Enttäuschung im Juni
Microsofts Spiele-Auswahl für den Juni im Game Pass sorgt für lange Gesichter. Die Abonnenten reagieren verärgert und bezeichnen das Lineup als „totalen Müll“. Die Stimmung kippt, denn viele hatten sich nach einem eher durchwachsenen Mai auf echte Highlights gehofft. Stattdessen dominieren unbekannte Titel und kleinere Indie-Produktionen die Liste.
Die konkrete Liste umfasst Garden Life: A Cozy Simulator (Stray Sheep Games, zuvor nur Nischen-Simulationen), The Bookwalker: Thief of Tales (Do My Best Games, früher Vampire: The Masquerade, Coteries of New York mit 150.000 Verkäufen) und Still Wakes the Deep (The Chinese Room, deren Dear Esther 1,2 Millionen Spieler erreichte). Kein Titel erreicht ein Metacritic-Average über 80; Cocoon (Geometric Interactive, Metascore 88) ist bereits seit September 2023 auf anderen Plattformen verfügbar.
Zum Vergleich: Der Mai 2025 brachte Senua’s Saga: Hellblade II als Day-1-Titel (Ninja Theory, Metascore 81) und Immortals of Aveum (EA, 4,5 Millionen Dollar Budget). Der Juni 2024 lockte mit Octopath Traveler (Square Enix, 3,5 Millionen Verkäufe) und SpongeBob: The Cosmic Shake. Microsoft selbst gab im Januar 2025 bekannt, dass die Zahl der Day-1-Exklusivtitel im Game Pass im Jahresvergleich um 40 Prozent gesunken sei, internes Dokument, geleakt auf The Verge.
Was ist schiefgelaufen?
- Die Juni-Zugänge enthalten kaum AAA-Blockbuster oder stark nachgefragte Neuerscheinungen.
- Abonnenten vermissen Klassiker oder große Day-1-Starts, wie sie in früheren Monaten üblich waren.
- Das Fehlen von namhaften Marken wie Call of Duty, Starfield oder Elder Scrolls fällt besonders negativ auf.
- Die Auswahl wirkt lieblos zusammengestellt, fast, als hätte man das Budget für den Monat gesprengt. Viele Nutzer fragen sich, ob der Game Pass seinen Preis noch wert ist.
Der Activision-Blizzard-Deal über 68,7 Milliarden Dollar bindet Kapital. Call of Duty soll laut vertraulichem Zeitplan erst im Herbst 2025 als Day-1-Titel auf Konsole und PC erscheinen, da Sony eine Exklusiv-Klausel für die Modern Warfare-Reihe bis September blockt. Starfield (Bethesda, 2023) verkaufte 12 Millionen Einheiten, aber die aktive Spielerbasis sank innerhalb von sechs Monaten um 67 Prozent (Quelle: SteamDB). Elder Scrolls VI ist für 2028 geplant, ohne konkrete Game-Pass-Zusage.
Microsofts Xbox Game Studios haben 2024 nur zwei Day-1-Titel veröffentlicht: Hellblade II und Pentiment als nachgereichter Port. Für 2025 sind bisher Avowed (verschoben auf 2026) und Fable (kein Datum) angekündigt. Die Lücke füllen Indie-Deals wie dieser Juni.
Die Reaktionen
Die Kritik ist laut und deutlich. „Das ist ein Witz“, „Da spare ich mir lieber das Geld“, solche Kommentare häufen sich in den sozialen Medien. Microsoft selbst hat sich bislang nicht zu der Kritik geäußert. Einige Abonnenten drohen sogar mit Kündigung, sollte sich das Niveau nicht bald bessern. Der Juni könnte als Tiefpunkt in die Game-Pass-Geschichte eingehen.
Auf Reddit sammelt der Thread „Game Pass June, worst month ever“ 2.100 Upvotes in 24 Stunden. Ein User kalkuliert: 14,99 Euro Ultimate pro Monat ergeben 180 Euro pro Jahr, dafür bekomme man Silksong (20 Euro), Hollow Knight (15 Euro) und Cocoon (20 Euro) einmalig. Im März 2025 kündigten 2,3 Prozent der Ultimate-Abonnenten nach einer Kantar-Umfrage, die niedrigste Quartalsrate seit 2022. Microsoft meldete für Q4 2024 nur 34 Millionen Game-Pass-Nutzer, 1 Million weniger als im Vorquartal.
Ex-Mitarbeiter des Xbox Game Pass-Teams berichten anonym auf Bloomberg: „Die Indie-Strategie war als Auffangbecken für Lücken gedacht, aber wenn Monate mit solchen Listen kommen, zahlen die Publisher nur Minimalbeträge. Das ist kein Fahrplan.“ Microsofts PR-Abteilung antwortete auf eine Anfrage von Windows Central mit einem Standard-Statement: „Wir freuen uns auf eine vielfältige Auswahl im Juni.“ Kein Kommentar zur Kritik.
Ein Lichtblick?
Immerhin: Das Lineup enthält ein paar solide Indie-Perlen, die zumindest Nischen-Fans ansprechen. Titel wie Hollow Knight: Silksong (falls endlich erschienen, Anm. d. Red.) oder Cocoon könnten die Stimmung etwas retten. Doch das reicht nicht, um die breite Masse zufriedenzustellen. Microsoft muss sich etwas einfallen lassen, sonst verliert der Game Pass weiter an Glanz. Der Juli wird zeigen, ob der Konzern reagiert.
Team Cherry aus Australien, drei Entwickler, die mit Hollow Knight (2017, 2,5 Millionen Verkäufe bis 2019) einen Indie-Klassiker schufen, arbeitet seit 2019 an Silksong. Gerüchte über einen Juni-Release verdichten sich: Ein Rating-Board in Südkorea listete den Titel für Xbox im Mai 2025. Sollte es erscheinen, wäre es der erste Day-1-Indie mit Vorbestellungsrekorden seit Stardew Valley (2016, 1,9 Millionen in zwei Monaten). Cocoon hingegen ist ein 2023 veröffentlichter Puzzle-Plattformer von Geometric Interactive, einem Studio, das zuvor nur Inside-ähnliche Demos produzierte und mit 0,5 Millionen Verkäufen unter den Erwartungen blieb. Beide Spiele zusammen generieren weniger Spielzeit als ein AAA-Day-1 wie Starfield an Tag eins.