Camelot aufgetaucht: Leak aus 2025 wird plötzlich konkret
Im August 2025 postete ein Reddit-Nutzer namens 5thyatch ein angebliches internes Blizzard-Dokument, eine Release-Timeline für das Warcraft-Universum bis 2030. Die Community winkte damals ab. Doch ein aktueller Datamine von Wowhead hat die Sache neu entfacht: Auf den internen Servern von Blizzard fanden sich Hinweise auf Heroic- und Epic-Editionen eines Projekts namens World of Warcraft: Camelot.
Der Reddit-Account und der Post sind längst gelöscht, aber Fans haben die Timeline via Wayback Machine wieder ausgegraben. Und plötzlich wirkt das Ganze nicht mehr so abwegig. Denn „Camelot“ deckt sich exakt mit dem Eintrag im Leak, ein Release für Ende 2026, direkt nach der angeblichen Ankündigung auf der BlizzCon 2026. Viele Tippen auf das langersehnte Classic+: neue Inhalte für die Ur-Version von WoW, ohne die Erweiterungen.
Blizzards Warcraft-Erbe: Vom RTS zum Milliarden-Franchise
Blizzard Entertainment veröffentlichte 1994 mit Warcraft: Orcs & Humans das erste Echtzeitstrategiespiel der Reihe. Es folgten Warcraft 2: Tides of Darkness (1995, 1,5 Millionen verkaufte Einheiten) und Warcraft 3: Reign of Chaos (2002, über 3 Millionen Verkäufe). Der Ableger World of Warcraft (2004) katapultierte das Franchise in eine neue Dimension: Auf dem Höhepunkt 2010 zählte das MMO 12 Millionen Abonnenten, insgesamt registrierte Blizzard über 100 Millionen Accounts.
Das Team hinter WoW wuchs von 60 auf über 300 Entwickler an. Klassiker wie Burning Crusade (2007) und Wrath of the Lich King (2008) gelten als Höhepunkte. Nach dem Rückgang der Abonnentenzahlen (2015 auf rund 5 Millionen) startete Blizzard 2019 World of Warcraft Classic, eine Zeitreise zum Stand von 2005. Der Launch zog 1 Million Spieler in den ersten 24 Stunden an. Seitdem betreibt Blizzard Classic-Server mit Erweiterungen im Stufenrhythmus.
Ein mögliches Classic+, wie es der Camelot-Leak beschreibt, wäre der erste Einstieg in neuen Content für Classic, der nicht den Erweiterungen folgt. Blizzard selbst hat sich dazu bislang nicht geäußert. Derartige Projekte waren in der Vergangenheit mit Risiken behaftet: Warcraft Adventures, ein Point-and-Click-Adventure, wurde 1998 eingestellt. StarCraft: Ghost, ein Stealth-Shooter, folgte 2006 dem gleichen Schicksal. Das Unternehmen cancelte insgesamt mindestens fünf unangekündigte Projekte seit 2000.
Der ganze Warcraft-Fahrplan laut Leak
- WoW: Midnight: Das Release-Fenster wurde vom Leak korrekt vorhergesagt, bevor Blizzard es offiziell bestätigte.
- The Last Titan: Soll Ende 2027 erscheinen, als nächste große WoW-Expansion.
- Warcraft Chronicles (RTS): Ein neues Echtzeit-Strategiespiel, das erste seit Warcraft 3: The Frozen Throne (2003). Geplant für Ende 2028.
- Arthas ARPG: Ein unbetiteltes Action-Rollenspiel rund um den Lich King, für Ende 2029. Ob top-down wie Diablo oder Third-Person, völlig offen.
- Zwei TV-Shows: Eine animierte, eine Realserie, als Begleitung zu den Spielen.
Blizzard selbst gab in den Monaten nach dem Leak erste Hinweise. Vice President Holly Longdale sagte im Februar 2026, das Warcraft-IP sei „untergenutzt“ und man habe „eine größere Vision“ als nur das MMO. Blizzard-Präsidentin Johanna Faries bestätigte parallel „spannende Gespräche“ über Hollywood-Adaptionen.
Branchenkontext: Leaktradition und Classic-Bewegung
Leaks zu Blizzard-Projekten sind kein Einzelfall. 2014 tauchte ein Dokument mit Details zu Project Titan auf, einem MMO, das nach Jahren der Entwicklung eingestellt wurde. Stattdessen erschien 2016 Overwatch (50 Millionen Spieler bis 2020). 2018 kursierten Screenshots von Warcraft 3: Reforged, der Remasterversion, die 2020 tatsächlich veröffentlicht wurde, mit gemischten Kritiken (Metacritic 59). Der aktuelle Camelot-Leak reiht sich ein in diese Tradition vager Vorschauen.
Classic-Projekte haben sich in der Branche etabliert. Old School Runescape (2013) startete mit 1,2 Millionen Abonnenten und wuchs bis 2023 auf über 2,5 Millionen. EverQuest bietet seit 2012 Progression Server, die Erweiterungen über Monate freischalten. Blizzard verfolgte mit Classic hingegen einen linearen Patch-Plan, bis 2024 waren alle Erweiterungen bis Cataclysm (2010) verfügbar. Classic+ wäre ein radikaler Bruch: neue Raids und Quests für die ursprüngliche Welt.
Xbox-Spieler beobachten die Entwicklung genau. Microsofts Strategie für Activision Blizzard (4,2 Milliarden Umsatz 2023) priorisiert etablierte IPs. Call of Duty, Overwatch 2 und Diablo 4 erhielten die meisten Ressourcen. Ob Warcraft als "industriedefinierend" zählt, bleibt offen. Präsidentin Asha Sharma verwies im März 2026 auf eine Fokussierung auf "weniger, dafür stärkere Releases". Genau das könnte den Classic+-Plan gefährden.
Vorsicht: Keine Bestätigung, Projekte könnten gestorben sein
Auch wenn Camelot real zu sein scheint, das Dokument selbst könnte veraltet sein. Blizzard hat bekanntermaßen eine hohe Cancel-Rate. Zudem steht der Mutterkonzern Xbox vor möglichen Massenentlassungen. Präsidentin Asha Sharma betonte in einem Memo, man wolle sich auf „industriedefinierende Franchises“ konzentrieren, und ob Warcraft dazugehört, ist unklar.
Offizielle Bestätigungen gibt es zu keinem der genannten Projekte. Ob Camelot tatsächlich das Classic+ wird, bleibt abzuwarten, der Leak ist jedoch plötzlich mehr als nur heiße Luft.