Krieg an der Schreibtischfront
Die Entwicklung von Windows NT (New Technology) begann 1989 unter der Leitung von David Cutler, der zuvor bei Digital Equipment Corporation (DEC) das Betriebssystem VMS verantwortete. Microsoft rekrutierte Cutler, um ein System zu schaffen, das die Abhängigkeit von der veralteten MS-DOS-Basis beendete und die x86-Architektur für professionelle Umgebungen effizient nutzbar machte.
Der interne Druck war enorm, da Microsoft gegen etablierte Konkurrenten wie IBM und deren OS/2 antrat. Das Team arbeitete in einem abgeschirmten Bereich auf dem Campus in Redmond, was die Entstehung einer isolierten, fast fanatischen Unternehmenskultur begünstigte.
Was im Paket landete
Die Eskapaden des Teams dienten als Ventil für die 80-Stunden-Wochen der Entwickler. Die Wahl der Objekte folgte einer klaren Symbolik, die den Untergang der Konkurrenz propagierte.
- Schwarze Papp-Särge: Diese wurden mit dem Namen des jeweiligen Konkurrenzprodukts beschriftet, etwa für Novell NetWare oder IBM OS/2.
- Künstliche Hundehaufen: Diese landeten als respektlose Botschaften auf den Schreibtischen von Abteilungen, die als technologisch unterlegen wahrgenommen wurden.
- T-Shirts mit Aufschriften: Das Team produzierte Kleidung mit Slogans wie "NT is Coming", um den Marktstart von Windows NT 3.1 im Jahr 1993 vorzubereiten.
Die Provokationen zielten primär auf IBM ab, da der einstige Partner durch die Trennung bei der Entwicklung von OS/2 zum direkten Feindbild wurde. Die Hardware-Anforderungen von Windows NT 3.1 waren mit 12 MB RAM für damalige Verhältnisse extrem hoch, was den Spott der Konkurrenz befeuerte.
Ein Blick zurück in die 90er
Die Rivalität zwischen Windows NT und OS/2 war der erste große Systemkrieg der PC-Ära. Während IBM auf Stabilität in Großrechner-Tradition setzte, fokussierte sich Microsoft auf die Portabilität zwischen x86, MIPS und später Alpha-Prozessoren.
Die Veröffentlichung von Windows NT 3.1 im Juli 1993 markierte den Punkt, an dem Microsoft die volle Kontrolle über den Unternehmensmarkt übernahm. Die aggressive Taktik der Entwickler spiegelte den Führungsstil von Bill Gates wider, der Wettbewerb als Nullsummenspiel betrachtete.
- Windows NT 3.1 (1993): Der erste Release, der als 32-Bit-System die Grenzen von Windows 3.1 sprengte.
- Windows NT 3.5 (1994): Ein Update, das vor allem die Performance und die Netzwerkanbindung verbesserte.
- Windows NT 4.0 (1996): Die Integration der Windows 95-Benutzeroberfläche machte das System für Endanwender massentauglich.
Diese Ära der Hardware-Kriege endete erst mit der Konsolidierung der Betriebssysteme in der Windows XP-Linie, die auf dem NT-Kernel basierte. Die physischen Geschenke der Entwickler blieben als Anekdoten in der Geschichte von Microsoft erhalten, da sie die rohe, ungeschliffene Energie der frühen Software-Schmieden dokumentieren. Viele der beteiligten Ingenieure blieben über Jahrzehnte im Konzern und prägten maßgeblich die Architektur der heutigen Azure-Cloud-Infrastruktur.