Bloomberg-Bericht: Entlassungen nach dem 30. Juni
Einem Bloomberg-Bericht zufolge plant Microsoft für den nächsten Monat große Entlassungen in der Xbox-Abteilung. Die Maßnahmen sollen nach dem 30. Juni greifen, dem Ende des Microsoft-Geschäftsjahres.
Microsoft hatte bereits im Januar 2024 rund 1.900 Stellen in der Gaming-Sparte gestrichen, vor allem bei Activision Blizzard. Weitere 650 Entlassungen folgten im Mai bei den Bethesda-Studios. Die nun angekündigte Runde könnte die größte seit der Übernahme von Activision Blizzard sein.
CEO Sharma gesteht: „Nicht besonders gesund“
Asha Sharma, seit Februar CEO der Xbox-Sparte, hatte kürzlich eingeräumt, dass das Geschäft „nicht besonders gesund“ sei. In einer internen E-Mail legte sie detaillierte Zahlen vor.
- Die jährlichen Einnahmen sind in fünf Jahren um „fast eine halbe Milliarde Dollar“ gesunken.
- Gleichzeitig flossen über 20 Millionen Dollar in die Xbox-Marke, exklusive der Activision-Blizzard-King-Übernahme.
- Sharma erklärte: „Wir haben unser Studiosystem erweitert, als wir eine Content-Pipeline für mehrere Strategien brauchten: Subscription, Streaming und Geräte. Dabei haben wir uns überdehnt.“
Der Rückgang der Einnahmen betrifft vor allem die Hardwareverkäufe. Die Xbox Series X/S hat sich laut Schätzungen von IDC bis Ende 2023 rund 28 Millionen Mal verkauft, die PlayStation 5 kam auf über 50 Millionen Einheiten. Auch der Game Pass wuchs langsamer als erwartet: Zuletzt nannte Microsoft 34 Millionen Abonnenten, Analysten hatten mit 40 Millionen gerechnet.
Hardware-Komponentenkrise trifft Xbox hart
Sharma spricht von einer „Hardware-Komponentenkrise“. Der KI-Boom treibt die Preise für Speicherbauteile in die Höhe.
- Seit ihrem Amtsantritt im Februar haben sich die Kosten für Console-Speicher mehr als verdoppelt.
- Für die Weihnachtssaison 2027 erwartet Microsoft eine weitere Steigerung auf das Fünffache der Preise von 2024.
- Ein Problem, das die gesamte Tech-Branche betrifft, aber Xbox besonders hart trifft, da Hardware zunehmend für AI genutzt wird.
Betroffen sind vor allem NAND-Flash- und DRAM-Bausteine, die in Konsolen für schnelle Ladezeiten sorgen. Die Nachfrage nach KI-Trainingsinfrastruktur hat die Preise dieser Komponenten in die Höhe getrieben. Sony und Nintendo stehen vor ähnlichen Herausforderungen, aber Microsoft ist durch die gleichzeitige Investition in Cloud-Gaming und Rechenzentren doppelt belastet.
Studienschließungen nicht ausgeschlossen
Die geplanten Entlassungen könnten nur der Anfang sein. Sharma schloss Schließungen von Studios nicht aus, ein massiver Kurswechsel nach der Expansionsära unter Phil Spencer.
- Unter Spencer wurden Compulsion Games, Undead Labs, Ninja Theory sowie Bethesda und Activision Blizzard übernommen.
- Schon Ende Mai kündigte Sharma intern „harte Entscheidungen“ an.
Compulsion Games (Montréal) veröffentlichte 2018 das Survival-Spiel We Happy Few, das bei einem Budget von rund 30 Millionen Dollar nur 1,5 Millionen Einheiten verkaufte. Undead Labs (Seattle) ist bekannt für die State of Decay-Reihe, deren zweiter Teil über 12 Millionen Spieler erreichte. Ninja Theory (Cambridge) brachte 2017 Hellblade: Senua's Sacrifice heraus, ein Indie-AAA-Titel mit einem Budget unter 10 Millionen Dollar, der sich über eine Million Mal verkaufte. Der Nachfolger Senua's Saga: Hellblade 2 erschien im Mai 2024 und erhielt gute Kritiken, aber niedrige Spielerzahlen auf Game Pass. Bethesdas Starfield (September 2023) blieb hinter den Erwartungen zurück, während Activision Blizzard mit Call of Duty und Diablo 4 solide Einnahmen liefert.
Was kommt nach dem Stichtag?
Die Entlassungen sollen nach dem 30. Juni beginnen. Bis dahin ist unklar, wie viele Stellen genau gestrichen werden und ob Studios wie Ninja Theory oder Undead Labs überleben.
Betroffen sein könnten auch erste Parteien wie Turn 10 Studios (Forza Motorsport), The Coalition (Gears of War) und Playground Games (Fable). Microsofts nächste geplante Konsole, angeblich für 2028, steht aufgrund der Speicherkosten ebenfalls unter Druck. Analysten der Firma DFC Intelligence schätzen, dass Microsoft ohne harte Einschnitte bis 2026 jährlich 1,5 Milliarden Dollar Verlust in der Gaming-Sparte machen könnte.