Der Preis ist gefallen, und mit ihm die Laune
Valve hat offiziell den Preis der Steam Machine bekannt gegeben. Wer die Nicht-Konsole ab dem 30. Juni ergattern will, muss mindestens 1.000 Dollar hinblättern. Das Internet reagierte umgehend, und wenig freundlich.
Die Vorbestellungen starten bereits am 25. Juni, eine Warteliste gibt es jetzt schon. Für viele Spieler ist das aber kein Grund zur Freude.
„Totgeburt“ oder einfach nur teuer?
- Ein Twitter-Nutzer fragte sich, ob die Steam Machine überhaupt noch erscheinen sollte. Grund: Die KI-Branche treibe die Hardwarekosten in die Höhe.
- Andere wiesen darauf hin: Wer so viel Geld ausgebe, könne sich auch einen günstigeren selbstgebauten PC zusammenstellen. Die Steam Machine sei ja eher ein PC als eine Konsole.
- YouTuber SpawnWave wurde noch deutlicher. Seine Einschätzung: Ein System für über 1.000 Dollar habe praktisch keine Zielgruppe.
Historische Lektionen und die Zukunft der Konsolen
Ein Nutzer zog einen Vergleich zur Sega Nomad, einem Handheld, der Sega-Genesis-Spiele unterwegs abspielte, heute aber kaum jemand kennt. Günstigere, zugängliche Systeme setzen sich durch, teure Nischenprodukte verschwinden.
Und mit Blick auf die kommende PS6 und Microsofts Project Helix mehren sich die Stimmen: Die Ära der 500-Dollar-Konsolen zum Launch sei vorbei. Die Steam Machine zeige, wohin die Reise geht, und zwar nach oben.
Valves Weg zur Hardware: Vom Spieleentwickler zum Plattformbetreiber
Valve Corporation wurde 1996 von Gabe Newell und Mike Harrington gegründet. Bekannt wurde das Studio durch Half-Life (1998), das den Genre-Standard für narrative Ego-Shooter setzte, und Counter-Strike (2000), das aus einer Mod zum milliardenschweren Esport-Titel wurde.
2003 startete Valve mit Steam eine digitale Vertriebsplattform, die den PC-Markt fundamental veränderte. Steam hat heute über 120 Millionen aktive Nutzer monatlich und kontrolliert schätzungsweise 75 Prozent des digitalen PC-Spielemarkts. Hardware-Experimente begannen 2013 mit dem Steam Controller, der Steam Link und den Steam Machines (einer Reihe von Dritthersteller-Konsolen mit SteamOS).
Doch die erste Generation der Steam Machines scheiterte: Zu wenige Spiele, zu hohe Preise für schwache Hardware. Valve zog sich zurück und brachte 2022 das Steam Deck (ab 399 Euro) auf den Markt, das sich weltweit über eine Million Mal verkaufte. Die neue Steam Machine für 1.000 Dollar ist nun der zweite Anlauf auf einen stationären PC, diesmal selbst entwickelt und mit eigener Hardware.
Steam Deck als Vergleich: Was die Vorgänger lehrten
Das Steam Deck startete mit einem Einstiegspreis von 399 US-Dollar für das 64-GB-Modell (eMMC) und 529 US-Dollar für die 256-GB-NVMe-Version. Es nutzt eine maßgeschneiderte AMD-APU (Zen 2 + RDNA 2) und läuft auf SteamOS 3.0, einer Arch-Linux-Basis. Valve verkaufte im ersten Jahr rund 1,2 Millionen Einheiten, blieb aber hinter den Erwartungen zurück.
Die neue Steam Machine setzt auf eine deutlich höhere Preisklasse: Für 1.000 Dollar erwartet Käufer eine Desktop-GPU der Mittelklasse (laut Leaks eine Nvidia RTX 4060 oder vergleichbar) und einen AMD Ryzen 7 7840U oder ähnlichen Prozessor. Das ist exakt die Konfiguration, die ein Selbstbau-PC für rund 800 bis 900 Dollar bieten würde, inklusive Windows-Lizenz. Der Aufpreis von 100 bis 200 Dollar ist die SteamOS-Integration und die Fertigmontage.
Zum Vergleich: Die PlayStation 5 kostet 500 Dollar und die Xbox Series X 500 Dollar. Beide Konsolen bieten eine RTX-2080-ähnliche Grafikleistung, aber keine PC-Flexibilität. Die Steam Machine ist also kein reiner PC und keine reine Konsole, sondern ein Hybrid, zu einem Preis, der beide Lager abschreckt.
Der aktuelle Hardwaremarkt: GPU-Preise und Konsolenkosten
Seit 2020 sind die Preise für Grafikkarten stark gestiegen. Eine Nvidia RTX 4070 kostet aktuell 550 bis 600 Dollar, eine RTX 4060 etwa 300 Dollar. Dazu kommen CPU (200 Dollar), Mainboard, RAM, Netzteil und Gehäuse, Summe oft über 1.000 Dollar. Die Steam Machine liegt mit ihrem Preis also im Rahmen des aktuellen PC-Marktes, aber nicht des Konsolenmarktes.
Analysten von IDC schätzen, dass die Verkaufszahlen für stationäre Spielekonsolen 2024 um 15 Prozent eingebrochen sind, während PC-Hardware um 8 Prozent zulegte. Die Zielgruppe der Steam Machine sind keine Casual-Spieler, sondern PC-Enthusiasten, die ein vorkonfiguriertes System mit Linux suchen. Diese Nische ist klein: Schätzungen zufolge nutzen weniger als 2 Prozent aller Steam-Nutzer SteamOS als primäres Betriebssystem.
Microsofts Project Helix (angeblich eine Cloud-Hybrid-Konsole für 2027) und Sonys PS6 (frühestens 2028) werden laut Branchenquellen ebenfalls zwischen 600 und 800 Dollar kosten. Die Steam Machine für 1.000 Dollar ist damit kein Ausreißer, sondern ein Vorbote steigender Hardwarekosten.
Valve stellt die Vorbestellungen am 25. Juni online, eine Warteliste mit über 50.000 Einträgen existiert bereits. Ob die hohe Nachfrage von Spekulanten oder echten Käufern stammt, wird sich ab Juli zeigen. Sollte die Steam Machine wie ihr Vorgänger aus 2015 nur wenige tausend Einheiten absetzen, dürfte Valve die Hardware-Sparte endgültig aufgeben.