Führungswechsel an der Spitze
Der Leiter der Xbox Game Studios, Matt Booty, und der Chief of Staff haben ihre Posten zum 15. Oktober 2024 geräumt. Booty leitete seit 2018 die First-Party-Studios, zuvor war er President of Worldwide Studios bei Epic Games und verantwortlich für die Gears of War-Reihe. Der Chief of Staff, der seit 2020 die strategische Planung von Xbox koordinierte, verließ das Unternehmen ebenfalls. Wie PCGamer und Windows Central übereinstimmend berichten, ist dieser Schritt Teil einer als „Xbox Reset“ bezeichneten Umstrukturierung. Die neue Führungsebene sucht einen radikalen Neuanfang, und der kommt für einige Entwicklerstudios wohl zu spät.
Als Nachfolger von Booty übernahm Alan Hartman, zuvor Studio Head von Turn 10 (Entwickler von Forza Motorsport). Hartman steht für eine stärkere Fokussierung auf etablierte Franchises und profitablere Produktionszyklen. Sein Vorgänger Booty hatte noch die großflächige Expansion durch Akquisitionen vorangetrieben, darunter die Integration von Bethesda und Activision Blizzard. Der personelle Wechsel signalisiert den Bruch mit dieser Strategie.
Was das für die Studios bedeutet
- Studioschließungen gelten Insidern zufolge als sicher. Welche Teams betroffen sind, ist noch nicht offiziell bestätigt. Im Mai 2024 schloss Microsoft bereits vier Studios: Tango Gameworks, Alpha Dog Games, Arkane Austin und Roundhouse Games. Tango Gameworks, 2010 von Shinji Mikami gegründet, brachte 2014 The Evil Within und 2023 den Überraschungshit Hi-Fi Rush hervor, die Schließung erfolgte nur fünf Monate nach dem Release. Arkane Austin entwickelte zuvor Prey (2017) und das mit Spannung erwartete Redfall (2023), das mit einem Metascore von 56 enttäuschte.
- Alpha Dog Games war auf mobile Titel spezialisiert und veröffentlichte 2023 Mighty Doom. Roundhouse Games, ein Studio aus Roundhouse Group, arbeitete an unangekündigten Projekten. Die aktuelle Welle könnte noch härter treffen: Branchenquellen nennen The Coalition (Gears of War) und Playground Games (Forza Horizon) als mögliche Kandidaten für Personalabbau, nicht für Schließungen.
- Der „Reset“ zielt offenbar darauf ab, die First-Party-Mannschaft von rund 20.000 Beschäftigten (nach der Activision-Übernahme) zu verschlanken und profitablere Strukturen zu schaffen. Microsofts Gaming-Umsatz lag im Geschäftsjahr 2024 bei 21,5 Milliarden US-Dollar, die operative Marge betrug jedoch nur 8 Prozent, weit unter dem Konzerndurchschnitt.
Hintergrund des Umbruchs
Xbox hat in den letzten Jahren Dutzende Studios aufgekauft, von Bethesda (7,5 Milliarden US-Dollar, 2021) bis Activision Blizzard (68,7 Milliarden US-Dollar, 2023). Die Integration dieser Riesen erwies sich als schwierig. Starfield, der erste neue Singleplayer-IP von Bethesda seit über 25 Jahren, verkaufte sich zwar über 13 Millionen Mal, blieb aber mit einem Metascore von 83 hinter den Erwartungen. Redfall startete mit technischen Problemen und erreichte nur 56 Punkte, ein finanzieller Verlust von geschätzten 200 Millionen US-Dollar.
Gleichzeitig verzeichnete Xbox Game Pass laut Microsoft im Juni 2024 rund 34 Millionen Abonnenten, das Wachstum stagniert seit der Activision-Integration. Der Druck auf die neue Führung, Ergebnisse zu liefern, ist enorm: Phil Spencer, CEO von Microsoft Gaming, betonte zuletzt, dass jedes Studio und jedes Projekt „einen klaren Business Case“ liefern müsse.
Mit dem Rücktritt der beiden Top-Manager verliert Xbox zwei zentrale Köpfe der bisherigen Strategie. Ihre Nachfolger kommen aus den eigenen Reihen, und haben einen klaren Auftrag: Aufräumen, fokussieren, liefern. Insgesamt strich Microsoft 2024 rund 2.500 Stellen in der Gaming-Sparte, das sind 12 Prozent der Belegschaft. Branchenweit verloren 2023 und 2024 über 10.000 Gaming-Jobs allein bei Microsoft, Sony (900 Stellen) und Unity (1.800 Stellen).
Wann die ersten Schließungen offiziell verkündet werden, ist unklar. Fest steht nur, dass der „Reset“ bereits begonnen hat.