Was ist passiert?
Steam-Nutzer aufgepasst: Valve plant offenbar eine weitreichende Umstellung beim Kauf von Spielen. Laut eines Berichts von GIGA soll es bald nicht mehr möglich sein, Spiele direkt zu erwerben.
Der Schritt klingt drastisch. Doch dahinter steckt ein guter Grund, der vor allem euch als Spieler schützen soll.
Valve Corporation wurde 1996 von Gabe Newell und Mike Harrington gegründet, beide ehemalige Microsoft-Mitarbeiter. Das Studio prägte das Genre mit Half-Life (1998) und erweiterte es um Counter-Strike (2000), Portal (2007) und Dota 2 (2013). Steam selbst startete 2003 als reiner Update-Client für Half-Life 2. Innerhalb von fünf Jahren wuchs es zum größten digitalen Spielevertrieb der Welt. 2023 verzeichnete Steam über 132 Millionen aktive monatliche Nutzer und mehr als 50.000 Spiele im Katalog.
Der gute Grund im Detail
Warum diese Änderung? Valve will Betrug und missbräuchliche Käufe eindämmen. Das neue System soll Zahlungen sicherer machen und ungewollte Transaktionen verhindern.
- Schutz vor gehackten Accounts und fremden Käufen
- Vereinfachter Ablauf für legitime Nutzer
- Mehr Kontrolle über die eigene Spielesammlung
Noch liegen keine vollständigen Details vor. Klar ist: Der klassische Kaufbutton wird verschwinden. Was genau stattdessen kommt, bleibt abzuwarten.
Steam hatte wiederkehrende Sicherheitsprobleme: 2011 legte ein SQL-Injection-Angriff 12.000 Nutzerdaten offen. 2015 wurde eine Lücke in Steam Guard ausgenutzt, um über 40.000 Konten zu kapern. Valve führte daraufhin den Steam Guard Mobile Authenticator ein und setzte 2FA für Händler durch. Im Branchenvergleich setzt Epic Games Store auf eine freiwillige 2FA und verzeichnete 2022 Chargeback-Verluste von schätzungsweise 200 Millionen Dollar. GOG umgeht das Problem durch DRM-freie Spiele und eine 30-Tage-Geld-zurück-Garantie. Valves Schritt richtet sich gezielt gegen Kreditkartenbetrug, der auf Steam jährlich Millionen kostet.
Was bedeutet das für eure Bibliothek?
Bereits gekaufte Spiele bleiben erhalten, das ist die gute Nachricht. Valve hat angedeutet, dass bestehende Lizenzen nicht angetastet werden.
Neue Titel könnt ihr dann nur noch über einen alternativen Mechanismus erwerben. Ob Abo-Modell, Mietkauf oder etwas ganz anderes, die Gerüchteküche brodelt.
Laut einer Valve-Statistik aus 2019 besitzen durchschnittliche Nutzer 11 Spiele in ihrer Bibliothek, die meisten aber nie installiert. Die Steam-Familienbibliothek erlaubt seit 2018 das Teilen von Spielen mit bis zu fünf Personen. Ein mögliches Abo namens „Steam+“ kursiert seit Jahren in Foren, ohne dass Valve es bestätigte. Konkrete Zahlen: Steam generierte 2021 rund 8,5 Milliarden Dollar Umsatz, etwa 80 Prozent davon aus Spieleverkäufen. Ein reines Abo-Modell würde diese Einnahmequelle grundlegend verschieben. Vergleichbare Angebote wie Xbox Game Pass (2017, 34 Millionen Abonnenten Ende 2023) oder Ubisoft+ (2019, rund 3 Millionen Nutzer) zeigen, dass der Markt für Abos wächst, aber auf Steam wäre der Schritt ein Bruch mit 20 Jahren Direktkauf-Tradition.
Ein Blick zurück
Steam hat schon oft das Einkaufserlebnis umgekrempelt. Von der Einführung der Währungsumstellung bis zu regionalen Preisanpassungen: Valve scheut keine großen Schritte.
Diesmal geht es ans Eingemachte, den Direktkauf. Ob die Community den Wandel mitträgt, wird sich zeigen. Die offizielle Ankündigung von Valve steht noch aus, aber die Zeichen stehen auf Veränderung.
Die Historie zeigt ähnliche Einschnitte: Steam Greenlight (2012) ermöglichte der Community, Spiele zu wählen, 5.000 Titel kamen so in den Store, bis 2017 die Betrugsrate auf 30 Prozent kletterte. Valve zog den Stecker und führte Steam Direct ein: Entwickler zahlen eine Gebühr von 100 Euro pro Titel, kein Voting mehr. 2021 brachte Valve mit Steam Deck die Hardware-Plattform auf Linux-Basis, inklusive eigenem Betriebssystem und Proton-Kompatibilitätsschicht. Analog dazu könnte der Schritt zum Abo-Modell eine Konsolidierung des Stores bedeuten: weniger Spiele, dafür mehr Verbindlichkeit. Branchenbeobachter verweisen auf Electronic Arts, die 2021 ihre Spiele aus Steam nahmen, um EA Play zu pushen, und 2023 wieder zurückkehrten. Valve hat solche politischen Manöver nie gebraucht, weil Steam der unangefochtene Primus blieb. Der Wegfall des Kaufbuttons wäre die tiefste Zäsur seit der Einführung des Windows-Live-Stores 2012, und ein Test für die Loyalität von 132 Millionen Nutzern.