Eine vielversprechende Idee, die zerbröselte
Vor über zwei Jahren wurde Thick as Thieves als ambitionierter Multiplayer-Immersive-Sim angekündigt. Die Prämisse war originell: Spieler*innen konkurrieren um dieselbe Beute in einer interaktiven, systematischen Welt.
Doch der Start war holprig. Anfang 2026, kurz vor dem Launch, strich OtherSide Entertainment den kompetitiven Mehrspielermodus. Übrig blieb ein reines Solo- oder Koop-Erlebnis.
Ein Studio mit schwerem Erbe
OtherSide Entertainment wurde 2013 von Paul Neurath gegründet, einem der Väter von Ultima Underworld und System Shock. Das Team bestand aus Looking-Glass-Veteranen, die einst Thief und Deus Ex geprägt hatten.
Der erste Titel des Studios, Underworld Ascendant (2018), floppte: Ein Metascore von 57 und geschätzte Verkaufszahlen unter 50.000 Einheiten. Das Sequel zu System Shock, System Shock 3, wurde 2020 nach Übernahme durch Tencent eingestellt. Thick as Thieves war die letzte Chance, das Studio zu retten.
- Nach Underworld Ascendant verließen mehrere Kernentwickler das Studio.
- Die Finanzierung erfolgte über einen ungenannten Publisher, der nach dem Flop ausstieg.
Kein kommerzieller Erfolg, aber ein Versprechen
Das Spiel hat sich offenbar nicht gut verkauft. Nach der Veröffentlichung kam es zu einer Reihe von Entlassungen bei OtherSide Entertainment. Ein harter Schlag für ein Studio, das mit System Shock 2-Erbe glänzte.
- Der Multiplayer-Teil war das Herzstück, sein Wegfall schmerzte.
- Co-op-Immersive-Sims sind selten, aber die Zielgruppe blieb klein.
Immersive Sims im Wandel: Nischenmarkt ohne Multiplayer-Tradition
Klassische Immersive Sims wie Dishonored 2 (2016) oder Prey (2017) von Arkane Studios blieben Singleplayer. Prey verkaufte sich laut Analysten unter 1 Million Einheiten, trotz Top-Kritiken. Deathloop (2021) wagte einen optionalen PvP-Modus, der aber nie das Kerngameplay bestimmte.
Multiplayer-Immersive-Sims sind eine Seltenheit. E.Y.E: Divine Cybermancy (2011) bot Koop, erreichte aber nur 600.000 Verkäufe. Dark Messiah of Might and Magic (2006) hatte einen Multiplayer-Modus, der nach einem Jahr tot war. Thick as Thieves setzte auf PvP-Heist, eine Mechanik, die sonst in Hunt: Showdown oder Escape from Tarkov vorkommt, dort aber fehlt die systematische Welt der Immersive Sims.
- Arkane Lyon experimentierte 2023 mit einem Koop-Modus für Redfall, das Spiel floppte ebenfalls.
- Der Markt für kompetitive Immersive Sims ist praktisch nicht existent.
Was bleibt: kein Server-Grab, kein Drama
Trotz der tristen Lage gibt es einen Lichtblick: Thick as Thieves wird nicht unspielbar. Die verbliebenen Entwickler*innen haben bestätigt, dass der Titel auch ohne aktive Server läuft, zumindest im Solo-Modus.
- Kein Always-Online-Zwang.
- Kein plötzliches Sterben des Spiels nach Studioschließung.
Zahlen und Fakten: Wenige Spieler, viele Entlassungen
Laut SteamDB erreichte Thick as Thieves am Release-Wochenende maximal 487 gleichzeitige Spieler. Zum Vergleich: System Shock (Remake, 2023) startete mit 2.200 Spielern. Der Preis lag bei 39,99 Euro. Nach vier Wochen waren die Zahlen auf unter 50 gefallen.
OtherSide Entertainment entließ nach dem Launch 15 von 25 Angestellten, das bestätigte ein ehemaliger Mitarbeiter auf LinkedIn. Die verbliebenen zehn Personen arbeiten an einem Patch, der lokale Koop ohne Internetverbindung ermöglicht.
- Der Patch soll im Juni 2026 erscheinen.
- Eine Konsolenversion (PS5, Xbox Series) wurde gestrichen.
Ein Statement gegen die Triple-A-Gewohnheit
Große Publisher lassen Spiele oft sterben, sobald die Serverkosten steigen oder die Nutzerzahlen fallen. Thick as Thieves geht den umgekehrten Weg: Es bleibt lokal spielbar, egal ob die Community wächst oder schrumpft.
- Das ist keine Heldentat, aber eine Frage des Respekts gegenüber Käufer*innen.
- OtherSide hält Wort, das zählt in einer Branche, die Spiele gern entsorgt.
Branchenkontext: Server-Dramen als Geschäftsmodell
Erst im Februar 2026 schaltete Ubisoft die Server von The Crew (2014) ab, das Spiel wurde unspielbar, trotz Singleplayer-Kampagne. Concord (2024) von Sony wurde nach zwei Wochen vom Markt genommen, Käufer erhielten Rückerstattungen. Knockout City (2021) stellte nach zwei Jahren die Server ab, obwohl es zum Kauf angeboten wurde.
Thick as Thieves ist das erste aktuelle Spiel, das nach einem Multiplayer-Flop den Offline-Modus garantiert und nachliefert. Im März 2026 veröffentlichte OtherSide ein Statement: „Der lokale Koop-Patch kommt, weil wir versprochen haben, dass das Spiel funktioniert, nicht weil es gewinnbringend ist.“