Düstere Nachrichten aus Redmond
Bei Microsofts Gaming-Sparte knirscht es gewaltig. Ein interner Aufruf zum „Neustart“ macht die Runde, begleitet von massiven Entlassungen, die Belegschaft von Xbox steht vor einem harten Schnitt.
Details zu den genauen Zahlen oder betroffenen Studios bleiben bislang unter Verschluss. Die Branche reagiert geschockt: Erst im vergangenen Jahr strich der Konzern tausende Stellen bei Activision Blizzard und Bethesda.
Im Januar 2024 entließ Microsoft rund 1.900 Mitarbeiter bei Activision Blizzard und Xbox, das waren acht Prozent der Gaming-Belegschaft. Im Oktober 2023, direkt nach Abschluss der 69-Milliarden-Dollar-Übernahme von Activision Blizzard, folgten weitere 1.900 Kündigungen in den übernommenen Studios. Tango Gameworks („Hi-Fi Rush“) und Arkane Austin („Redfall“) wurden komplett geschlossen. Die jetzigen Gerüchte deuten auf eine dritte Welle hin.
Was bedeutet der „Neustart“ konkret?
- Laut internen Quellen (via GIGA) soll eine Neuausrichtung der gesamten Xbox-Strategie erfolgen
- Der Fokus liegt wohl auf Kernmarken und profitablen Reihen, Experimente stehen infrage
- Einige Projekte könnten eingestellt, andere auf eine schlankere Belegschaft umgestellt werden
Microsoft besitzt heute 40 interne Studios. Die profitabelsten Marken sind Call of Duty (jährlich über 800 Millionen Dollar Umsatz), Minecraft (300 Millionen aktive Spieler) und Candy Crush. Weniger lukrative Titel wie „Pentiment“ oder „Grounded“ haben nur kleine Teams und generieren kaum Abo-Wachstum. Der Game Pass zählte zuletzt 34 Millionen Abonnenten, Analysten erwarten, dass das Plateau bei 40 Millionen erreicht ist. Microsoft braucht höhere Durchschnittseinnahmen pro Nutzer, nicht mehr Abos.
Die Formulierung „Neustart“ klingt nach einem radikalen Bruch mit der Vergangenheit. Für viele Fans weckt das Erinnerungen an die Xbox-One-Ära, als Microsoft nach schwachen Verkaufszahlen die Notbremse zog.
Retro-Gedanken: Schon einmal war Xbox am Abgrund
Kenner der Konsolengeschichte wissen: Redmond hat sich schon nach dem katastrophalen Xbox-One-Launch 2013 mühsam zurückgekämpft. Mit Game Pass und der Series S/X fand man zurück zu alter Stärke.
Dieses Mal sind die Vorzeichen anders. Der Game Pass wächst nicht mehr so rasant, die Hardware-Verkäufe der Series-Konsolen hinken der PlayStation 5 hinterher. Ein erzwungener Neustart könnte bedeuten, dass Microsoft seine Gaming-Ambitionen auf weniger Schultern verteilt.
Die Xbox 360 verkaufte sich 84 Millionen Mal, die Xbox One kam auf 58 Millionen. Die Xbox Series X/S liegt nach vier Jahren bei rund 28 Millionen ausgelieferten Einheiten, die PS5 erreichte im gleichen Zeitraum 59 Millionen. Sonys Exklusivtitel wie „Spider-Man 2“ und „God of War Ragnarök“ treiben die Verkäufe, während Microsofts Exklusivstrategie bröckelt: „Starfield“ verkaufte sich zwar gut, aber die Spielerzahlen brachen nach zwei Monaten ein. „Redfall“ wurde zum Flop, „Halo Infinite“ verlor 90 Prozent seiner Nutzer.
Was bleibt, ist Ungewissheit
Keine offiziellen Zahlen, keine konkreten Studio-Namen, bisher schweigt Microsoft zu den genauen Plänen. Die Belegschaft und die Spieler warten auf klare Ansagen.
Fest steht: Die Ära der unbegrenzten Xbox-Ausgaben ist vorbei. Ob der Neustart die Marke rettet oder sie endgültig zur Randnotiz im Gaming-Geschäft macht, werden die nächsten Monate zeigen.
Phil Spencer, Chef von Microsoft Gaming, sagte im Februar 2024 in einem internen Memo: „Wir müssen wachsen, indem wir mehr Spieler auf mehr Geräte bringen.“ Seitdem brachte Microsoft erste Exklusivtitel wie „Sea of Thieves“ und „Hi-Fi Rush“ auf die PlayStation 5. Ein interner Plan sieht vor, bis 2027 alle First-Party-Spiele auf allen Plattformen zu veröffentlichen, mit Ausnahme von Call of Duty, das aufgrund regulatorischer Auflagen zehn Jahre lang auch auf Nintendo erscheint. Die Xbox-Konsole selbst könnte zur Legacy-Plattform werden, während Microsoft als größter Publisher der Branche auf Abos und Cloud setzt.