Arbeiter stellen sich quer
Die Gewerkschaftsmitglieder bei Xbox haben auf frische Berichte über mögliche Massenentlassungen reagiert. Ihre Botschaft an die Führungsetage ist klar: „Wir werden nicht als Wegwerfware behandelt.“
Der Protest kommt nicht aus dem luftleeren Raum. Seit Monaten kursieren Gerüchte über weitere Stellenstreichungen bei Microsofts Gaming-Sparte, nachdem bereits im vergangenen Jahr tausende Jobs gestrichen wurden.
Das Geld ist da
In einer Stellungnahme, die Kotaku exklusiv vorliegt, heißt es wörtlich: „The money is there, leadership is simply choosing where it goes and who pays.“ Die Arbeiter kritisieren, dass Microsoft trotz Milliardengewinnen immer wieder auf der Belegschaft herumhackt.
- Keine Entlassungen nötig, nur falsche Prioritäten
- Umsatz der Gaming-Sparte im letzten Quartal auf Rekordniveau
- Trotzdem Studio-Schließungen und Stellenabbau in Serie
Die Gewerkschafter fordern Transparenz und Mitsprache bei budgetären Entscheidungen. Klassische Ringelpiez mit Anlauf-Politik, wie sie in der Tech-Branche üblich ist, wollen sie nicht länger mitmachen.
Historischer Hintergrund
Die Xbox Workers Union ist eine der wenigen erfolgreich organisierten Arbeitervertretungen in der US-Spieleindustrie. Sie entstand 2023 nach einer langen Kampagne von QA-Testern bei ZeniMax (Bethesda).
Seitdem hat sie mehrere kleine Erfolge erzielt, etwa bessere Bezahlung und Arbeitszeitzusagen. Doch der Druck auf die Belegschaft wächst: Kostensparprogramme, KI-Angst und die Integration von Activision Blizzard sorgen für Unruhe.
Die ZeniMax-Kampagne: Eine kleine Abteilung macht Geschichte
Der Kern der Gewerkschaft liegt im ZeniMax-QA-Team, das 2022 einen langen Organisationsprozess durchlief. Rund 300 Tester stimmten für die Gründung der ZeniMax Workers United, der ersten Gewerkschaft bei Microsoft überhaupt. Microsoft erkannte sie Ende 2022 freiwillig an.
- Vor der Organisation: Stundenlöhne unter 18 Dollar, keine festen Verträge
- Nach der Anerkennung: Mindestlohn auf 22 Dollar angehoben, transparente Beförderungen
- Die Gewerkschaft deckt inzwischen auch Redmond-Studios ab, nicht nur ZeniMax
Die Erfolge sind lokal, aber symbolisch. Sie zeigen, dass Druck von unten funktioniert, selbst in einer Branche, die Gewerkschaften traditionell meidet. Gleichzeitig bleiben die meisten Xbox-Studios (wie das 343 Industries oder The Coalition) nicht organisiert.
Activision Blizzard: Der Elefant im Raum
Seit der Übernahme für 68,7 Milliarden Dollar im Oktober 2023 steht Microsoft unter Druck, die Kosten zu senken. Die Integration von Activision Blizzard King brachte rund 17.000 neue Mitarbeiter, und massive Überschneidungen in Verwaltung, Marketing und QA.
- Januar 2024: 1.900 Entlassungen bei Microsoft Gaming, vor allem bei Activision und Xbox
- September 2024: weitere 650 Stellen gestrichen, darunter Schließung von Tango Gameworks und Alpha Dog Games
- Aktuelle Gerüchte: möglicher neuer Stellenabbau im Frühjahr 2025, betroffen könnten Marketing- und QA-Abteilungen sein
Trotz Rekordumsätzen, im Quartal Oktober bis Dezember 2024 erzielte Gaming 7,1 Milliarden Dollar (plus 61 Prozent durch Activision), bleibt die Belegschaft unsicher. Die Gewerkschaft fordert: „Statt Aktionäre zu beglücken, sichert Arbeitsplätze, die die Spiele machen, die das Geld bringen.“
Branchenweite Kürzungswelle: 2024 war das Jahr der Entlassungen
Microsofts Kahlschlag ist kein Einzelfall. 2024 verloren in der globalen Spieleindustrie über 16.000 Menschen ihren Arbeitsplatz, mehr als in den beiden Vorjahren zusammen. Die größten Schnitte setzten:
- Sony Interactive Entertainment: 900 Stellen, Schließung des London Studio
- EA: 670 Stellen, Ende des Star-Wars-Projekts von Respawn
- Take-Two: 5 Prozent der Belegschaft (ca. 600 Jobs) im April 2024
- Ubisoft: drei Wellen mit insgesamt über 1.000 Kündigungen
Ursachen sind Kostendruck nach der Pandemie, steigende Entwicklungsbudgets und der Fokus auf wenige Blockbuster. Microsoft steht dabei besonders im Fokus, weil es mit Activision die teuerste Gaming-Übernahme der Geschichte tätigte. Die Gewerkschafter argumentieren: Nicht die Mitarbeiter haben die Kosten verursacht, sondern die Strategie der Führungsetage.
Eine Frage der Haltung
Während Konzernchef Satya Nadella die Aktionäre mit Rekordwerten beglückt, werden am unteren Ende der Nahrungskette immer öfter Köpfe rollen gelassen.
Die Gewerkschaftsmitglieder machen jetzt deutlich: Wer die Spiele entwickelt, die Xbox erst profitabel machen, hat ein Recht auf Sicherheit. „Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen“, so ein Sprecher. Microsoft selbst hat sich zu den Gerüchten noch nicht offiziell geäußert, aber der Ton ist gesetzt.