriebspartner ist nun in der Pflicht, das Ausmaß des Abflusses gegenüber den Aufsichtsbehörden offenzulegen.
Da die Verkäufe der Hardware bereits Jahre zurückliegen, stellt sich die Frage nach der Aufbewahrungsdauer der Daten. Unternehmen dürfen personenbezogene Informationen nur so lange speichern, wie es für den Zweck der Verarbeitung erforderlich ist.
Was jetzt zählt
Betroffene sollten den Empfang von E-Mails kritisch hinterfragen, die sich auf ihre alten Hardware-Bestellungen beziehen. Phishing-Versuche nutzen oft reale Bestellhistorien, um Vertrauen bei den Opfern zu erzeugen.
- Ändern Sie gegebenenfalls Passwörter, falls Sie für den Shop des Vertriebspartners identische Zugangsdaten wie für Ihren Steam-Account genutzt haben.
- Überwachen Sie Ihre Kontoauszüge auf unberechtigte Lastschriften.
- Nutzen Sie für den Steam-Account konsequent die Zwei-Faktor-Authentifizierung mittels Steam Guard.
Ein Lehrstück für Sammler
Der Vorfall zeigt die Risiken einer langjährigen Datenspeicherung durch Drittanbieter auf. Viele Käufer der Steam Machine besitzen die Hardware heute als Sammlerstücke, während die digitalen Spuren des Kaufs in den Servern der Logistikdienstleister verblieben sind.
Die Hardware selbst wird aktuell auf Auktionsplattformen wie eBay für Sammlerpreise gehandelt, da sie als Meilenstein der gescheiterten Konsolen-Ambitionen von Valve gilt. Die Datenpanne erinnert daran, dass auch Hardware-Käufe eine langfristige digitale Verantwortung für den Endverbraucher nach sich ziehen.