Forderung nach Schutz
Die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter von Xbox haben öffentlich einen verbesserten Kündigungsschutz verlangt.
Hintergrund sind Berichte über eine angeblich bevorstehende, groß angelegte Sparrunde bei Microsofts Gaming-Geschäft.
Hintergrund der Sparrunde
Im Januar 2024 entließ Microsoft bereits 1.900 Mitarbeiter in der Gaming-Sparte, vor allem bei Activision Blizzard und Xbox. Analysten von Bloomberg und The Verge erwarten nun eine zweite Welle, die weitere 2.000 bis 3.000 Stellen treffen könnte. Die Übernahme von Activision Blizzard für 69 Milliarden US-Dollar im Oktober 2023 zwang Microsoft zu massiven Kostensenkungen, um die Integration zu stemmen. Laut Quartalsbericht stiegen die Betriebskosten der Gaming-Sparte 2024 auf 8,7 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 62 Prozent gegenüber 2022.
Details der Forderung
Die Arbeitnehmervertreter fordern unter anderem:
- Verbindliche Kündigungsschutzklauseln für alle Gewerkschaftsmitglieder
- Transparente Kriterien für etwaige Entlassungen
- Garantien für Weiterbeschäftigung oder faire Abfindungen
Die Forderungen wurden laut einer Meldung von IGN offiziell bei Microsoft eingereicht.
Gewerkschaftsorganisation bei Microsoft Gaming
Die ZeniMax Workers United, eine Gewerkschaft für Beschäftigte von Bethesda und ZeniMax, schloss sich im Dezember 2022 dem CWA an. Sie vertritt rund 300 QA-Tester und Techniker. Bei Activision Blizzard folgten im März 2024 die Raven Software QA Workers, die nach wochenlangem Streik einen Tarifvertrag erkämpften. Xbox selbst ist nicht gewerkschaftlich geschlossen organisiert; die aktuelle Forderung geht von einem losen Bündnis aus CWA-Gruppen und unabhängigen Kreisen in Redmond aus.
Reaktion von Microsoft
Microsoft hat sich bislang nicht öffentlich zu den Forderungen geäußert.
Die Spannung in der Belegschaft ist groß, da die erwarteten Kürzungen Berichten zufolge unmittelbar bevorstehen könnten.
Vergleich mit Branchenkollegen
Im Jahr 2024 strich Sony Interactive Entertainment 900 Stellen, darunter die Schließung der London Studio. Electronic Arts kündigte im März 2024 die Entlassung von 5 Prozent der Belegschaft (rund 670 Mitarbeiter). Ubisoft reduzierte im Januar 2025 weltweit 1.500 Stellen. Die Xbox-Gewerkschaften orientieren sich an den Schutzvereinbarungen bei Sega of America (CWA-Vertrag seit April 2024) und CD Projekt Red, die nach der Massenentlassung 2023 eine freiwillige Abfindungsformel einführten.
Bedeutung für die Branche
Die Forderung der Xbox-Gewerkschaft zeigt, dass Arbeitskämpfe in der Gaming-Industrie zunehmen.
Gewerkschaften gewinnen bei großen Publishern wie Microsoft an Einfluss, die aktuellen Ereignisse könnten ein Präzedenzfall werden.
Konkrete Vorgänger: Frühere Kündigungswellen bei Microsoft
Bereits 2023 strich Microsoft 10.000 Stellen konzernweit, darunter 1.000 in der Gaming-Sparte. 2022 waren es 800 Stellen bei 343 Industries (Halo-Entwickler) und The Coalition (Gears of War). Die aktuelle Bedrohung betrifft vor allem Studios der Bethesda-Softworks-Gruppe: Arkane Austin (geschlossen Mai 2024), Tango Gameworks (geschlossen Mai 2024) und Alpha Dog Games (geschlossen). Diese Schließungen betrafen rund 240 Mitarbeiter, ohne Abfindung, nur mit gesetzlicher Kündigungsfrist. Die neue Forderung zielt genau auf solche Lücken.