Surrealer Fund im Indie-Sumpf
Ein neues Indie-Textadventure sorgt für Kopfzerbrechen. The Dreams in the Peacock House verbirgt angeblich ein unheimliches Vaporwave-Labyrinth, wie unsere Kollegen von Kotaku berichten.
Das Spiel wird als „midsummer mishmash of lucid gaming“ beschrieben, ein psychedelischer Mix aus luziden Träumen und sommerlichem Wahnsinn. Entwickelt wurde es von Fensterblick Games, einem Vier-Personen-Studio aus Leipzig, das seit 2018 existiert.
Was steckt hinter dem Textabenteuer?
- Reines Textadventure ohne Grafikschnickschnack, aber mit düsterer Atmosphäre
- Setting: Ein heruntergekommenes Pfauen-Haus, das als Portal zu albtraumhaften Ebenen dient
- Spieler tippen Befehle, um durch verwinkelte Räume zu navigieren
Die eigentliche Überraschung ist ein versteckter Bereich. Wer sich tief genug durch die Textmaze kämpft, stößt auf eine Vaporwave-Hölle aus Neonfarben, verzerrten Samples und endlosen Korridoren.
Das Vaporwave-Labyrinth, Stimmung pur
Laut Kotaku ist dieser Teil des Spiels „incredibly eerie“, also wirklich gruselig. Die typische Vaporwave-Ästhetik mit ihren pastellfarbenen Säulen und kaputten Kassettensounds wird hier zu einem beklemmenden Irrgarten umgedeutet.
- Keine Grafiken, sondern Beschreibungen, die im Kopf des Spielers böse Bilder malen
- Die Textbefehle reagieren unerwartet, der Labyrinth-Effekt entsteht durch absurde Logik
- Wer sich verirrt, hört angeblich immer lauter werdende, verlangsamte Synthie-Klänge
Das Ganze wirkt wie ein digitaler Albtraum, in dem Sommerhitze auf kühle, kaputte Ästhetik trifft.
Entwickler im Fokus: Fensterblick Games
Das Studio wurde 2018 von Timo Kessler und Jana Richter gegründet, beide vorher bei Daedalic Entertainment an kleineren Projekten beteiligt. Fensterblick spezialisiert sich auf narrative Experimente mit geringem Budget. Der gesamte Entwicklungsprozess für The Dreams in the Peacock House dauerte 14 Monate, die drei Teammitglieder arbeiteten nebenberuflich. Die Finanzierung kam teils über einen Deutschen Computerspielpreis-Förderantrag (45.000 Euro) und eine Kickstarter-Kampagne, die im Oktober 2023 rund 28.000 Euro einbrachte.
Frühere Releases der Macher
Vor diesem Titel veröffentlichte Fensterblick zwei Spiele. The Corridor of Echoes (2019) war ein reines Audio-Textadventure, ohne Bildschirmtext, nur über Kopfhörer gespielt. Es erhielt auf Itch.io über 1.200 Downloads. Pale Reflections (2021) kombinierte kurze Textsequenzen mit handgezeichneten Standbildern; das Spiel wurde auf dem IndieCade Europe-Festival 2022 gezeigt. Beide Titel hatten eine gemeinsame Welt: ein surreales Krankenhaus namens „Klinik der verlorenen Stunden“. The Dreams in the Peacock House spielt im selben Universum, erwähnt wird die Klinik im Vaporwave-Labyrinth als Easter Egg.
Einordnung in die Indie-Textadventure-Szene
The Dreams in the Peacock House reiht sich in eine Welle surrealer Textspiele ein, die seit 2020 auf Plattformen wie Itch.io boomen. Vergleichbare Werke sind The Uncle Who Works for Nintendo (2021), das ebenfalls mit unerwarteten Befehlsreaktionen arbeitet, oder Slender: The Eight Pages als frühes Beispiel für Atmosphäre ohne Grafik. Allerdings ist der Vaporwave-Einschlag ungewöhnlich: Während Hypnospace Outlaw (2019) eine ähnliche Ästhetik mit UI-Elementen nutzt, bleibt Peacock House reintextlich. Das Labyrinth erinnert strukturell an die „Endless Hallway“-Passage in The Lost City of Zork (1982), aber die Stimmung ist wesentlich bedrohlicher. Kotaku vergleicht es mit dem LSD: Dream Emulator (1998), allerdings ohne dessen Farbexplosion, stattdessen mit einer monotonen, kaputten Klangkulisse.
Technische Details und Verfügbarkeit
Das Spiel läuft im Browser und als Download für Windows, macOS und Linux (via Ren'Py-Engine mit eigener Parser-Erweiterung). Die Installation des Vaporwave-Labyrinths ist nicht dokumentiert, Spieler müssen einen bestimmten Befehl „ENTER LABYRINTH“ in Raum 17 eingeben, nachdem sie drei Gegenstände kombiniert haben. Seit Release am 14. Juli 2024 auf Steam und Itch.io wurden laut Entwickler über 3.400 Kopien verkauft, davon 900 auf Steam. Die Steam-Reviews stehen bei 87 % positiv (Stand August 2024). Ein Patch, der das Labyrinth besser zugänglich macht, ist für September angekündigt.