Überraschung zum Wochenende
Tormentum 2 ist da, ohne Vorankündigung oder Beta-Phase einfach live gegangen.
Das Original von 2015, Tormentum, Dark Sorrow, war ein kleiner Indie-Geheimtipp für Liebhaber düsterer Bildwelten und verkaufte sich laut Entwicklerangaben über 150.000 Mal.
Der Nachfolger erscheint sechs Jahre später und setzt die Serie unter dem Radar fort.
Worum geht’s?
- Point-and-Click-Adventure mit starkem Fokus auf Atmosphäre und Rätsel
- Optik orientiert sich am biomorphen Horror-Stil von H.R. Giger („Alien“, „Dune“)
- Handlung spinnt die düstere Fantasie aus dem ersten Teil weiter, ohne Vorkenntnisse nötig
Das Studio Oh Noo! hat den gleichen Grafikstil beibehalten: schwarz-weiße Sepia-Töne, organisch verwachsene Maschinen, verstörende Kreaturen.
Das Spiel ist ab sofort auf Steam und GOG erhältlich. Der Preis liegt bei 19,99 Euro, inklusive eines Soundtracks von Komponist Michał „Mik“ Paszkowski, der bereits für den Vorgänger die düstere Klangkulisse lieferte.
Was ist neu?
- Komplett neue Schauplätze mit noch detailreicherer Giger-Ästhetik
- Mehrere Enden, abhängig von Entscheidungen im Spielverlauf
- Rätsel sollen logischer sein als im Vorgänger, weniger Trial-and-Error
Die Spielzeit beträgt etwa 6–8 Stunden.
Für Fans von Sanitarium, The Dark Eye oder klassischen CD-i-Adventures ist das Pflichtprogramm.
Die Macher von Oh Noo!
Oh Noo! ist ein polnisches Indie-Studio mit Sitz in Warschau, gegründet 2012 von den Brüdern Jakub und Michał Olesiński.
Vor Tormentum veröffentlichte das Team das Adventure The Whispered Island (2013), eine kurze Geistergeschichte mit handgezeichneten Hintergründen, bereits in Sepia-Optik und mit ähnlichem Horror-Touch.
Der kommerzielle Durchbruch gelang 2015 mit Tormentum, Dark Sorrow, das auf Steam und GOG über 4.000 Nutzerbewertungen sammelte, davon 92 % positiv. Das Studio arbeitet seither in einer festen Kernmannschaft von fünf Personen.
Ein Blick zurück: Tormentum, Dark Sorrow
Der Vorgänger erschien am 20. August 2015 und kostete zum Launch 14,99 Euro.
Er bot eine Geschichte um einen namenlosen Protagonisten, der durch eine albtraumhafte Festung irrt, inspiriert von den Gemälden Zdzisław Beksińskis ebenso wie von Giger.
Das Spiel gewann 2016 den Pocket Gamer People’s Choice Award für das beste mobile Adventure (iOS-Version) und wurde in einer Rezension von Adventure Gamers mit 4 von 5 Sternen bewertet.
Die Rätsel galten damals als hakelig, ein Punkt, den Oh Noo! für Teil 2 gezielt adressiert hat.
Einordnung in die Indie-Adventure-Szene
Tormentum 2 erscheint in einer Phase, in der klassische Point-and-Click-Adventures ein Nischendasein führen, aber treue Fangruppen bedienen.
Vergleichbare aktuelle Titel sind The Last Door (2014–2016), The Crow’s Eye (2016) oder das erst kürzlich veröffentlichte Scorn (2022), das ebenfalls Giger-Ästhetik nutzt, aber als Ego-Shooter daherkommt.
Tormentum 2 setzt dagegen auf die traditionellere Steuerung und Kameraperspektive, Maus oder optional Tastatur, feste Standbilder statt freier 3D-Bewegung.
Mit einer Meta-Score-Prognose von etwa 78 Punkten (basierend auf den ersten sechs Steam-Reviews) bewegt sich das Spiel im oberen Indie-Durchschnitt.
Kein Nostalgie-Projekt
Tormentum 2 wirkt nicht wie ein liebloser Aufguss, sondern wie eine konsequente Weiterentwicklung.
Die düstere Grundstimmung bleibt erhalten, aber die Steuerung wurde modernisiert (Maus + optional Tastatur).
Wer das Original mochte, wird hier nicht enttäuscht, wer neu einsteigt, bekommt den perfekten Einstieg in eine verstörend schöne Welt.
Oh Noo! plant bereits ein drittes Spiel im selben Universum, das jedoch noch ohne Titel und Termin ist.