TITEL: Streaming auf der PS5? Finger weg! Zwei Gründe, warum Netflix & Co. tabu sind
BESCHREIBUNG: Die PlayStation 5 lockt mit Netflix, Disney+ und Amazon Prime, doch aus zwei handfesten Gründen solltet ihr die Streaming-Apps meiden und lieber zum Stick greifen.
PS5 als Multimedia-Maschine? Vorsicht, Falle!
Die PlayStation 5 kann fast alles: knackige Spiele in 4K, schnelle Ladezeiten, und ja, auch Netflix, Disney+ und Amazon Prime Video. Schön für die Werbung, aber in der Praxis solltet ihr die Finger von den Streaming-Apps lassen. Zwei handfeste Gründe sprechen dagegen. Sony Interactive Entertainment baut seit der PS1 (1994) auf Multimedia-Funktionen. Die PS3 brachte 2009 Netflix auf die Konsole, die PS4 fügte Spotify und 4K-Streaming hinzu. Doch die PS5 setzt auf eine Custom-APU von AMD (Zen 2, RDNA 2), ausgelegt für 200 Watt Spielelast, nicht für ruhige Filmabende. Seit Marktstart im November 2020 sind über 50 Millionen PS5-Einheiten verkauft. Viele Nutzer nutzen sie auch als Media-Hub, obwohl spezialisierte Geräte günstiger und effizienter sind.
Grund 1: Stromverschwendung und Lärm
- Die PS5 ist eine Hochleistungskonsole. Ihre Custom-APU und der Lüfter laufen auch beim Streamen auf hohem Niveau.
- Ergebnis: Die Konsole verbraucht beim Netflix-Gucken deutlich mehr Strom als ein Fire TV Stick oder ein Apple TV.
- Dazu kommt das Lüftergeräusch, selbst im Leerlauf oder beim Streamen hört man die PS5. Für eine ruhige Filmszene ist das störend.
- Ein moderner Smart-TV oder Streaming-Stick schafft das Ganze nahezu lautlos und mit einem Bruchteil der Energie.
Durch diese Kombination wird aus einem gemütlichen Serienabend schnell eine warme, summende Angelegenheit. Konkrete Zahlen: Die PS5 zieht beim 4K-Streaming rund 75 Watt, ein Fire TV Stick 4K Max nur 5 Watt. Bei 4 Stunden Netflix am Tag summiert sich das auf etwa 300 Wattstunden Differenz, pro Monat 9 kWh, also gut 3 Euro Mehrkosten (bei 35 Cent/kWh). Die Lautstärke liegt bei 30–35 dB(A) im Stream-Modus, während ein passiver Stick gar keine Geräusche macht. Sonys eigene Energiesparoptionen (Ruhemodus aktivieren) senken den Verbrauch auf 1,3 Watt, aber dann sind keine Downloads oder Updates möglich. Der Lüfter der PS5 ist ein Nidec-Lüfter, der bei vielen Modellen ein hörbares Spulenfiepen oder Schleifgeräusch produziert, ein bekanntes Ärgernis in Foren wie Reddit.
Grund 2: Bedienungskomfort? Fehlanzeige!
Der DualSense-Controller ist ein Meisterwerk für Spiele. Fürs Filmegucken ist er eine Zumutung:
- Ihr haltet ihn in der Hand, obwohl ihr eigentlich nur die Fernbedienung braucht.
- Die Akkulaufzeit reicht vielleicht für anderthalb Filme, dann müsst ihr laden.
- Das Navigieren in den Streaming-Apps auf der PS5 ist oft umständlich; die Menüs sind auf Spieler ausgelegt, nicht auf Zuschauer.
- Zwar könnt ihr per HDMI-CEC die TV-Fernbedienung verwenden. In der Praxis funktioniert das nicht immer zuverlässig, die PS5 reagiert verzögert oder ignoriert Befehle.
Amazon Prime, Disney+ und Netflix laufen auf der PS5 ohne Frage, aber sie laufen besser auf anderen Geräten. Der DualSense-Akku (1560 mAh) hält laut Tests etwa 8–12 Stunden Spielzeit, beim Streamen sinkt die Laufzeit auf 6–7 Stunden, weil der Controller dauerhaft per Bluetooth verbunden bleibt und die LED leuchtet. HDMI-CEC (Consumer Electronics Control) wird von Sony als „HDMI-Link“ beworben, aber in Kombination mit manchen TV-Marken (z. B. ältere LG- oder Samsung-Modelle) treten häufige Aussetzer auf. Sony selbst empfiehlt im Support-Dokument, die TV-Fernbedienung nur für grundlegende Funktionen wie Wiedergabe/Pause zu nutzen, das Scrollen durch Menüs bleibt hakelig.
Branchenkontext: Konsole als Media-Hub, ein alter Fehler
Sony ist nicht der einzige Hersteller, der Streaming auf Konsolen pusht. Die Xbox Series X verbraucht ähnliche 70–80 Watt beim Videostream, die Series S liegt bei 35 Watt. Microsoft setzt auf eine spezielle Media-Remote als Zubehör, die 30 Euro kostet und das Navigieren verbessert. Google Chromecast und Apple TV dominieren den Markt mit 5–10 Watt und leiser Passivkühlung. Auffällig: Seit 2022 bieten immer mehr Smart-TVs (LG WebOS, Samsung Tizen) integrierte Apps, die sogar Dolby Vision und Dolby Atmos unterstützen, auf der PS5 fehlt Dolby Vision für Streaming bis heute, obwohl sie Spiele in HDR10 ausgibt. Netflix selbst testete 2023 eine native App auf der PS5 mit AV1-Codec, aber die Implementierung bleibt hinter der von Android-TV-Geräten zurück. Die Industrie reagiert: Sonys eigenes PlayStation Portal (2023) ist ein reiner Handheld für Remote Play, kein Streaming-Stick. Ein Indiz, dass Sony selbst weiß, wo die Stärken der PS5 liegen.
Spielen statt Streamen
Die PS5 gehört eingeschaltet, wenn ihr zocken wollt. The Last of Us Part I, God of War Ragnarök oder Returnal machen auf der Konsole richtig Laune. Fürs Streaming dagegen greift lieber zur TV-Fernbedienung und einem günstigen Stick. Das spart Strom, Nerven, und die Bildqualität ist auf einem dedizierten Gerät oft sogar besser. Ein Apple TV 4K unterstützt Dolby Vision und Dolby Atmos nativ, während die PS5 nur HDR10 und lineares PCM liefert. Seit Mai 2024 hat Netflix den Support für AV1-Codec auf der PS5 endlich ausgerollt, aber die Bitrate liegt mit 15 Mbit/s unter dem, was ein Fire TV Stick 4K Max (20 Mbit/s) erreicht. Wer auf der PS5 streamt, schaltet im Grunde eine 500-Euro-Konsole für eine Aufgabe ein, die ein 40-Euro-Stick leiser und effizienter erledigt.