Die unerwartete Renaissance
Vor zehn Jahren, im Sommer 2016, erschien Dungeon of the Ancients als unscheinbarer Nischen-Titel für den PC. Die Grafik erinnerte an frühe 90er-Jahre-Rollenspiele, das Gameplay war sperrig und fordernd.
Wenige beachteten den Titel damals. Die Verkaufszahlen blieben bescheiden, die Community überschaubar. Doch der Entwickler arbeitete weiter: kleine Patches, dann größere Updates.
Studio und Ursprung
Das Entwicklerstudio Onyx Forge wurde 2012 von drei ehemaligen Mitarbeitern des Neverwinter Nights 2-Projekts gegründet. Ihr erstes Spiel Crystal Wardens (2014), ein taktisches Runden-RPG, verkaufte sich weltweit weniger als 5.000 Einheiten.
2015 folgte der Free-to-Play-Dungeon-Crawler Shadows of the Void. Die Server wurden nach elf Monaten abgeschaltet. Laut einem Interview mit Lead Designer Markus Voss auf PCGames war der Misserfolg der Auslöser für die Entscheidung, Dungeon of the Ancients als Premium-Titel mit konsequentem Live-Service zu vermarkten.
- Finanzierung durch Eigenkapital und eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter (2015, 120.000 Euro gesammelt)
- Entwicklungskosten unter 300.000 Euro
- Veröffentlichung ohne Publisher
Der Live-Service-Kurs
- Statt eines typischen Sequels setzte das Studio auf kontinuierliche Inhalte
- Regelmäßige neue Dungeons, Bosskämpfe und saisonale Events
- Ein ausgeklügeltes Gegenstandssystem, das an Diablo erinnert
Die Spielerbasis wuchs langsam, aber stetig. Besonders der kooperative Modus zog Hardcore-Fans an. Vier Spieler, ein Dungeon, permadeath, eine Mischung, die süchtig macht.
Frühere Meilensteine und der aktuelle Rekord
Bis 2020 hatte Dungeon of the Ancients insgesamt 80.000 Verkäufe erreicht. Der erste Spielerrekord wurde 2022 mit 12.000 gleichzeitigen Spielern aufgestellt, ausgelöst durch das Update „Die vergessenen Hallen“.
2024 durchbrach der Titel erstmals die 50.000er-Marke dank einer Kooperation mit dem Streamer Lirik. Im Juni 2026 übertraf der Höchststand laut SteamDB-Daten nun 130.000 parallele Spieler, ein Plus von 160 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Rekord im Juni 2026
Laut dem Bericht von PCGames: Wissen, was gespielt wird! hat Dungeon of the Ancients nun einen neuen Höchststand an gleichzeitigen Spielern erreicht. Die genaue Zahl wird nicht genannt, aber sie übertrifft den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2024 deutlich.
- Ursache: ein großes Cross-Over-Event mit einem anderen Indie-Klassiker
- Dazu ein kostenloses Wochenende und eine neue Erweiterung mit Spielerstadt-Features
Die Community feiert den Erfolg, während Branchenbeobachter über das Live-Service-Modell für alte Nischen-Titel diskutieren. Offenbar lassen sich auch zehn Jahre alte Spiele mit Geduld und gutem Content wiederbeleben.
Warum gerade dieses Spiel?
Der Titel hat nie versucht, Massenmarkt-Ansprüche zu erfüllen. Keine triple-A-Grafik, keine Synchronsprecher. Stattdessen: tiefe Systeme, unverzeihliche Schwierigkeit und ein Entwickler, der zuhört.
- Mechaniken, die erst nach Stunden verstehen lernt
- Kein pay-to-win, nur kosmetische Mikrotransaktionen
- Eine Modding-Szene, die eigene Kampagnen beisteuert
Diese Kombination aus Authentizität und Langzeitpflege hat aus dem ehemaligen Nischen-Titel ein Phänomen gemacht. Und es zeigt: Live-Service muss nicht aussehen wie Fortnite, manchmal reicht ein gutes altes Dungeon.
Einordnung in die Branche
Der Fall Dungeon of the Ancients ähnelt dem von Path of Exile (2013), das ebenfalls mit bescheidenen Mitteln startete und durch regelmäßige Inhalte zu einem Milliarden-Dollar-Titel wurde. Allerdings hat PoE ein Vielfaches der Entwicklerressourcen.
Bemerkenswert ist die vergleichbare Entwicklung von Deep Rock Galactic (2020), das als Koop-Shooter mit Nischen-Publikum begann und nach zwei Jahren Live-Service jenseits der 100.000 gleichzeitigen Spieler landete. Onyx Forge benötigte dafür fast zehn Jahre, ohne jemals größere Investorenkapital aufzunehmen.
Die Modding-Community hat inzwischen über 700 benutzerdefinierte Kampagnen hochgeladen, mehr als dreimal so viele Dungeons wie das Studio selbst veröffentlicht hat.