Ein schwerer Verlust für die Branche
Claude Guillemot, Mitbegründer von Ubisoft, starb am 19. Juni 2026 bei einem Flugzeugabsturz in La Baule-Escoublac im Westen Frankreichs. Der 69-Jährige war Insasse einer zweimotorigen Cessna 421, die kurz vor der Landung aus ungeklärter Ursache abstürzte. Auch der Fluglehrer an Bord kam ums Leben.
Die Nachricht verbreitete sich am Samstagmorgen. In sozialen Medien drückten Entwickler und Manager ihre Trauer aus. Claude Guillemot galt als stiller Finanzstratege des Konzerns, weniger bekannt als sein Bruder Yves, aber intern als Architekt der Unternehmensstruktur geschätzt. Ubisoft selbst hielt sich mit einer offiziellen Stellungnahme zunächst zurück.
Von fünf Brüdern zum Weltkonzern
Claude Guillemot war einer der fünf Brüder, die Ubisoft 1986 in der Bretagne gründeten. Gemeinsam mit Christian, Gérard, Michel und Yves baute er einen der größten Spielepublisher der Welt auf. Unter seiner Ägide entstanden ikonische Marken: Assassin’s Creed, Far Cry, Tom Clancy’s Rainbow Six und Watch Dogs.
Die Brüder starteten als Händler für importierte Spiele. 1994 eröffneten sie das erste eigene Studio in Paris. Der Börsengang folgte 1996, damals noch ein kleiner Verlag mit rund 100 Mitarbeitern. Claude Guillemot kümmerte sich um Finanzen und Unternehmensentwicklung, während seine Brüder das operative Geschäft vorantrieben.
Ubisoft wuchs durch gezielte Übernahmen. 2000 kaufte der Konzern Red Storm Entertainment, das Studio hinter Rainbow Six. 2002 folgte Massive Entertainment, später verantwortlich für The Division. Bis 2025 beschäftigte Ubisoft über 20.000 Mitarbeiter weltweit. Die Verkaufszahlen der wichtigsten Marken: Assassin’s Creed verkaufte sich über 200 Millionen Mal, Far Cry über 50 Millionen, Rainbow Six: Siege erreichte 70 Millionen registrierte Spieler.
Die Umstände des Absturzes
Französischen Medien zufolge befand sich Guillemot an Bord der Cessna 421 auf dem Anflug zum Flugplatz La Baule-Escoublac. Die Maschine stürzte aus noch ungeklärter Ursache kurz vor der Landung ab. Die Behörden haben Ermittlungen eingeleitet, die französische Flugsicherheitsbehörde BEA ist vor Ort.
Der Flugplatz liegt in der Nähe von Guillemots Wohnort. Die Region Pays de la Loire ist bekannt für regen Privatflugverkehr. Die Cessna 421, ein zweimotoriges Kolbenflugzeug aus den 1970er Jahren, wird häufig von Geschäftsleuten genutzt. Wartungsunterlagen und Flugschreiber werden derzeit ausgewertet, Ergebnisse liegen noch nicht vor.
Ein Vermächtnis jenseits der Pixel
Ubisoft selbst hat sich bislang nicht offiziell geäußert. Doch Weggefährten und Entwicklerteams zollen bereits auf sozialen Plattformen Tribut. Mit Claude Guillemot verliert die Branche einen der letzten aktiv an der Unternehmensspitze beteiligten Gründerväter.
Er hinterlässt ein Unternehmen, das im Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von rund 1,8 Milliarden Euro erzielte. Die Guillemot-Familie hält weiterhin über die Holding Guillemot Corporation die Kontrollmehrheit. Sein Tod wirft Fragen zur künftigen Führungsstruktur auf, Yves Guillemot, der jüngste Bruder, ist seit 1988 CEO und hält den Posten bis heute. Claude Guillemots Name bleibt mit dem Aufstieg eines französischen Familienunternehmens zu einem der größten Publisher der Spielegeschichte verbunden.