Abschied vom Chefsessel, aber nicht vom Controller
Takashi Tezuka, 65, gibt seinen Posten als Executive Officer bei Nintendo auf. Diese Position bekleidete er seit 2015, nachdem er zuvor mehrere Jahre als Senior Managing Director in der Entwicklungsabteilung EAD (Entertainment Analysis & Development) tätig war. Der Rückzug bedeutet keine Trennung vom Unternehmen: Tezuka bleibt dem Studio als Producer erhalten und konzentriert sich künftig ausschließlich auf die Spieleentwicklung. Die organisatorischen Aufgaben eines Vorstandsmitglieds fallen weg, eine typische Übergangsregelung für erfahrene Entwickler, die nicht mehr in der Geschäftsführung sitzen wollen.
Tezuka trat 1984 in die Fußstapfen von Shigeru Miyamoto. Damals war Nintendo noch ein Unternehmen mit gerade mal 700 Angestellten, das von Spielkarten auf Videospiele umsattelte. Seine erste Rolle: Grafiker und Helfer bei Excitebike (1984) und Super Mario Bros. (1985). Schon früh übernahm er Designverantwortung und prägte die Mechaniken, die Mario bis heute auszeichnen.
Ein Name, der für ganze Generationen steht
Tezukas Handschrift findet sich in unzähligen Nintendo-Klassikern. Als Director oder Produzent war er an folgenden Titeln beteiligt:
- Super Mario Bros. (1985, NES), Assistenz, Verkäufe: über 40 Millionen Einheiten.
- Super Mario Bros. 3 (1988, NES), Director, Verkäufe: 17,3 Millionen. Er führte die Weltkarte ein, ein bis heute genutztes Navigationssystem.
- Super Mario World (1990, SNES), Director, Verkäufe: 20,6 Millionen. Tezuka entwickelte das Yoshi-Konzept, das in diesem Spiel debütierte.
- Yoshi’s Island (1995, SNES), Director, Verkäufe: 4,1 Millionen. Das Spiel setzte auf handgezeichnete Optik und innovative Schwebemechaniken.
- The Legend of Zelda: A Link to the Past (1991, SNES), Assistant Director, Verkäufe: 4,6 Millionen.
- Super Mario Run (2016, iOS/Android), Producer, Downloads: 90 Millionen (laut Nintendo 2018). Das Automatik-Runner-Format brachte Mario erstmals auf Smartphones.
- Super Mario Maker 2 (2019, Switch), Producer, Verkäufe: 8,4 Millionen.
- Super Mario Bros. Wonder (2023, Switch), Producer, Verkäufe: 11,9 Millionen (Stand März 2024).
Seine Karriere umfasst vier Jahrzehnte, das ist länger als die durchschnittliche Lebensdauer der meisten Studios.
Was bedeutet dieser Schritt für Nintendos Zukunft?
Der Wechsel aus der Führungsebene in eine reine Produktionsrolle folgt einem Muster, das Nintendo bereits bei Shigeru Miyamoto vollzog. Miyamoto legte 2015 seinen Posten als Representative Director nieder, blieb aber als Creative Fellow aktiv. Auch Koji Kondo, der Komponist, zog sich aus der Geschäftsführung zurück. Die Firma schafft so Platz für jüngere Führungskräfte wie Shinya Takahashi (General Manager) oder Ko Shiota (Hardware-Chef), während die erfahrenen Köpfe weiterhin inhaltliche Entscheidungen treffen.
Im Branchenkontext ist das ungewöhnlich: Viele japanische Entwickler gehen mit 60 in den Ruhestand oder wechseln in Aufsichtsratsposten ohne operative Arbeit. Tezuka dagegen bleibt Producer, eine Position, die oft mit Vollzeit-Entwicklung verbunden ist. Nintendo setzt damit auf vertikale Wissensweitergabe statt auf abrupte Ablösung.
Tezukas Einfluss auf Spielmechaniken
Tezuka erfand nicht nur Yoshi, sondern auch das Konzept der „Riesen-Yoshi-Eier“ und die interaktive Weltkarte in Super Mario Bros. 3. Er war maßgeblich an der Entwicklung des „2D-Plattform-Slide“-Effekts beteiligt, bei dem Mario durch schmale Gänge rutscht. Seine Spiele zeichnen sich durch präzise Kollisionsabfragen und Level-Design aus, das auf maximal eine Bildschirmbreite ausgelegt ist, ein Tribut an die technischen Limits der 8-Bit-Ära.
Kein Ruhestand in Sicht
Tezuka selbst ließ in Interviews durchblicken, dass er weiterarbeiten wolle, solange er Ideen habe. Konkret: Er arbeitet derzeit an einem unangekündigten Projekt für die kommende Nintendo-Hardware. Sein letztes veröffentlichtes Spiel, Super Mario Bros. Wonder, verkaufte sich in den ersten sechs Monaten 11,9 Millionen Mal, mehr als jeder 2D-Mario-Titel seit New Super Mario Bros. (2006, 30,8 Millionen). Das zeigt, dass sein Gespür für spielerische Innovation intakt ist.