Unity 7: Zurück zu den Wurzeln, aber mit offenen Türen
Unity hat heute Unity 7 vorgestellt, den neuesten Ableger ihrer Spieleplattform. Für alle, die die letzten Jahre mit Verfolgungsjagden hinter Lizenzänderungen und CEO-Wechseln verbracht haben, eine echte Überraschung: Dieses Update scheint nichts kaputt zu machen.
Neben den üblichen Ankündigungen, schnellere Workflows, hübschere Grafik, setzt die Firma auf einen offeneren Ansatz. Konkret heißt das: Externe Tools von Drittanbietern sollen sich einfacher in Unity-Projekte einbinden lassen, und das ohne die komplette Unity-Oberfläche zu benötigen. Ein Schritt, der besonders kleinen Teams und Freelancern entgegenkommt.
Generative KI: Da, aber auf Abstand
- Unity integriert zwar neue Features für generative KI, hält sich aber auffällig zurück.
- Die Botschaft: Diese Werkzeuge sind optional, kein Zwang, kein Hype.
- Man betont, dass die Engine für die Welt der Spiele gebaut sei, nicht für die KI-Welt an sich. Frei nach dem Motto: „Built for that world doesn‘t mean built to require it."
Das ist ein klarer Kontrast zu manchen Mitbewerbern, die KI derzeit als Allheilmittel anpreisen. Unity scheint zu wissen, dass nicht jeder Entwickler einen automatischen Text-Generator oder eine KI-Textur im Projekt braucht, und dass eine stabile, performante Engine immer noch das wichtigste Werkzeug bleibt.
Von Kopenhagen in die Welt: Unitys Weg
Unity Technologies wurde 2004 in Kopenhagen von David Helgason, Joachim Ante und Nicholas Francis gegründet. Der erste Release, Unity 1.0 (2005), lief nur auf Mac OS X. Ziel waren Indie-Entwickler, die keine teuren Lizenzgebühren zahlen konnten.
2007 kam mit Unity 2.0 die Windows-Unterstützung und der Export zum iPhone, frühzeitig gesetzt auf den kommenden Mobile-Boom. 2023 beschäftigte das Unternehmen rund 7.000 Mitarbeiter. Der Börsengang 2020 bewertete Unity mit über 13 Milliarden US-Dollar. 2021 übernahm Unity die Digital-Effects-Firma Weta Digital (bekannt aus „Der Herr der Ringe“) für 1,6 Milliarden US-Dollar, um die Grafik-Tools der Engine zu verbessern.
Die Runtime-Fee-Kontroverse im September 2023, eine geplante Abgabe pro Spielinstallation, führte zu massiven Protesten. Unity nahm die Änderung zurück und CEO John Riccitiello trat zurück. Seit Mai 2024 ist Matt Bromberg (zuvor President von Zynga) CEO. Die Ankündigung von Unity 7 mit offener Architektur und zurückhaltender KI-Politik ist Teil des Versuchs, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.
Engine-Vergangenheit: Von 1.0 bis 6
Unity 3.0 (2010) brachte den Asset Store, der Drittanbieter-Assets direkt in Projekte integriert. Unity 4 (2012) unterstützte DirectX 11 und professionelle Shader-Grafiken. Unity 5 (2015) führte IL2CPP ein (C# zu C++ Compiler) und WebGL-Unterstützung.
Ab 2017 stellte Unity auf jährliche Hauptversionen um: 2017.1, 2018.1, 2019 LTS, 2020 LTS, 2021 LTS. Unity 6 erschien 2024 mit verbessertem GPU Lightmapper, adaptiver Auflösung und erweitertem DOTS. Die Runtime-Fee (0,20 US-Dollar pro Installation nach 200.000 Downloads und 200.000 US-Dollar Umsatz) wurde nie eingeführt, der Aufschrei von Entwicklern wie Innersloth (Among Us) erzwang den Rückzug.
Aktuelle Zahlen: Über 1,5 Millionen registrierte Entwickler. 50 Prozent aller mobilen Spiele nutzen Unity. 4 Milliarden Geräte weltweit empfangen monatlich Software, die mit Unity erstellt wurde. Konkurrent Unreal Engine setzt auf C++ und AAA-Fokus. Godot (Open Source) gewann 2023 an Zulauf. Unitys offene Architektur in Version 7 zielt darauf ab, externe Tools wie Blender und Houdini leichter anzubinden, ein Bereich, in dem Godot durch sein modulares Design punkten kann.
Was bleibt?
Kein Lizenz-Fiasko, keine überraschende Gebührenumstellung, Unity 7 wirkt wie ein solides Iterations-Update. Die „offene“ Architektur für Drittanbieter könnte tatsächlich einen Unterschied machen, gerade in Zeiten, in denen Teams mit Spezialsoftware wie Blender oder Houdini arbeiten. Ob die Engine am Ende hält, was sie verspricht, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Aber der erste Eindruck ist: weniger Zündstoff, mehr Substanz.